CFP Oct 25, 2026

Narrative Umwelten (Münster, 20-22 May 27)

Münster, Münster School of Design, May 20–22, 2027
Deadline: Jan 11, 2027

Lars Christian Grabbe

GIB-Symposium „Narrative Umwelten. Erzählen zwischen Körper, Raum und künstlicher Intelligenz“.

Erzählen vollzieht sich zunehmend nicht mehr allein im Raum der Sprache oder des Bildes – es breitet sich aus in physische Umgebungen, algorithmische Infrastrukturen und körperliche Erfahrungsräume. Wearables lesen biometrische Zustände aus und übersetzen sie in narrative Rückmeldungen. Smarte Architekturen reagieren auf Präsenz und Bewegung und schreiben damit stille Geschichten in den Raum. KI-Systeme generieren nicht nur Texte und Bilder, sondern antizipieren Verlauf und Resonanz von Erzählungen, bevor diese überhaupt intentional gestaltet sind. Der Körper, der Raum und die Maschine sind damit zu Ko-Autoren geworden – und werfen grundlegende Fragen nach Handlungsmacht, Adressierung und Bedeutungskonstitution im Erzählen auf.

Das GIB-MSD-Symposium 2027 „Narrative Umwelten“ knüpft an die Fragen von vier vorangegangenen Symposien an – von den sensorischen Narrativen und transdisziplinären Erzählstrategien (2023) über die Mythopoetiken des Postfaktischen und crossmedialer Ästhetiken (2024) bis hin zu den ludischen Bildpraktiken (2025) und der Zukunft des Storytellings unter KI-Bedingungen (2026) – und weitet den Blick auf eine ökologische Dimension des Erzählens: Was geschieht, wenn Narrationen nicht mehr primär rezipiert, sondern bewohnt und erlebt werden? Wenn Umgebungen selbst zu erzählenden Instanzen werden?

Der Begriff der „Narrativen Umwelt“ bezeichnet dabei keine bloße Erweiterung bekannter Medienräume, sondern ein konzeptionelles Feld, in dem die Grenzen zwischen Erzähler und Erzählung, zwischen Raum und Repräsentation, zwischen Mensch und technischen Systemen durchlässig werden. Narrative Umwelten sind responsiv: Sie reagieren, passen sich an, lernen. Sie sind zugleich ästhetische Konfigurationen und epistemische Dispositive – und stellen damit Design, Kunst und Wissenschaft vor neue Fragen der Verantwortung, Gestaltung und Kritik.

Das Symposium der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft (GIB) versteht sich als transdisziplinärer Denk- und Erfahrungsraum, der theoretische Reflexion, gestalterische Praxis und technologische Entwicklung zusammenführt. Es lädt ein, das Erzählen als relationales und situiertes Phänomen zu befragen – in seinen kulturellen, leiblichen, technischen und politischen Dimensionen. Angeschlossen an das Symposium ist die Mitgliederversammlung der Gesellschaft.

Beiträge sind eingeladen, die sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen können:

- Wie verändert sich das Subjekt des Erzählens, wenn Körper, Raum und KI gemeinsam narrative Prozesse konstituieren?
- Welche Konzepte von Immersion, Präsenz und Situiertheit sind geeignet, um »Narrative Umwelten« zu beschreiben und zu analysieren?
- Inwiefern schreiben responsive und adaptive Systeme (KI, Sensorik, Ambient Intelligence) eigenständige Narrative – und welche ästhetischen sowie ethischen Konsequenzen hat dies?
- Wie lassen sich narrative Umwelten als Designaufgabe denken: Zwischen Autorenschaft, Prozessualität und emergenter Bedeutungsproduktion?
- Welche Rolle spielen leibliche Wahrnehmung, Affektivität und verkörpertes Wissen in narrativen Umwelten?
- Wie verhalten sich Kontrolle und Kontingenz zueinander, wenn Erzählungen nicht mehr vollständig steuerbar, sondern systemisch generiert sind?
- Welche Machtstrukturen und Exklusionsmechanismen reproduzieren oder verschieben narrative Umwelten – und welche emanzipatorischen Potenziale bieten sie?
- Wie lassen sich historische und kulturvergleichende Perspektiven auf
erzählende Räume und Umgebungen für aktuelle Fragestellungen fruchtbar machen?

Mögliche Themenfelder können wie folgt ausgerichtet sein:

- Narrative Architekturen: Raum, Ort und erzählerische Atmosphäre in
analogen und digitalen Kontexten.
- Körper als Narrativ: Biometrische Daten, Affektivität und verkörpertes Erzählen.
- KI als narrativer Akteur: Generative Systeme, algorithmische Autorenschaft und die Frage der Intentionalität.
- Post-humane Erzählformen: Nicht-menschliche Agenten, Objekte und Materialien als Träger von Narration.
- Immersive und performative Narrative: XR, Mixed Reality, Bühnenraum und participatory storytelling.
- Ökologie des Erzählens: Umweltnarrative, Climate Fiction und die Materialität medialer Infrastrukturen.
- Ethik und Kritik narrativer Umwelten: Datensouveränität, Überwachung, Bias und narrative Macht.
- Design narrativer Systeme: Methoden, Werkzeuge und Prozesse für die Gestaltung responsiver Erzählumgebungen.
- Historische und kulturelle Genealogien: Erzählende Räume von Tempel und Theater bis zum Smart Environment.

Interdisziplinäre Beiträge aus den Bereichen Designforschung, Kunst und angewandtes Design, Medien- und Bildwissenschaft, Philosophie, Phänomenologie, Semiotik, Architektur, Informatik, Kulturwissenschaft, Game Studies, Science and Technology Studies sowie verwandten Disziplinen sind ausdrücklich willkommen.

Einreichung & Termine

Bitte senden Sie ein Abstract (ca. 500–800 Wörter) sowie eine kurze Biografie und Kontaktinformationen bis zum 11. Januar 2027 an l.grabbefh-muenster.de. Die Benachrichtigung über die Annahme erfolgt bis zum 01. Februar 2027.

Für die Teilnahme als Gast registrieren Sie sich bitte bis zum 18. Mai 2027 per E-Mail an l.grabbefh-muenster.de. Der Eintritt zum Symposium ist frei und es werden keine Kosten erhoben.

Weitere Informationen unter www.gibbildwissenschaft.org, www.movingimagescience.com und msd_symposium (Instagram).

Reference:
CFP: Narrative Umwelten (Münster, 20-22 May 27). In: ArtHist.net, Oct 25, 2026 (accessed Oct 26, 2026), <https://arthist.net/archive/54736>.

^