CFP Mar 4, 2016

Corr: Gender 2.0, kritische berichte Heft 4 2016

Deadline: Mar 18, 2016

Änne Söll

CFP kritische berichte Heft 4, 2016

Gender 2.0
Neue Geschlechterforschung in den Kunst- und Kulturwissenschaften

[Corr: New: English version and Deadline]

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Herausgegeben von Änne Söll und Linda Hentschel

Ist „Gender“, so könnte man mit den Worten Anne Fleig, fragen, „inzwischen zur Währung auf dem neoliberalen Markt der Möglichkeiten geworden“? Hat Gender als kritischer Begriff sein Potential als Analyseinstrument von Machtverhältnissen eingebüßt? Oder kann „Gender“ in seiner ganzen Komplexität weiterhin als Begriff dienen, der ein kritisches Denken (und Handeln) über Geschlechter ermöglicht? Wie verhalten wir uns angesichts eines sich immer weiter ausbreitenden „Anti-Genderismus“ (Sabine Hark)? Welche Rolle spielt „Gender“ in der kunst- und kulturwissenschaftlichen Forschung jetzt? Was bedeutet Geschlechterforschung in den Kunst- und Kulturwissenschaften heute? Wie können Interdependenzen von „Gender“ und „Race“ noch stärker in Reflexionen über visuelle Regime einbezogen werden? Diesen Fragen will sich das Heft 4 der kritischen berichte stellen. Dabei zielt es neben einer Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und deren historischen Dimension auch auf eine Diskussion um die Zukunft des Konzepts von „Gender“ in der visuellen Kultur. Wie wird sich die Diskussion um Fragen nach Geschlecht, Identitäten und sexueller Orientierung entwickeln? Wie steht die Kunstgeschichte zu Theorien der Queer Studies, zur Männlichkeitsforschung und zu „Transgender“- und Postcolonial-Studien ? Welche Rolle spielen dabei Gender-Bashing und anti-feministische so wie rassistische „Shitstorms“? Kann auch in der Kunst- und Kulturwissenschaft von einem „Backlash“ gegen emanzipatorische Bewegungen und Denkmodelle gesprochen werden? Gehen wir wieder zur „Tagungsordnung“ über? Wie sieht die Situation der Geschlechterforschung in den Kunst- und Kulturwissenschaften unter den Bedingungen einer ständig fortschreitenden Ökonomisierung des Kunst- und Kulturbetriebs aus? Wie wird die Geschichte der feministischen Kunst um/geschrieben? Welche neuen Erklärungsansätze und Analysekategorien sind im Bereich der Queer Studies, der Studien zur Transsexualität oder der Männlichkeitsforschung zu verzeichnen? In welchem Verhältnis stehen diese zum Begriff „Gender“ und wie setzen sich diese mit visuellen Phänomenen auseinander?

Das Heft strebt an, die Situation der Geschlechterforschung nicht nur auf universitärer Forschungsebene anzugehen, sondern ebenso die Situation im Kunstbetrieb zu befragen. Angesichts populärer Ausstellung wie „Sturmfrauen“ in der Schirn in Frankfurt am Main, von „Boom She Boom“ im Museum für Moderne Kunst ebenfalls in Frankfurt, der Ausstellung „Einfühlung und Abstraktion. Die Moderne der Frauen“ in der Kunsthalle Bielefeld oder der Ausstellung „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre Werke aus der Sammlung Verbund, Wien“ in der Hamburger Kunsthalle im Jahre 2015 wird deutlich, dass der deutsche Kunstbetrieb auf das Prinzip der Sichtbarmachung von Frauen als erfolgreiches und konsensfähiges Ausstellungsprinzip setzt. Ganz im Sinne der Forderungen der zweiten Feminismuswelle der 1970er Jahre und als Versuch einer Antwort auf Linda Nochlins berühmte Frage, „Why have there been no great women artist?“ werden hier Frauen und ihre Kunstproduktion in den weiterhin von Männern bestimmten Kanon eingefügt, ohne jedoch der Komplexität der Frage von „Kunst von Frauen“ auf den Grund zu gehen. Diese Ausstellungen zeigen, dass die sog. feministische Frauenforschung etwa nicht zu einem „Objekt der Abstoßung“ (Siegrid Nieberle) geworden ist, sondern als populäre Form in den Mainstream des Ausstellungsbetriebs mit einigem Reibungsverlust integriert wird. Was, so lässt sich fragen, sind die Alternativen zu diesen Ausstellungskonzepten? Wie positionieren sich dagegen Projekte wie „Re Act Feminism“, in der es um eine generationsübergreifende, historische und zugleich aktuelle Geschichtsschreibung von Performance Art ging? Wie spiegelt sich die neueste Genderforschung in musealen Ausstellungskonzepten wider? Welche neuen Modelle könnten entwickelt werden?

