Studientag "Was ist gotische Architektur?" (Frankfurt, 16 Dec 11)

Frankfurt am Main, 16.12.2011

„Was ist gotische Architektur? Aktuelle Positionen und Debatten.“

Der Studientag versucht, grundsätzliche aktuelle Definitionsmöglichkeiten von „gotischer Architektur“ zu umreißen. Solche Positionsbestimmungen waren bekanntlich bis in das späte 20. Jahrhundert eine Kernfrage nicht nur der Kunstgeschichte, sondern verschiedenster weltanschaulicher Positionen. Derart generelle Themenstellungen sind aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahren aus dem Blickwinkel der Forschung geraten.
Allerdings gibt es gute Gründe, die gotische Architektur in all ihren Ausprägungen vom 12. bis zum 16. Jahrhundert als Spezifikum aufzufassen und nach ihren grundsätzlichen Zwecken und Zielen sowie ihrer besonderen medialen Qualität zu fragen. Dies machen allein die Kriterien deutlich, die allgemein für die periodische Abgrenzung der Gotik von „Romanik“ und „Renaissance“ angewandt werden. Die wissenschaftliche Architekturgeschichte hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche wichtige Kriterien der gotischen Architektur untersucht. Hierunter sind die Erschließung von technischen, logistischen und organisatorischen Faktoren des gotischen Bauens ebenso zu nennen wie die Anwendung der Methoden der historischen Semantik und politischen Ikonographie. Neben metaphorisch-theologische Ausdeutungen insbesondere des gotischen Sakralbaus tritt zunehmend der wichtige Aspekt, dass die gotische Architektur in einen performativen Raum eingebunden ist, in dem verschiedenste Bildmedien, symbolische Besetzungen und liturgische Nutzungen interagieren. Noch recht wenig untersucht ist der Aspekt der Funktion gotischen Bauens in städtischen Kontexten mit einer veränderten Auffassung von Öffentlichkeit.
Insoweit werden hier zumindest implizit unterschiedlichste Grundverständnisse deutlich: technologisches Experiment, theologisches Symbol, liturgische Topographie, Gerüst für leuchtende und interaktive bzw. appellative Bilder, politisches Propagandainstrument u. v. m. Der Studientag beansprucht, diese teilweise sich überschneidenden, teilweise konfligierenden Positionen im gemeinsamen Gespräch zu erläutern und zu konturieren sowie Interferenzen aufzudecken.

Programm
9 h – 9 h 30: Prof. Christian Freigang, Univ. Frankfurt/M.: Einführung - Grundlagen der aktuellen Forschung zur gotischen Architektur: Perspektiven und Probleme.

10 h – 10 h 30: Prof. Matthias Müller, Univ. Mainz: Die Tradition des Ortes als formbestimmendes Prinzip gotischer Sakralarchitektur.

11 h – 11 h 30: Kaffeepause

11 h 30 – 12 h: Prof. Wolfgang Schenkluhn, Univ. Halle: Autorität der Form: Gotische Architektur unter dem Blickwinkel des Architekturzitats.

12 h 30 – 14 h: Mittagspause

14 h – 14 h 30: PD Dr. Stefan Bürger, TU Dresden: Fünf Aspekte spätgotischer Architektur – Konstruktion ist nicht gleich Konstruktion.

15 h – 15 h 30: Prof. Bruno Boerner, Univ. Rennes: Gotischer Sakralbau als Medium von Urbanität.

15 h 30 – 16 h: Kaffeepause

16 h – 16 h 30: Prof. Peter und Prof. Brigitte Kurmann, Univ. Fribourg bzw. Univ. Zürich: Architektur und Bildkünste im 13. Jahrhundert. Bemerkungen zu ihrer wechselseitigen Abhängigkeit an französischen Kathedralen.

17 h – 17 h 30: Prof. Bruno Klein, TU Dresden: Gotik – gesteigerte Kommunikation und elaborierte Medialität.

18 h 30: Christian Freigang: Gotische Architektur als Ort von Lärm, Klang und Musik.
Anschließend Wein und kleines Buffet

Ort: Frankfurt/M., Universitätscampus Bockenheim, Jügelhaus (Mertonstr. 17-21), Alte Aula
Der Studientag ist öffentlich, Gebühren werden nicht erhoben. Zur Erleichterung der Planung wird um Voranmeldung gebeten. Information und Kontakt: Adela Kutschke (ada.kutschkegmx.de)

Veranstalter: Kunstgeschichtliches Institut der Goethe Universität Frankfurt, Studienstiftung des Deutschen Volkes

Initiatoren: Prof. Christian Freigang (Universität Frankfurt/M.), Prof. Matthias Müller (Universität Mainz)

Quellennachweis:
CONF: Studientag "Was ist gotische Architektur?" (Frankfurt, 16 Dec 11). In: H-ArtHist, 19.11.2011. Letzter Zugriff 26.06.2017. <https://arthist.net/archive/2286>.

Beiträger: Prof. Christian Freigang, Berlin

Beitrag veröffentlicht am: 19.11.2011

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