Gemeinhin gelten die Niederlande nicht gerade als das Heimatland bildhauerischer Tätigkeit. Allerdings fällt bei näherer Sicht auf, dass nord- wie südniederländische Bildhauer in der Frühen Neuzeit, besonders im Zeitraum zwischen 1550 und 1650, einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der europäischen Skulptur geleistet haben. Die bedeutendsten Werke befinden sich allerdings außerhalb der Grenzen der Niederlande und Belgiens, weshalb sie von der bisherigen Forschung meist nur am Rande oder gar nicht wahrgenommen wurden. Dabei war gerade die ausgesprochene Mobilität der niederländischen Bildhauer im 16. und 17. Jahrhundert einer der wichtigsten Gründe für ihren bedeutenden Anteil am künstlerischen Geschehen. Die Künstler waren zum Teil weit gereist und wurden fern von ihrer Heimat tätig, sie arbeiteten in verschiedenen Orten und Regionen zwischen Schweden und Spanien und von England bis in die heutige Ukraine. Selbstverständlich besuchten viele von ihnen Rom als Mekka der Bildhauerkunst in der Frühen Neuzeit.
Die Diaspora der niederländischen Bildhauer in diesem Zeitraum ist noch nicht systematisch erfasst worden. Das Forschungsprojekt möchte sich genau dieser Aufgabe widmen. An erster Stelle und als Grundlage aller weiteren Untersuchungen soll eine Datenbank erstellt werden, in der die bio- und geografischen Daten sowie chronologische Angaben der migrierenden Bildhauer systematisiert und nach einem festgelegten Schema etabliert werden. Dazu wird das aktuelle System zur Dokumentation von Künstlerdaten und Kunstwerken des RKD in Den Haag herangezogen und in Zusammenarbeit mit Experten der Universität Breslau um einige Parameter für diese Zwecke ergänzt. Diese Art der Dokumentation soll dazu dienen, bestimmte Strukturen und Muster innerhalb der Wanderbewegungen und Karriereverläufe der Künstler zu erkennen und zu analysieren. Darauf aufbauend ist schließlich eine ‚kollektive Biografie‘ der wandernden Bildhauer denkbar. Ausgehend von der Mobilität der Künstler soll auf diese Weise ein neues Licht auf die Stilentwicklung in der europäischen Skulptur geworfen, und der Historiografie der künstlerischen Beziehung zwischen den Niederlanden und dem übrigen Europa ein neues Kapitel hinzugefügt werden.
Auf der internationalen Konferenz des Arbeitskreises für niederländische Kunst- und Kulturgeschichte vom 30.09.-02.10.2011 in Frankfurt am Main
findet am Samstag eine Informationsveranstaltung zu diesem anlaufenden Projekt statt. Die Initiatoren laden alle am Thema Interessierten Wissenschaftler, Doktoranden und Studierenden herzlich zur Teilnahme ein. Sie werden dort über das Projekt selbst und die Möglichkeit zur Mitarbeit sprechen. Zugleich möchten sie alle in diesem Themenfeld Tätige dazu aufrufen, an der Datenbank und dem Projekt mitzuwirken! Sollten Sie Interesse an dem Projekt haben, unabhängig davon, ob Sie zu der Veranstaltung kommen oder nicht, können Sie sich gerne an eine der unten genannten Personen wenden.
Wir freuen uns über Ihr Interesse und auf Ihr Kommen!
In Amsterdam: Arjan de Koomen (Universiteit van Amsterdam):
A.R.deKoomenuva.nl
Frits Scholten (Rijksmuseum Amsterdam)
f.scholtenrijksmuseum.nl
In Bamberg: Eveliina Juntunen (Universität Bamberg)
eveliina.juntunenuni-bamberg.de
In Wroc?aw: Aleksandra Lipi?ska (Uniwersytet Wroc?awski)
aleksandra.lipinskao2.pl
Quellennachweis:
ANN: Artists on the Move. Bildhauer in den Niederlanden in Europa 1450-1650. In: ArtHist.net, 20.09.2011. Letzter Zugriff 15.03.2026. <https://arthist.net/archive/1884>.