Leerstellen. Provenienzforschung als Zugang zu juedischer Kultur und Museumsgeschichte in Sachsen.
In der gemeinsam vom Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) und dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI) konzipierten Tagung geht es um die Geschichten jüdischer Sammler:innen und ihres Eigentums, Infrastrukturen und Ökonomien des privaten Sammelns sowie auch Restitutionsprozesse und konfliktreiche Gespräche über den Verbleib von Kulturgut nach 1945. Aus den Perspektiven von Kunstgeschichte, Jüdischer Geschichte und Museumswissenschaft wollen wir der Frage nachgehen, welche Rolle jüdischen Sammlungen für die Entwicklung der Kunst- und Museumslandschaft in Sachsen (mit den Zentren Leipzig, Chemnitz, Dresden und Zwickau) zukommt – und wie und warum die Namen vieler Sammler:innen und Förder:innen aus dem Gedächtnis der Institutionen verschwunden sind. Das Wissen um Sammlungsprofile und Beziehungen zwischen Menschen und Museen ist nur mit großem Aufwand zu rekonstruieren. Welche Bedeutung kommt vor diesem Hintergrund der Erforschung und Sichtbarmachung von Biografien jüdischer Sammler:innen für die aktuelle Museumsarbeit zu? Welche Rolle spielt dabei die juristisch und ethisch notwendige Provenienzforschung am Museum? Welche gesellschaftliche Funktion übernimmt das Museum als Erkenntnis- und Vermittlungsort im Kontext der Erinnerungsarbeit?
Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die kunsthistorische Provenienzforschung als ein Zugang zu Fragen nach jüdischer Kultur, Sozial- und Geschmacksgeschichte einerseits sowie als Schlüssel für die Erforschung von Museumsgeschichte und Sammlungspolitik andererseits fungieren kann.
Provenienzforschung hat die aktive Beteiligung deutscher Museen und Sammlungseinrichtungen am systematischen Raub jüdischen Eigentums im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung und Entrechtung jüdischer Sammler:innen in den letzten Jahren zunehmend sichtbar gemacht. Die Ergebnisse dieser Forschung zeigen aber auch, wie und auf welche Weisen diese vor 1933 in eine städtische und überregionale Kunst- und Kulturszene eingebunden waren. Daraus resultiert ein neues Selbstverständnis der Kunstmuseen im Kontext der Erinnerung an NS-Unrecht: Ein transparenter und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Geschichte ist ebenso Aufgabe der Institutionen wie das Erinnern an die jüdischen Familien, die einst mit ihnen verbunden waren, und die Restitution dieses verlorenen Wissens zu den eigenen Beständen.
MITTWOCH, 28. OKTOBER 2026
18.00 PODIUMSDISKUSSION
Provenienzforschung im Museum:
Im Spannungsfeld von Restitution und Erinnerungskultur mit Alina Gromova, Meike Hopp, Monika Tatzkow, Lucy Wasensteiner
Moderation: Jörg Deventer / Ulrike Saß
DONNERSTAG, 29. OKTOBER 2026
10.00 Stefan Weppelmann / Ulrike Saß / Jörg Deventer Eröffnung
10.15 LEIPZIGER SAMMLER:INNEN
Moderation: Jörg Deventer
Lina Frubrich
Die Sammlungen und Stiftungen der Familien Halberstam und Heilpern im Kontext des MdbK
Birgit Brunk
Anvertraut – Die Kunstsammlung von Gustav und Cläre Kirstein im Leipziger Kunstantiquariat C.G. Boerner zwischen 1939 und 1943
Conny Dietrich
Max Klingers jüdische Förderer und Freunde in Leipzig
11.45 Pause
12.00 SALMAN SCHOCKEN
Moderation: Caroline Jessen
Emily Bilski
Salman Schocken’s Collection of Modern Art: Zwickau—Berlin—Jerusalem
13.00 Snack und Ausstellungsbesuch
14.30 SÄCHSICHE SAMMLUNGEN
Moderation: Ulrike Saß
Mathias Wagner
Jüdische Kunstsammler:innen in Dresden
Diana Kopka
Kunstgeflechte. Die Bedeutung jüdischer Sammler:innen und Künstler:innen für die Kunstsammlungen Chemnitz
Julia Eßl
»Die Welt, der er sich verschrieben hatte«. Carl Heumann und seine Leidenschaft für die Kunst
16.00 Pause
16.30 RESTITUTIONEN IN DER DDR
Moderation: Emily Löffler
Regine Dehnel
»… andere Lösungen nicht möglich«. Zur Rückgabe von Büchern an Verfolgte des Nationalsozialismus in der DDR
Katja Lindenau / Carina Merseburger
Restitutionspraxis vor und um 1990 – Beispiele aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
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Eine Teilnahme an der Podiumsdiskussion am Mittwoch, 28. Oktober 2026, 18 Uhr ist ohne Anmeldung möglich.
Für eine Teilnahme an der Tagung am Donnerstag, 29. Oktober 2026, erbitten wir eine Anmeldung bis zum 26. Oktober per E-Mail an: ulrike.sassleipzig.de
Quellennachweis:
CONF: Leerstellen (Leipzig, 28-29 Oct 26). In: ArtHist.net, 17.10.2026. Letzter Zugriff 18.10.2026. <https://arthist.net/archive/54666>.