CONF Nov 4, 2026

Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute (Quedlinburg, 12-13 Nov 26)

Museum Lyonel Feininger, Welterbestadt Quedlinburg, Nov 12–13, 2026

Dr. Adina Rösch, Museum Lyonel Feininger

Zwischen System und Selbstentwurf. Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute.

Wie gestalteten Künstlerinnen in der DDR ihre beruflichen und künstlerischen Handlungsspielräume? Welche Strategien entwickelten sie im Spannungsfeld kulturpolitischer Vorgaben, gesellschaftlicher Rollenerwartungen und individueller Selbstbehauptung? Und wie veränderten sich ihre Sichtbarkeit, ihre Rezeption und ihre Position im kunsthistorischen Kanon nach 1990?

Diesen Fragen widmet sich die wissenschaftliche Tagung Zwischen System und Selbstentwurf. Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute, die am 12. und 13. November 2026 im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg stattfindet. Sie untersucht künstlerische Positionen und Produktionsbedingungen von Frauen in der DDR sowie deren Entwicklung und Rezeption seit der deutschen Wiedervereinigung.

Ausgangspunkt ist die begleitende Ausstellung „Frauen sind!“ (20. August 2026 bis 11. Januar 2027), die mit Grita Götze, Kerstin Grimm, Kat Menschik, Luise Neupert und Tanja Pohl fünf Künstlerinnen mit ostdeutscher Biografie vorstellt. Ihre unterschiedlichen Bildsprachen und künstlerischen Selbstentwürfe eröffnen Fragen nach weiblicher Autorschaft, gesellschaftlicher Zuschreibung und ästhetischer Eigenständigkeit.

Die Tagung erweitert diese Perspektive um historische, werkbezogene und rezeptionsgeschichtliche Untersuchungen. Im Mittelpunkt stehen künstlerische Selbstbilder und autobiografische Strategien, institutionelle und regionale Kontexte sowie die Bedeutung von Archiven, Sammlungen und Ausstellungen für die kunsthistorische Wahrnehmung von Künstlerinnen. Ein besonderer Schwerpunkt gilt den Mechanismen der Kanonbildung und der Frage, weshalb zahlreiche Künstlerinnen trotz eigenständiger und kontinuierlicher künstlerischer Praxis bis heute nur eingeschränkt im gesamtdeutschen Kunstdiskurs präsent sind.

Die Tagung richtet sich an Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, Museums- und Sammlungsfachleute, Forschende sowie alle Interessierten, die sich mit der Kunstgeschichte der DDR, ostdeutschen Kunstentwicklungen nach 1990 und geschlechterbezogenen Perspektiven auf die Kunstgeschichtsschreibung beschäftigen.

Tagungsprogramm

Donnerstag, 12.11.2026

10:00–10:30 Uhr

Dr. Adina Christine Rösch, Museum Lyonel Feininger
Begrüßung

I. Dokument und Erinnerung
10:30–12:00 Uhr

Dr. Angelika Weißbach, Museum Utopie und Alltag / Kunstarchiv Beeskow
Bestands|Aufnahmen. Künstlerinnen im Gespräch – Ein Videoprojekt des Museum Utopie und Alltag/Kunstarchiv Beeskow

Prof. Dr. Viola Hildebrand-Schat, Goethe Universität Frankfurt a. Main
Rekapitulation des Autobiografischen. Relektüre der Stasiakte als künstlerische Strategie (Cornelia Schleime und Christine Schlegel)

Mittagspause

II. Kunstort Halle
13:30–15:00 Uhr

Dr. Jule Schaffer, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Bilder von Halle. Helga Paris und Konstanze Göbel

Dr. Renate Luckner-Bien, Halle (Saale)
„Die neue Freiheit macht aus uns nicht bessere Künstler“. Die Keramikerin und Bildhauerin Gertraud Möhwald

Kaffeepause

III. Selbstbilder
15:30–17:15 Uhr

Olga Vostretsova, Kunsthalle der Sparkasse Leipzig
Künstlerinnen und ihre Selbstbilder. Selbstdarstellungen im Sammlungsbestand der Sparkasse Leipzig

Dr. Sabine Schmid, Villa Stuck, München
Zeitlichkeit und Verschiebung in Tina Baras Werk. Eine Annäherung

17:15–17:45 Uhr

Diskussion

Freitag, 13.11.2026

IV. Sichtbarkeit und Kanon
10:00–11:30 Uhr

Jutta Jahn, SICHTBAR MACHEN Ostdeutsche Künstlerinnen 1945–1989 in Sachsen-Anhalt, Halle (Saale)
Was Zählen sichtbar macht. Strukturelle Unsichtbarkeit von Künstlerinnen in der retrospektiven Rezeption der Kunst in der DDR nach 1990

Antje Schunke, Kunsthalle Rostock gGmbH,
Bildsprache als künstlerische Strategie – die Rostocker Malerin Kate Diehn-Bitt (1900-1978)

Marion Schael, Kate Diehn-Bitt Stiftung
Peripherie und Staatsdoktrin: Die Kunst bleibt – aber wo? Die Kate Diehn-Bitt Stiftung in Rostock

Kaffeepause

12:00–13:30 Uhr

Dr. Nico Janke, Schwerin
Ornament als künstlerische Selbstständigkeit: Ästhetiken von Schönheit und Widerstand bei Kat von Stenglin und Christiane Dreyer

Dr. Kornelia Röder, Kuratorin im schaumagazin, Schwerin
Visuelle Poesie in der DDR: Die Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt und ihre späte Anerkennung

Abschlussdiskussion

Tagungsinformationen und Anmeldung

Termin: 12.–13. November 2026
Veranstaltungsort: Museum Lyonel Feininger, Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg
Veranstalter: Museum Lyonel Feininger, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Anmeldung

Für die Teilnahme in Präsenz sowie für die digitale Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich über buchungen.qlbkulturstiftung-st.de.

Teilnahmegebühr: frei

Wissenschaftliche Leitung und Kontakt:
Dr. Adina Christine Rösch
Museumsdirektorin
Museum Lyonel Feininger
E-Mail: adina.roeschkulturstiftung-st.de
Telefon: +49 3946 6895938-20
www.museum-feininger.de

Reference:
CONF: Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute (Quedlinburg, 12-13 Nov 26). In: ArtHist.net, Nov 4, 2026 (accessed Nov 4, 2026), <https://arthist.net/archive/54822>.

^