CONF 18.10.2026

Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess (Vienna, 23-24 Nov 26)

Universität für angewandte Kunst Wien, Vordere Zollamtsstraße 7, 1010 Wien, 23.–24.11.2026

Anita Hosseini

Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess.
Organisiert von Ebba FRANSÉN WALDHÖR, Anita HOSSEINI, Ulrike KUCH und Sascha ZAITSEVA.

Die zweisprachige Konferenz "Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess" initiiert eine grundlegende Neupositionierung der traditionsreichen Werkstätten an der Universität für angewandte Kunst Wien. In den Kunst- und Kulturwissenschaften, der Anthropologie, Ethnologie und Medienwissenschaft sowie im interdisziplinären Feld der Material Culture existieren bereits wegweisende Ansätze, die den traditionellen Dualismus von Theorie und Praxis infrage stellen und andere Formen von Wissen zum Ausgangspunkt für Erkenntnisgewinnung in den Blick nehmen. Die Veranstaltung baut auf diesen theoretischen Vorläufern und der historischen Geschichtsschreibung auf, führt sie jedoch in einer neuen Konsequenz fort: Sie belässt es nicht bei der analytischen Betrachtung, sondern untersucht das Verhältnis von Denken und Handeln mit den physischen und digitalen Werkstätten. Ziel ist die Definition von praxisbasiertem Werkstattwissen, das als eigenständige, theoretisch valide Erkenntnisform direkt in die Theoriebildung und wissenschaftliche Analyse zurückspiegelt. "Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess" schafft hierfür eine diskursive und transdisziplinäre Bühne auf Augenhöhe für Wissenschaftler:innen, Handwerker:innen und Künstler:innen, die Theorie, Praxis und Forschung aus ihren jeweiligen Perspektiven miteinander reflektieren. In diesem gemeinsamen Denk- und Handlungsraum werden Materialien, Werkzeuge und Herstellungsprozesse als aktive, digital-analog erweiterte Mitproduzent:innen von Wissen begriffen. Dieses konzeptionelle Gefüge entfaltet sich entlang von neun Formaten, die Werkstattwissen im Kontext seiner Geschichte, Zugänglichkeit, Verfahrensweisen und Materialität, aber auch seiner Zirkulation und Weitergabe sowie seinen Potenzialen aus einer lokalen und globalen Perspektive zum Thema machen.

Die Konferenz wird von der räumlichen Installation "Remnants" im Atrium begleitet. Materielle Spuren aus verschiedenen Herstellungsprozessen und Werkstätten der Universität für angewandte Kunst Wien werden miteinander in Dialog gebracht und geben Einblicke in die vielfältigen Praktiken und Formen des Werkstattwissens.

PROGRAMM

MONTAG, 23.11.2026

10:30-11:00 Einführung und Begrüßung / Introduction and Welcome (dt/en)

11:00-12:30 Institutionelle Archive und das Erbe des Kunstgewerbes (dt)

Bernadette REINHOLD (Kunstsammlung und Archiv, die Angewandte): Vision und Realität. Die Werkstattidee und die Wiener Kunstgewerbeschule

Rainald FRANZ (Sammlung Glas und Keramik, Museum für angewandte Kunst Wien): Die Schulwerkstatt im Museum als Erkenntnisort. Auf dem Weg zur neuen Form im Material

Eva LENHARD (Konservierung und Restaurierung, die Angewandte): Die Werkstatt als Wissensspeicher. Manuelles Wissen und das immaterielle Erbe der Wiener Kunstgewerbeschule

Moderation: Matthias BOECKL (Architekturgeschichte, die Angewandte)

—Mittagspause—

13:45-15:15 The Paris Commune and the Emancipation of Labour (en)

Kristin ROSS (Kultur- und Literaturwissenschaften, Paris): Notes on Communal Luxury

Karim JAFARMADAR (Entrepreneurship, Gründer HappyLab, Wien)
Stefanie KOEMEDA (Kunst, Gründerin Tonhalle, Wien)
Tomash SCHOISWOHL (Kunst und Aktivismus, Wien)
Anna-Maria WOLF (Kunst, WUK, Wien)
 
Moderation: Brigitte FELDERER (Social Design, die Angewandte)

—Pause—

15:30-17:00 Material Dialogues. Gespräche zu materiellen Spuren, Prozessen und Ökologien (dt/en)

Claudia ROHRAUER/Lisa RASTL-DORNER (Analoge Fotografie, die Angewandte) & Isabel KRANZ (Kulturwissenschaften, die Angewandte) DE

