MUSEUM IM WERDEN
Eine Ringvorlesung zu Museologie und Museumspraxis
Museen haben in den letzten Jahrzehnten ihre traditionellen Arbeitsbereiche Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln erweitert und bekennen sich mit einer neuen Museumsdefinition (ICOM, 2022) zu Zugänglichkeit, Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit. Viele von ihnen verstehen sich immer mehr als soziale Räume der Beziehung und der Vernetzung und versuchen in unterschiedlichen Formen in Kooperation mit verschiedenen Communities zu handeln.
Die meisten verlassen eine lineare, einseitige Deutung der Geschichte und versuchen, vielfältige
Perspektiven in ihre Arbeit zu inkludieren. Aus diesen Visionen resultieren neue Organisationsformen, innovative Ausstellungs- und Vermittlungsformate oder auch neue Methoden der Begegnung im digitalen Raum.
Die Ringvorlesung thematisiert diese Entwicklungen gemeinsam mit Expertinnen und Experten, die ihre Praxiserfahrungen im Kontext der zentralen Fragestellungen der aktuellen Museologie reflektieren.
Eine Kooperation von:
Tiroler Landesmuseen, Universität Innsbruck, Institut für Kunstgeschichte, Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft, FSP Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte Forschungsschwerpunkt der Universität Innsbruck, Servicestelle für Museen und regionale Kulturarbeit des Landes Tirol.
Freier Eintritt
PROGRAMM
Mittwoch, 7.10.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Einführung zur Ringvorlesung: Rosanna Dematté, Konrad Kuhn und Lukas Madersbacher
Joachim Baur: Museum: radikal demokratisch. Perspektiven und Positionen in der Gegenwart
Joachim Baur ist Kurator und Professor für Empirische Kulturwissenschaft am Institut für Kunst und Materielle Kultur der TU Dortmund. Mit Katrin Pieper betreibt er seit 2010 das Büro „Die Exponauten. Ausstellungen et cetera“ in Berlin. Zahlreiche Ausstellungen, zuletzt Muster und Märkte. Auf den Spuren westfälischer African Prints (Bocholt 2025), Über/Sehen. Bildregime der Migration (Duisburg 2023), Räume des Wissens. Die Basisausstellung im Forum Wissen Göttingen (2022). Er lehrt und forscht zu Repräsentationen von Migration, Analysen materieller Kultur, Geschichte und Zukunft des Museums, kuratorischer Theorie und Praxis. Seit 2023 ist er im Vorstand von ICOM Deutschland.
Einführung: Silke Meyer
Mittwoch, 14.10.2026
Kein Vortrag aufgrund des Österreichischen Museumstags
Mittwoch, 21.10.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Lisa Noggler-Gürtler: Vom Zeigen zur gesellschaftlichen Intervention. Kuratorische Praktiken „am Land“
Lisa Noggler-Gürtler ist Kuratorin an den Tiroler Landesmuseen und seit September 2026 Leiterin des Museums im Zeughaus in Innsbruck. Bis 2025 leitete sie das Museum der Völker in Schwaz, zuvor war sie u. a. Kuratorin am Wien Museum und am Technischen Museum Wien sowie Ausstellungsleiterin am ZOOM Kindermuseum. Sie realisierte Ausstellungen und Projekte u. a. für das vorarlberg museum, das Jüdische Museum Wien, die Schallaburg, das Humboldt Forum Berlin, den WNF Besuchercampus Aletsch und das Frauenmuseum Hittisau. Sie publiziert, lehrt an der Universität Innsbruck und ist Obfrau von tiMus, dem Tiroler Museumsverband.
Einführung: Andreas Rudigier
Mittwoch, 28.10.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Friedrich von Bose: Aufarbeiten und Öffnen. Museumsethiken zwischen Sammlungsarbeit und Öffentlichkeiten
Friedrich von Bose ist seit November 2025 Direktor des Museums der Kulturen Basel, dem größten ethnologischen Museum der Schweiz. In vorigen Stationen war er Leiter Forschung und Ausstellungen an den drei sächsischen ethnologischen Museen in Leipzig, Dresden und Herrnhut sowie Stellvertretender Leitender Kurator des Humboldt Labors, den Ausstellungsräumen der Humboldt-Universität zu Berlin im Humboldt Forum. Er ist zudem assoziierter Researcher und Lecturer für Geschichte und Theorie des Ausstellens und Museumsethik am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich.
