Figuren des Ausdrucks.
Formation einer Wissenskategorie zwischen 1700 und 1850
Mittwoch, 21.01.2009 bis Donnerstag, 22.01.2009
Zentrum f. Literatur- u. Kulturforschung, Schützenstr. 18, 10117
Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum 308
Eine Veranstaltung des Projekts "Ausdrucksgebärden zwischen
Evolutionstheorie und Kulturgeschichte"
Zwischen 1700 und 1850 entwickelte sich der Ausdruck zu einem
Fachbegriff und erfuhr in verschiedenen Feldern von Kunst und
Wissenschaft, insbesondere für anthropologische Fragen, eine enorme
Aufwertung. Der Höhepunkt des epistemischen Interesses an allen
natürlichen wie künstlerischen Ausdrucksphänomenen wurde dann im
späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreicht. Die
praktischen und diskursiven Veränderungen der unterschiedlichen
Ausdruckskulturen in den Wissenschaften und Künsten während dieser 150
Jahre umfassenden Formationszeit des Begriffs sind Gegenstand der
Arbeitstagung.
Im Zentrum stehen personale Figuren des Wissens, verschiedene
Darstellungsweisen des Schauspielers, Musikers, Tänzers, Malers,
Rhetors, Denkers und Wissenschaftlers, die über Disziplingrenzen
hinweg untersucht und in ihren geschichtlichen Veränderungen
nachgezeichnet werden. Die vielfältigen Bezüge, in denen sich Theorien
und Praktiken des Ausdrucks entfalten, werden in
kulturwissenschaftlicher Perspektive thematisiert, was neben deren
fachwissenschaftlichen auch philosophische und
wissenschaftsgeschichtliche Aspekte einschließt.
Wird Ausdruck in der geläufigsten Bedeutung als Manifestation von
Absichten und Affekten beim Individuum verstanden, dann erschließt ein
interdisziplinärer kulturwissenschaftlicher Zugang den Ausdruck auch
als produktionsästhetische Kategorie der Gestaltung, (Trans-)Formation
und Sublimierung künstlerischer und wissenschaftlicher Artefakte und
darüber hinaus als Beobachtungskategorie der Wissenschaften. In seiner
Bedeutung als operationaler Terminus eines sich im 18. Jahrhundert
formierenden Diskurs- und Metaphernfeldes lässt sich Ausdruck nur im
Dialog zwischen verschiedenen Künsten und Wissenschaften untersuchen.
Die Arbeitstagung ist demzufolge als Gedankenaustausch zwischen
Kunst-, Musik-, Theater- und Literaturwissenschaftlern,
Wissenschaftshistorikern und Philosophen gedacht.
Programm
Mittwoch, 21.1.2009
14.00 Uhr
Sigrid Weigel (ZfL): Begrüßung
Tobias Robert Klein (ZfL), Erik Porath (ZfL)
Einführende Bemerkungen
14.30
Kevin Joel Berland (Shenango, PA)
Signs diagnostick, and prognostick: The evolving language of
temperament in physiognomy
Dietmar Till (Tübingen)
Die Biene und die Spinne. Rhetorische Poetik und Ausdrucksästhetik im
18. Jahrhundert
16.30
Melissa Percival (Exeter)
Less is more: Imaging the face in the eighteenth century
Linda Walsh (Milton Keynes)
Finding a middle way: the search for a language of expression in mid
eighteenth-century French genre painting
Donnerstag, 22.1.2009
10.00
Søren Møller Sørensen (Kopenhagen)
Touching -- Moving -- Saying. Some remarks on the notions of vibration
and resonance in musical thinking around 1800
Petra Löffler (Wien)
Figuren des Ausdrucks in Schauspieltheorie und Medizin um 1800
12.00
Nicolas Pethes (Hagen)
"She smiled as if much amused".
Die Generierung expressiver Gesten in Menschenversuchen
12.45
Abschlussrunde
Bei Rueckfragen wenden Sie sich bitte ant:
Erik Porath (mailto:porathzfl.gwz-berlin.de) oder
Tobias Robert Klein (kleinzfl.gwz-berlin.de)
Vgl. auch:
http://www.zfl.gwz-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungen//_/299/?cHash=1c130f9010
Reference:
CONF: Figuren des Ausdrucks (Berlin, 21-22 Jan 09). In: ArtHist.net, Jan 6, 2009 (accessed Jan 1, 2026), <https://arthist.net/archive/31197>.