Auf der Ebene der künstlerischen Produktion soll danach gefragt werden, wie zeitgenössische Künstler_innen mit der widersprüchlichen Situation von „Gender“ umgehen. Wie wird auf Feminismen und ihre Kritik an der neoliberalen Vermarktung von Geschlechtsidentitäten (Laurie Penny) reagiert? Wie sieht feministisch-emanzipatorische Kunst in neoliberalen Gesellschaften des Westens aus?
Welche Rolle spielt hier der Körper und die Formen seiner Optimierung in Arbeiten von Künstler_innen? Welche Rolle spielen dabei Geschlecht und sexuelle Identität im Verhältnis zu race? Welche Rolle spielt die Rezeption eines „Öko-Feminismus“ in künstlerischen Arbeiten, die sich mit Nachhaltigkeit und Verschwendung beschäftigen? Wie sind, um nur ein Beispiel zu benennen, die Performances von Stefanie Seibold und Teresa Maria Díaz Nerío von 2011, die sich in einer Diskussion um frühe feministische Performancekunst positionieren zu beschreiben und in welchem Verhältnis stehen sie zu politischen Aktionen wie denen der „Femen“ Gruppe oder des „Slutwalk“?

Wir suchen nach Beiträgen aus den Kunst-/Kulturwissenschaften und weiteren Bereichen, die sich in dem umrissenen Themenfeld mit visuellen Phänomenen auseinandersetzen und die theoretischer und/oder angewandter Art sein können.

Bitte senden Sie ein Exposé mit max. 3000 Zeichen (inkl. Leer¬zeichen) und einen kurzen Lebenslauf mit relevanten Publikationen von maximal einer Seite per e-mail an:

aenne.soellrub.de und linda.hentscheluni-mainz.de

Deadline: 18.03.2016
Rückmeldung über Annahme des Textes erfolgt bis zum 31. März.

Die fertiggestellten Texte im Umfang von max. 25.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fußnoten) und maximal drei schwarz-weiß Abbildungen müssen bis 30. Juni 2016 eingereicht werden.

