Selbstthematisierung und Selbstreflexion haben ihren klassischen Ort in der Schriftkultur: in Memoiren, Brief und Tagebuch. Im 19. und 20. Jahrhundert begegnet hier immer häufiger die Metapher vom Inneren des Hauses als „Abdruck des Subjekts“ (Walter Benjamin) und das Verständnis der Wohnung als Seelenraum (Gaston Bachelard).Wie verhält sich aber das gebaute Haus hierzu? Inwieweit ist es Träger des Selbst und Ort und Medium der Selbstreflexion? Die Tagung wird vor der Folie der Autobiographieforschung, die primär das Medium des Schrifttextes fokussiert, die Potentiale von Architektur als Präsentations- und Inszenierungsmedium von Lebensläufen in den Blick nehmen. In Abwandlung des sprechenden Terminus des lifewriting wird der Frage nachgegangen, welche Rolle in der Moderne die Architektur alslifebuildingeinnimmt.
Tagungsprogramm
DONNERSTAG, 27. OKTOBER 2011
(Philosophicum Fakultätssaal)
13:30 Uhr ELISABETH OY-MARRA
Begrüßung
13:40 Uhr SALVATORE PISANI, Saarbrücken
Einführung: Ich-Architektur.
Das Haus als gelebte Vita
Moderation: Elisabeth Oy-Marra
14:00 Uhr MARTINA WAGNER-EGELHAAF, Münster
Goethes Einquartierungen. Zur
autobiographischen Dimensionalität besetzter Räume
14:45 Uhr CARSTEN RUHL, Weimar
Autobiographie und ästhetische Erfahrung. John Soanes Künst-
lerhaus in Lincoln’s Inn Fields
15:30 Uhr Kaffeepause
16:00 Uhr HERBERT MOLDERINGS, Bochum
33 West 67th. Duchamps New
Yorker Atelier als Wahr-
nehmungslabor
18:30 Uhr Abendvortrag (Institut für Kunstgeschichte)
URSULA PIA JAUCH, Zürich
Über den Raum des Denkens. Ein paar Bemerkungen, aus-
gehend von Heideggers „Hütte“ und mit einem kleinen Holzweg
zu Mies van der Rohes „Villa
Tugendhat“
FREITAG, 28. OKTOBER 2011
(Philosophicum Fakultätssaal)
Moderation: Klaus Weber
09:30 Uhr MICHAEL GNEHM, Zürich
„Räume zu wohnlicher Zusam-menstimmung“: Theodor Fischer mit Goethe und Stifter
10:15 Uhr SALVATORE PISANI, Saarbrücken
Federico Latini über die Villa als unzeitgemäße Reflexionsfigur des Selbst im faschistischen Italien
11:00 UHr Kaffeepause
11:30 Uhr GREGOR WEDEKIND, Mainz
Der Seelenpalast des Briefträgers Ferdinand Cheval
12:15 Mittagspause
Moderation: Salvatore Pisani
14:15 Uhr KATHARINA SIEBENMORGEN, Dresden/Paris
Autobiographischer Text als
Gefängnis
15:00 Uhr JÖRG STABENOW, Augsburg
Das Buch zum Haus. Publizierte
Architektendomizile der Moder-
ne
15:45 Uhr Kaffeepause
Moderation: Juliane von Fircks
16:15 Uhr MATTHIAS MÜLLER, Mainz
Vom Haus „wie Wir“ zum Haus „wie Ich“: Frank O. Gehrys Haus in Santa Monica als Bruch mit der Tradition kollektiver Identität in der Architektur
SAMSTAG, 29. OKTOBER 2011
(Philosophicum Fakultätssaal)
Moderation: Christian Berger
09:30 Uhr ANNELIE LÜTGENS, Wolfsburg
Das Atelier als Lebensgehäuse für Künstlerinnen der Moderne, am Beispiel von Hannah Höch, Jeanne Mammen und anderen
10:15 Uhr ELISABETH OY-MARRA, Mainz
Das Haus als Körperteil und Obsession: Louise Bourgeoise „Femme maison“
11:00 Kaffeepause
Moderation: Elisabeth Oy-Marra
11:30 Uhr HENRY KEAZOR, Saarbrücken
„Corps de songes/Corps de cauchemars“? David Finchers Film „Panic Room“
12:15 Uhr KLAUS JAN PHILIPP, Stuttgart
Festungen zum Wohnen. Ein-familienhäuser der 1960er und 1970er Jahre in Deutschland
Tagungsort:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophicum, Fakultätssaal
Jakob-Welder-Weg 18
55099 Mainz
Reference:
CONF: Ein Haus wie Ich - Gebaute Autobiographie in der Moderne (Mainz, 27-29 Oct 11). In: ArtHist.net, Oct 6, 2011 (accessed Apr 5, 2026), <https://arthist.net/archive/1983>.