Judith FEGERL (Metallwerkstatt, die Angewandte) & Sasha ROSSMAN (Kunstgeschichte, die Angewandte) EN

Karl SALZMANN (ÆSR Lab, die Angewandte) & Jo SCHINDLER (Expanded Museum Studies, die Angewandte) DE

Manuel WANDL (Weberei, die Angewandte) & Tulay ATAK (Theorie der Architektur, die Angewandte) EN

Einleitung: Ebba FRANSÉN WALDHÖR (Textil, die Angewandte)

—Kaffeepause—

19:30-21:00 Woven Sounds (Performance)
Mehdi AMINIAN (Ney, Setar, Gesang & Musikalische Leitung, Wien), Maryam ABTAHI (Gesang, Webkunst, Isfahan), Şirin PANCAROĞLU (Harfe, Izmir), Joss TURNBULL (Perkussion, Berlin), Tohid VAHID (Kamancheh, Isfahan)

Moderation: Anita HOSSEINI (Kunstgeschichte, die Angewandte) und Karin ALTMANN (Textil, die Angewandte)

DIENSTAG, 24.11.2026

09:00-09:15 Anmoderation und Begrüßung (dt/en)

09:30-11:00 Situated Knowledges, Craft Lineages and Critical Practices (en)

Paolo FRANZO (Mode, Universität Florenz)
Stefanie KITZBERGER (Kunstsammlung und Archiv, die Angewandte)
Thabisa MJO (Designerin, Johannesburg)
Caterina PECCHIOLI (Interdisziplinäre Kunst und Theorie, Amsterdam)

Moderation: Monica TITTON (Mode, die Angewandte)

—Kaffeepause—

11:30-12:50: From Code to Clay – Feminist and Open-Source Approaches to Craft and Digital Knowledge (en)

Katrin MAYER (Kunst, Berlin): The Need for Each Other’s Relay

Derek AU (Keramikkunst und Softwarentwicklung, New York): “Recipes Don't Travel Well": Glazy and the Global Workshop

Moderation: Patrícia J. REIS (Digitale Kunst, die Angewandte)

—Mittagspause—

14:00-15:30: Das Denken der Hand und das implizite Körperwissen (dt)

Ernst GAMPERL (Kunst, Steingarden)

Ann-Sophie LEHMANN (Kunstgeschichte und materielle Kultur, Universität Groningen): Das Herstellen im Erscheinungsraum

Moderation: Sascha ZAITSEVA (Keramikstudio, die Angewandte)

—Kaffeepause—

16:00-18:00: The Aesthetics of Error/Rupture – Between Material and Algorithm (en)

Ruth ANDERWALD + Leonhard GROND (Kunst, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien): Stumbling

Michael BRAUN (Designtheorie und Designforschung, Bauhaus-Universität Weimar): Robotic Craft: Working with Deviation

Seth WEINER (Kunst und Architektur, Wien): Beginner’s Sadness

Kristin WEISSENBERGER (Kunst, Institut für bildende Kunst I, Akademie der bildenden Künste Wien): Melted

Moderation: Roswitha SCHULLER (TransArts, die Angewandte)

18:00-18:30: Final Remarks

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"Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess" ist die zweite Konferenz der Reihe "Material Cultures" der Universität für angewandte Kunst Wien. Mit der 2026 etablierten, disziplinübergreifenden Konferenz-Reihe reflektiert die Universität für angewandte Kunst Wien ihr Selbstverständnis als Ort der gesellschaftlich wirksamen Kunst.
Das Material selbst und der Umgang mit physischen und nicht-physischen Materialien wird als Träger von Wissen und Praxis, im Kontext von multiplen, vernetzten Diskursen in Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre im Austausch mit gesellschaftlichen Akteur:innen verhandelt. Die Reihe verknüpft Theorie, Experiment und Praxis über Ateliers, Seminarräume, Werkstätten, Archive und öffentliche Räume hinweg. Die Erkenntnisse der Konferenzen fließen in die Entwicklung der Universität und in den globalen Universitäts-Diskurs ein und tragen zur gesellschaftlichen Innovation bei.
Anmeldung für den 23.11.2026: https://pretix.eu/angewandte/materialstories/
Anmeldung für den 24.11.2026: https://pretix.eu/angewandte/materialstories-2/

Kontakt: materialstoriesuni-ak.ac.at

Quellennachweis:
CONF: Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess (Vienna, 23-24 Nov 26). In: ArtHist.net, 18.10.2026. Letzter Zugriff 19.10.2026. <https://arthist.net/archive/54676>.

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