CONF 08.11.2026

Käthe Buchler. Eine Fotografin des frühen 20. Jh. (Braunschweig, 19-20 Nov 26)

HBK Braunschweig, 19.–20.11.2026

Prof. Dr. Annette Tietenberg, Hochschule für Bildende Künste

Tagung "Käthe Buchler. Eine Fotografin des frühen 20. Jahrhunderts aus Braunschweig. Aspekte aktueller Forschung".

Käthe Buchler (1876-1930) ist eine bedeutende Braunschweiger Fotografin, die sich nach künstlerischen Anfängen in der Malerei und Zeichnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die bildnerischen Möglichkeiten und Techniken der Fotografie begeisterte. Sie verband soziales Engagment mit fotografischen Bildthemen und Genres wie dem Porträt im privaten und öffentlichen Raum und entwickelte darüber hinaus neben Stillleben mit dem Autochrome-Verfahren auch szenische Themenfelder. Hierzu zählt insbesondere eine Werkgruppe mit Märcheninszenierungen als Tableaux vivants, die in einem „Märchenbuch“-Album aus dem Jahr 1909 zur Sammlung gehören.

Während dieses Album Geschlechterverhältnisse und Kindheitskonstruktionen um 1900 offenlegt, machen ihre Schwarzweißfotografien von der „Heimatfront“ sichtbar, wie sich Braunschweig während des Ersten Weltkriegs sozial veränderte. Käthe Buchler hielt nicht nur Verwundete bildlich fest, die am Braunschweiger Bahnhof eintrafen, und besuchte Lazarette. Sie interessierte sich auch dafür, wie Kinder angesichts der Knappheit von Materialien zum Sammeln von Papier, Metall und Milchflaschen animiert wurden.

Einen dokumentarischen Ansatz, wie ihn später August Sander verfolgte, entwickelte sie mit ihrer Serie „Frauen in Männerberufen“ (1916/17). Wo aufgrund des Kriegsdienstes männliche Arbeitskräfte fehlten, arbeiteten Frauen als Schaffnerinnen, Kutscherinnen und Postbotinnen. Auf den Fotografien von Käthe Buchler präsentieren sie sich stolz und selbstbewusst, aber oft auch in unpassend großen Mänteln und Stiefeln, wodurch sichtbar wird, dass diese Kleidung nicht für sie gemacht war.

Anlässlich des 150. Geburtstags von Käthe Buchler zeigt die Tagung auf, unter welchen Aspekten das fotografische Werk von Käthe Buchler heute erforscht wird. Seit der letzten monografischen Ausstellung im Museum für Photographie Braunschweig, die 2012 unter dem Titel „Fotografien zwischen Idyll und Heimatfront“ stattfand, hat sich die Situation verändert. Zum einen wurde der künstlerische Nachlass von Käthe Buchler, der im Stadtarchiv Braunschweig aufbewahrt wird, vom Museum für Photographie Braunschweig vollständig digitalisiert: Es handelt sich um mehr als tausend Schwarzweißaufnahmen, 175 Autochrome sowie um diverse Silbergelatinetrockenplatten. Zum anderen hat Nathalie Dimic in ihrer Dissertation „Beruf, Blick und Bild“ (2026) herausgearbeitet, dass Käthe Buchler zu einer Generation von Fotografinnen gehörte, die marginalisiert wurde, indem ihre professionelle Tätigkeit als „Amateurfotografie“ eingestuft wurde. Vor diesem Hintergrund schlägt die Tagung eine Neubewertung von Käthe Buchler vor.

Programm

Donnerstag, 19. November

14:00 Uhr Annette Tietenberg: Begrüßung

14:30 Uhr Barbara Hofmann-Johnson: Käthe Buchler (1876 – 1930) – Eine Fotografin aus Braunschweig. Facetten ihres Werkes

15:30 Uhr Meike Buck: Verpackt – gekühlt – verwahrt. Die Sammlung Käthe Buchler im Stadtarchiv Braunschweig

– Kaffeepause –

17:00 Uhr Guilia Cramm: Frauen in Männerberufen. Frauen als Motiv und als fotografierende Instanz

18:00 Uhr Natalie Dimic: Beruf, Blick und Bild. Eine Professionalisierungsgeschichte der Fotografin 1890 – 1940

Freitag, 20. November

10:00 Uhr Linda Sandrock: Colour matters. Käthe Buchlers Autochrome

11:00 Uhr Nora Radatus: Käthe Buchler: Bürgerliche Fotografin oder frühe Feministin?

13:30 Uhr Christian Retschlag: Von der Geste des Zeigens

– Mittagspause –

14:00 Uhr Pauline Behrmann: Zwischen privatem Raum und sozialem Engagement:
Die Kinderfotografie im Werk Käthe Buchlers mit Bezügen zur Kinderfotografie im frühen 20. Jahrhundert

15:00 Uhr Abschlussdiskussion

– Ende gegen 16 Uhr –

Vortragende: Meike Buck, Stadtarchiv Braunschweig; Pauline Behrmann, Kunsthistorikerin und Doktorandin, Universität Hamburg; Giulia Cramm, Doktorandin, Folkwang Universität der Künste Essen, Fotohistorikerin und Freie Kuratorin, Köln; Dr. Nathalie Dimic, Wissenschaftliche Referentin am LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford, Ratingen; Barbara Hofmann-Johnson, Leiterin des Museums für Photographie Braunschweig; Nora Radatus, Master-Absolventin Kunstwissenschaft der HBK Braunschweig; Christian Retschlag, Künstler, Hannover; Dr. Linda Sandrock, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Öffentlichkeitsarbeit am Museum für Photographie Braunschweig; Prof. Dr. Annette Tietenberg, Professorin für Kunstwissenschaft mit Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert, HBK Braunschweig

Die Tagung ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Menschen und Bilder. Käthe Buchler zum 150. Geburtstag“, die vom 3. Oktober bis zum 29. November 2026 im Museum für Photographie Braunschweig stattfindet.

Konzeption:
Barbara Hofmann-Johnson, Leiterin des Museums für Photograpie Braunschweig
Annette Tietenberg, Professorin für Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert an der HBK Braunschweig

Die Teilnahme an der Tagung ist unentgeltlich und ohne Anmeldung möglich.

Quellennachweis:
CONF: Käthe Buchler. Eine Fotografin des frühen 20. Jh. (Braunschweig, 19-20 Nov 26). In: ArtHist.net, 08.11.2026. Letzter Zugriff 08.11.2026. <https://arthist.net/archive/57086>.

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