ENGLISH VERSION

kritische berichte Issue 4, 2016

Gender 2.0
New Ideas on “Gender” in the Arts and Cultural Studies

Call for Papers

Edited by Änne Söll and Linda Hentschel

“Has gender become the latest currency on the neo-liberal market of opportunities?” one might ask, echoing the words of Anne Fleig. Has the term “gender” meanwhile forfeited its potential to advance the critical analysis of power relations? Or is it still in all its complexity a useful filter through which to critically review (and tackle) issues of gender attribution and the construction of identity? How are we facing up to the increasingly widespread “anti-genderism” (Sabine Hark)? What role does “gender” play in general today in research in the arts and in cultural studies? And what are the specific implications of gender studies in these two fields? How can reflections on visual regimes better take account of the intersectionality of “gender” and “race”? Issue 4 of kritische berichte intends to explore these pressing questions. By first taking stock of the current situation and its historical background, it lays the groundwork for discussion of the future of the “gender” concept in visual culture. How is the discourse on questions of gender, identity and sexual orientation likely to develop? How does the established discipline of art history approach the theories formulated of late in queer studies, masculinity studies, transgender studies and postcolonial studies? What role do gender-bashing, and anti-feminist or racist “shit-storms” play in all this? Can a backlash against liberation movements and emancipatory concepts be noted also in the arts and cultural studies fields? Are we witnessing a return in academia to “business as usual”? What impact does the increasingly rigorous economisation of the arts and the cultural sector have on gender research in the arts and in cultural studies? How is the history of feminist art now being (re)written? Which new discursive approaches and analytical categories can be noted in queer studies, masculinity studies, and transsexuality studies? How do these relate to the concept of “gender” and how do they confront visual phenomena?

The journal aims to review the state of gender studies by examining not only academic research but also current trends in the art world. For instance, several major exhibitions launched in 2015 – “Storm Women” at the Schirn and “Boom She Boom” at the MMK, both in Frankfurt Main; “Empathy and Abstraction. Modernist Women in Germany” at the Kunsthalle Bielefeld; and “The Feminist Avant-Garde of the 1970s. Works from the SAMMLUNG VERBUND, Vienna” at the Hamburger Kunsthalle – very clearly attest German art institutions’ belief that raising the profile of women artists is a passport to success and broad public approval. However, this textbook response to demands of the second feminist wave of the 1970s as well as to Linda Nochlin’s renowned inquiry: “Why have there been no great women artists?” means women respectively their artworks continue to be integrated in the still male-defined art canon while the thornier aspects of the complex issue of “women’s art” remain seriously neglected. It demonstrates that so-called feminist women’s studies no longer figures as an “object of loathing” (Siegrid Nieberle) but rather – once divested of its more challenging aspects – as a lucrative crowd-puller in the exhibition business. One finds oneself asking, what are the alternatives to exhibitions of this sort? What contrary positions do projects such as “Re.Act Feminism” adopt in their endeavour to assure an intergenerational and historically accurate historiography of performance art with contemporary relevance? How is the latest gender research reflected, if at all, in institutional exhibition concepts? Which new models could be developed?

Regarding art production itself, we must inquire how contemporary artists deal with the currently controversial discussions of “gender”. What responses can be found to the diverse range of “feminisms” resp. to feminist criticism of the neoliberal marketing of gender identities (Laurie Penny)? How does feminist emancipatory art look against the backdrop of neoliberal western society?
What role does the body resp. the optimisation of the body play in all of this, in various women artists’ work? What role do gender and sexual identity play in relation to “race”? What role falls to the reception of “eco-feminism” in artworks that address issues of sustainability resp. of wastefulness? To cite just one example, how might one describe the performances given by Stefanie Seibold and Teresa Maria Díaz Nerío in 2011, on the subject of early feminist performance art? And what is their relation to patently political actions, such as those of the FEMEN group or SlutWalk movement?

We are seeking contributions from the arts/ cultural studies fields, as well as from other disciplines that confront visual phenomena in relation to the issues outlined above. Contributions should be of a theoretical nature and/or address visual phenomena in the broad sense of the term.

Please send BY EMAIL
— an abstract (max. 3.000 characters incl. spaces)
— a C.V (max. 1 A4-page), incl. a selection of publications

to: aenne.soellrub.de and linda.hentscheluni-mainz.de

Deadline: 18th of March 2016
Applicants will receive notification by 31st of March 2016

The complete contribution – of max. 25.000 characters incl. spaces and containing no more than three b/w images – should reach us by 30 June 2016.

Reference:
CFP: Corr: Gender 2.0, kritische berichte Heft 4 2016. In: ArtHist.net, Mar 4, 2016 (accessed Nov 29, 2022), <https://arthist.net/archive/12381>.

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