CFP May 9, 2002

Das Bild als Autoritaet, ca. 1450-1650 (LMU Muenchen, 28.2.-1.3.03)

Gabriele Wimboeck

Call for Papers:
"Das Bild als Autoritaet - Die normierende Kraft des Bildes"

Kolloquium des Sonderforschungsbereichs SFB 573, Teilprojekt B2, Muenchen,
28. Februar bis 1. Maerz 2003

Deadline: 15. Juni 2002

Seit April vergangenen Jahres ist an der Universitaet Muenchen ein
Sonderforschungsbereich (SFB 573) taetig, der sich unter den Leitbegriffen
,Pluralitaet' und ,Autorisierung' mit den Konstitutionsbedingungen der
Fruehen Neuzeit befasst (,Pluralisierung und Autoritaet in der Fruehen
Neuzeit (15. bis 17. Jahrhundert)'). Die Rolle von Bildern in den
Pluralisierungs- bzw. Autorisierungsprozessen dieser Epoche wird dabei von
einem kunsthistorischen Teilprojekt ("Wahrnehmung von Wirklichkeit -
Visualisierung des Wissens. Formen und Funktionen des Bildes in der Fruehen
Neuzeit") untersucht.

Naehere Informationen in Kurzform unter:
http://www.fak09.uni-muenchen.de/Kunstgeschichte/sfb.html
bzw. ausfuehrlicher unter:
http://www.sfn.uni-muenchen.de/sfb/

In diesem Zusammenhang ist fuer Fruehling 2003 ein Kolloquium geplant, das
sich mit den autoritativen Faehigkeiten von Bildern im ausgehenden
Mittelalter und Frueher Neuzeit (ca. 1450-1650) im deutschen und
niederlaendischen Raum mit moeglichen Ausblicken auf den italienischen
Bereich beschaeftigen soll. Im Mittelpunkt soll die Frage stehen, in welchen
Bereichen und mit welchen Auspraegungsmustern Bildern normative Funktion
zugeschrieben wurde, auf welche Wahrnehmungs- und Verbildlichungskonzepte
sich die Autoritaet der Bilder bzw. die Akzeptanz der Normsetzung gruendete
und in welcher Weise solche Konzepte hinterfragt oder gegen sie opponiert
wurde. Geplant sind folgende Themenbereiche:

1. Bereiche und Wirkungsweisen von Normativitaet:
Anzutreffen sind normgebende Bilder im Bereich der Theologie (z.B. im
Konfessionalisierungsprozess, in der Katechese oder der kirchlichen
Selbstdarstellung), der profanen Oeffentlichkeit (z.B. Genealogie,
Tugendprogramme, Portraet), der Wissenschaft (z.B. Enzyklopaedie, Medizin,
Kartographie) oder der Kunst selbst, wo sie in dogmatischer,
legitimatorischer, definitorischer oder selbstreferentieller Weise auftreten
koennen. Zu fragen ist, in welchem Umfang, in welcher Form und mit welchen
Anspruechen Bilder diese Funktion uebernehmen koennen.

2. Legitimation und Akzeptanz normativer Bilder:
Der Akzeptanz von Bildern normativer Art und ihrer Gueltigkeit koennen
unterschiedliche Konzepte zugrunde liegen, die teilweise auf allgemeinere
Formen der Weltdeutung und visuellen (Wissens-)Vermittlung zurueckgehen.
Charakteristisch fuer den untersuchten Zeitraum ist die parallele Existenz
verschiedener bildlicher Darstellungsformen (Bild als Fenster, als Metapher,
als Zeichen), deren jeweiliges Autoritaetskonzept hinterfragt werden muss.
Die Legitimation kann sich etwa aus visueller Evidenz (z.B. im Verhaeltnis
zur Wiedergabe der aeusseren Welt - in visueller Aneignung oder in
zeichenhafter Absetzung), in Konkurrenz oder Kongruenz zu verbaler
Argumentation oder ueber ausserbildliche Begruendungsstrategien (z.B.
Traditionsbildung, Historizitaet) herleiten.

3. Opposition zur Normativitaet:
Denkbar ist schliesslich auch oppositionelles Verhalten gegenueber der
Normativitaet. Beispiele dafuer sind Bildpolemik (religioeser Bereich) oder
Bildsatire (profan), die Verweigerung etablierter Abbildungsmodelle oder
deren bewusste Verkehrung (z.B. Anamorphose), die Infragestellung von
Wahrheitsanspruechen (vgl. konfessionelle Polemik: "Luegenbilder"), die
Autonomisierung des Kunstcharakters sowie im extremsten Fall der
Bildersturm.

Referatvorschlaege (ca. 1 Seite) werden bis zum 15. Juni 2002 erbeten.

Kontakt:
Dr. des. Gabriele Wimboeck,
Institut fuer Kunstgeschichte/Department Kunstwissenschaften,
Georgenstrasse 7,
80799 Muenchen,
Tel. 089/2180-6306,
e-mail: gabriele.wimboecklrz.uni-muenchen.de.

Reference:
CFP: Das Bild als Autoritaet, ca. 1450-1650 (LMU Muenchen, 28.2.-1.3.03). In: ArtHist.net, May 9, 2002 (accessed Apr 1, 2023), <https://arthist.net/archive/25047>.

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