CFP: Bilder trimmen. Politiken des Formats seit 1960 (Bern, 13-14 Oct 17)

Universität Bern, Institut für Kunstgeschichte, 13. - 14.10.2017
Eingabeschluss: 30.04.2017

Workshop
BILDER TRIMMEN. POLITIKEN DES FORMATS SEIT 1960
Universität Bern, Institut für Kunstgeschichte, 13./14. Oktober 2017
Call for Papers

Der zweitägige Workshop fragt nach den politischen, sozialen und ökonomischen Implikationen von Bildformaten. Es soll diskutiert werden, wie das seit den 1960er Jahren vermehrte Aufeinandertreffen von Künsten und Bildtechnologien eine Auseinandersetzung mit vorgegebenen Standards der Bildproduktion und -distribution nach sich zog.

Der Begriff „Format“ wird gegenwärtig im Allgemeinen vor allem dazu benutzt, funktionale Formen der (digitalen) Datenträger und Darstellungsformen der Massenmedien zu bezeichnen. Wir sprechen etwa von Dateiformaten wie Jpeg oder von Fernsehformaten wie der Talkshow. Das Wort geht aber, wie der kunsthistorisch viel bekanntere Begriff der Form, auf das lateinische „formare“ (bilden, gestalten) zurück und hatte bereits im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Buchdruck seine bis heute gängige Bedeutung von standardisierten Größenverhältnissen eines Daten- bzw. Darstellungsträgers gehabt. In Bezug auf Bilder nutzte im 19. Jahrhunderts die damals junge Disziplin Kunstgeschichte den Terminus „Format“. Zum einen diente er dazu, die Dimensionen von Darstellungen in ihrer Wirkung auf die Betrachter_innen systematisch zu erfassen (Fechner 1876). Zum anderen konnte mit seiner Hilfe eine historische Entwicklung formuliert werden, an deren Kulminationspunkt das Ideal der Balance von Bildträgern und Architektur in der Renaissance stand (Burckhardt 1886). Diese Diskurse um das Format fanden zur selben Zeit statt, als die zunehmende Standardisierung von Produktionsabläufen im 19. Jahrhundert das moderne Subjekt dazu anregte, sich neu im Verhältnis zu Automation und Technologie zu verorten. Jüngere kunsthistorische Positionen widmen sich erneut dem Format, etwa aus phänomenologischer Perspektive (Ubl 2012). Weiterhin wird die Aufmerksamkeit auf Phänomene der Netzwerkbildung sowie der Zirkulation von Bildern im digitalen Raum gelenkt (Joselit 2012), und damit auf die Regime der Distribution, die durch die Wahl bestimmter Formate jeweils vorgegeben werden.

Anschließend an diese neueren Debatten möchte der Workshop nach künstlerischen Auseinandersetzungen mit Bildformaten und deren politischen, sozialen und ökonomischen Implikationen fragen. Insbesondere soll dabei der Zeitraum seit 1960 in den Blick kommen. Die Beschäftigung der Künste mit Technologien – ob mit Fernsehen, Video, Telekommunikation oder den Vorformen digitaler Praktiken – zog auch das Interesse von Künstler_innen an den vorgegebenen Standards der Bildproduktion nach sich. So setzten sich etwa Chris Burden und Klaus vom Bruch in den 1970er Jahren kritisch mit dem Format Fernsehwerbung auseinander, indem sie deren eingängige Rhetorik offen legten und damit die Erwartungen der Betrachter_innen und Zuschauer_innen an das Format Werbung unterminierten. Die Riesenformate des Abstract Expressionism wurden von der Kunstkritik der 1960er-Jahre nicht zuletzt als ein genuin US-amerikanischer Bildstandard diskursiviert. Das New Yorker Künstlerkollektiv DIS betreibt eine ständig aktualisierte Homepage, die dem Format zeitgenössischer Nachrichten- und Shoppingportale nachempfunden ist. Der Workshop knüpft an das aktuelle Fachinteresse am wechselseitigen Einfluss von Technologie und Künsten an, wie es beispielsweise in der umfassenden Ausstellung „TeleGen“ (Bonn und Vaduz 2016) oder an der Berlin Biennale X (Berlin 2016) zu beobachten ist. Beide Ausstellungen thematisierten das Verhältnis von Fernsehen bzw. Internet, Kunst und Gesellschaft.

Das Themenspektrum der Beiträge kann folgende Bereiche berühren, ist aber keinesfalls auf diese beschränkt:

- Bildformat als Bedeutungsgröße: Wie begründen Künstler_innen die Skalierung ihrer Bilder? Inwiefern dient etwa das Großformat von Gemälden, Fotografien oder Filmleinwänden als Identifikations- oder Abgrenzungsgestus? Inwiefern impliziert das Bildformat eine politische Dimension?

- Editing und Retusche: Welche Bildausschnitte definieren Künstler_innen für die Produktion von Künstlerbüchern, Fotografien, Film- und Videoarbeiten? Was fällt aus dem Bild, wird retuschiert oder nachträglich zusammengefügt, um Werke auf ein bestimmtes Format zu trimmen?

- Datenbanken, Plattformen und Archive: Welche Standards geben Vertriebsnetze wie Stock Photography Agenturen oder Videoportale vor? Wie setzen sich Künstler_innen kritisch mit diesen Standards auseinander?

- Antiquierte Formate: Wie ist die erneute Aktualität von antiquierten Bildstandards wie Polaroid-Fotografie, 16mm-Film, Dia-Projektoren, Plattenspielern in den Künsten zu verstehen?

- Materialität der Technologie: Welche materiellen Manifestationen ziehen unterschiedliche Technologien nach sich, und wie wirken sich diese technischen Formate – Videostandards seit etwa 1970, Apple vs. PC, Handheld vs. stationäre Apparatur – auf die Rezeption der damit erzeugten Bilder aus?

- Produktivität des Formatbegriffs: Inwieweit ist der Formatbegriff fruchtbar für eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit medialen Dispositiven? Wie eng bzw. weit sollte der Umfang der darunter subsummierten Phänomene gefasst werden? Wie verhält er sich zu verwandten Termini wie Genre und Medium?

Der Call for Papers richtet sich vor allem an Nachwuchswissenschaftler_innen. Vorschläge für Vorträge von 25-30 Min. Dauer aus den Bereichen der Kunstgeschichte, insbesondere die Künste seit den 1960er Jahren betreffend, sind ebenso willkommen wie Einsendungen aus der Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft, der Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie der Philosophie.

Reisekosten in üblichem Umfang sowie die Unterbringung für eine Nacht werden übernommen. Bitte senden Sie Ihren Themenvorschlag von max. 500 Wörtern sowie einen CV bis zum 30. April 2017 an yvonne.schweizerikg.unibe.ch und magdalena.nieslonyikg.uni-stuttgart.de.

Organisatorinnen:
Dr. des. Yvonne Schweizer, Universität Bern, Abteilung für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart
Dr. Magdalena Nieslony, Universität Stuttgart, Institut für Kunstgeschichte

Quellennachweis:
CFP: Bilder trimmen. Politiken des Formats seit 1960 (Bern, 13-14 Oct 17). In: H-ArtHist, 07.03.2017. Letzter Zugriff 25.03.2017. <https://arthist.net/archive/14907>.

Beiträger: Yvonne Schweizer

Beitrag veröffentlicht am: 07.03.2017

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