Organisationsformen und Räume des Wissens – Vom Skriptorium zur Datenbank.
Die interdisziplinäre Ringvorlesung richtet sich an Studierende der B.A.- und Master-Studiengänge in Kunstgeschichte, Kunst, Musik, Medien – Organisation und Vermittlung und Medienwissenschaften, steht aber auch allen anderen Interessierten, nicht zuletzt dem allgemeinen Publikum, Hörerinnen und Hörern offen.
Wir möchten anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Philipps-Universität Marburg mit transdisziplinärem Blick die Formen der Organisation von Wissen in der Kunstgeschichte und angrenzenden, im Fachbereich 09 vertretenen Fächern hinterfragen, indem wir einen methodisch und systematisch informierten Blick auf Orte, Konzeptionen, Auffassungen und organisatorische Praktiken der Wissensorganisation in verschiedenen Bereichen werfen. Ein besonderer Akzent liegt auf den Praktiken der Gestaltung, die sich in visuellen und räumlichen Konkretionen niederschlagen, in Gebäuden, Büchern, Grafiken, Diagrammen, geografischen Karten und Knowledge-Graphen, die aber auch in Institutionen Form annehmen.
Die Beiträge beginnen mit dem Skriptorium als Ort des Wissens im Mittelalter, gefolgt vom frühneuzeitlichen Studiolo und der Kunst- und Wunderkammer. Behandelt wird das Buch als Medium zur Vermittlung botanischen Wissens, exemplarisch ebenso die Druckgrafik in ihrer Rolle zur Strukturierung und Verbreitung von Meinungen und Wissen über die Welt und die Natur. Zur Sprache kommt die Organisation musikalischer Überlieferung in Editionen, das filmwissenschaftliche Wissen und dessen Visualisierung ebenso wie das Wissen über Sprache aus Sicht der Linguistik. Thematisiert wird die Ordnung der Dinge im digitalen Raum, gefolgt von einem Beitrag zur preußischen Universität als Modell zur Strukturierung und Gestaltung von Forschung und Lehre. Es werden Bilderbücher und Nachschlagewerke zur Geschichte der Kunst als Modelle der Wissensvermittlung vorgestellt, nach der „Kunst der Welt“ als möglichem Wissensbestand der Kunstgeschichte und des Museums gefragt und digitale Medien zur Modellierung und Kommunikation von Wissen reflektiert.
Programm
20.10.26 Viktoria Imhof: Organisation – Raum – Wissen. Die Architektur des Skriptoriums im Mittelalter
27.10.26 Peter Bell: Das Studiolo – Dispositiv und Gelehrtenbild in der Renaissance [Der Vortrag findet im Fürstensaal des Landgrafenschlosses statt und beginnt um 19 Uhr.]
03.11.26 Dominic Olariu: Bilder, Pflanzen, Ordnungen. Der Codex Bellunensis und weitere Kräuterbücher als Wissensräume, ca. 1400–1550
10.11.26 Hendrik Ziegler: Von der Wunderkammer zum Museum: Präsentationsformen von Turcica in der Frühen Neuzeit
24.11.26 Lisa Hecht: Monsters and Marvels. Druckgrafik und Wissensorganisation in der Frühen Neuzeit
01.12.26 Ina Knoth: Klang, Bild, Code und Kontext. Musikeditionen als Speicher kulturellen Wissens
08.12.26 Fabian Offert: The Order of Things (in Vector Space)
15.12.26 Sarah-Mai Dang: Was wir nicht wissen: Zu fehlenden und fehlerhaften Daten in audiovisuellen Sammlungen
12.01.27 Katharina Krause: Wissen mit und ohne Ordnung. Die Geschichte der Künste in den Tafelwerken des 19. Jahrhunderts
19.01.27 Toke Hoffmeister: Organisation sprachlichen Wissens. Von Menschen zu Maschinen und zurück
26.01.27 Hubert Locher: Weltkunst. Archiv und Museum
02.02.27 Andreas Schübeler: Zwischen traditionellem Denken und aktuellen Realitäten. Fakultätsdarstellungen des 19. Jahrhunderts
09.02.27 Anne Ganzert: Pinnwände als Organisationsform und Raum des Wissens
Ort: Forschungsbau DDK-Bildarchiv Foto Marburg, Vortragssaal
Pilgrimstein 14, 35037 Marburg
Zeit: Dienstag, 18.15–19.45 Uhr
Konzeption: Prof. Dr. Peter Bell, Prof. Dr. Hubert Locher.
Mit Vortragenden aus dem Fachbereich 09, Germanistik und Kunstwissenschaften.
Reference:
ANN: Ringvorlesung: Vom Skriptorium zur Datenbank (Marburg, 20 Oct 26-9 Feb 27). In: ArtHist.net, Oct 26, 2026 (accessed Oct 27, 2026), <https://arthist.net/archive/54745>.