Einführung: Konrad Kuhn
Mittwoch, 4.11.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Birgit Johler: Doing Museum: Museum im Wandel – Situationen, Potenziale und Freiräume
Birgit Johler ist Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin und leitet seit Februar 2026 das Referat Ausstellungen im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. Ihre Schwerpunkte liegen auf Museums- und Archivforschung, materieller und visueller Kultur, Alltagsgeschichte des 20. Jahrhunderts sowie Nationalsozialismus, Holocaust und Erinnerungskulturen. Sie ist seit 2021 Fellow und Gastkuratorin bei der Summerschool Museologie der WU Münster und seit 2025 Honorarprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien.
Einführung: Konrad Kuhn
Mittwoch, 11.11.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Jan-Christian Warnecke: „Und ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode“ (Shakespeare, Hamlet, 2. Akt, 2. Szene). Zum Projektmanagement als Methode in der Museumsplanung
Jan-Christian Warnecke leitet die Abteilung Projektsteuerung, Restaurierung und Werkstätten am Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Seit 2004 verantwortet er dort Ausstellungen, Sanierungs- und Neuaufstellungsprojekte sowie strukturelle Veränderungsprozesse, darunter die Neugestaltung der Schausammlungen und das Kindermuseum „Das Junge Schloss“. Er engagierte sich im Deutschen Museumsbund, im internationalen Netzwerk IEO und in europäischen Normierungsverfahren. Als Autor, Herausgeber und Lehrender an mehreren Hochschulen und Weiterbildungsinstitutionen verbindet er Ausstellungsplanung, Projektmanagement und Museumsentwicklung.
Einführung: Delia Scheffer
Mittwoch, 18.11.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Monika Sommer: Ein Museum gründen. Das Haus der Geschichte Österreich
Monika Sommer ist Historikerin und seit 2017 Gründungsdirektorin des Hauses der Geschichte Österreich. Nach Stationen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften war sie an der Neupositionierung des Wien Museum beteiligt und dort als Kuratorin tätig. 2014 bis 2016 leitete sie das Kulturprogramm des Europäischen Forums Alpbach und arbeitete als Kuratorin und Beraterin für Museen. Seit 2006 ist sie Co-Leiterin des /ecm-Lehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Einführung: Andreas Rudigier
Mittwoch, 25.11.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Bora Akşen: Das Focke-Museum in der Migrationsgesellschaft – Stadtgeschichte multiperspektivisch erzählen
Bora Akşen ist Kurator am Focke-Museum, dem Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Er studierte Anglistik/Amerikanistik und Kulturwissenschaft an der Universität Bremen und promovierte über die Medienaneignung türkischer Migrant*innen. Nach Tätigkeiten in Forschung und Lehre an der Universität Bremen sowie einer Station am Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven arbeitet er seit 2016 am Focke-Museum. Dort betreut er das Stadtlabor sowie Outreach-Projekte an der Schnittstelle von Museum und Stadtgesellschaft.
Einführung: Tuğba Şababoğlu
Mittwoch, 2.12.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Nadja Al Masri-Gutternig: Museen gemeinsam zugänglich machen – Praxis, Zusammenarbeit und Reflexion
Nadja Al Masri-Gutternig ist Kunsthistorikerin und Sonderpädagogin am Salzburg Museum, wo sie den Prozess für Barrierefreiheit und Inklusion leitet. Sie studierte Kunstgeschichte an der Universität Salzburg und spezialisierte sich durch ein Studium der Sonderpädagogik auf inklusive Kunst- und Kulturvermittlung. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Entwicklung barrierefreier Zugänge zu Museen und kulturellen Einrichtungen, wobei ihr die kommunikative Barrierefreiheit und kulturelle Teilhabe ein zentrales Anliegen sind.
Einführung: Eva Nairz
Mittwoch, 9.12.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Nora Landkammer: Das Museum als Ort des Verlernens
Nora Landkammer ist Kunstvermittlerin und Professorin an der Abteilung Fachdidaktik – Vermittlung – Forschung am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz. Sie war Co-Leiterin des Institute for Arts Education an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Ihre Dissertation und die Publikation „Das Museum verlernen?“ (Zaglossus/kopaed 2021) befasst sich mit dekolonisierenden Perspektiven auf Bildung in ethnologischen Museen.
Einführung: Katharina Walter
Mittwoch, 16.12.2026, 17.15 – 18.45 Uhr
Temidayo Oyeniran: Who Do Museums Listen To? Creative Listening and the Making of Meaning
Temidayo Oyeniran ist Kurator und transdisziplinärer Künstler, dessen Arbeit sich an der Schnittstelle von Museen, künstlerischer Praxis und gesellschaftlichen Kontexten bewegt. Derzeit ist er Referent für Programmentwicklung und Teilhabeformate am Zentrum für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg (ZfKT), wo er landesweite Programme zur Förderung von kultureller Teilhabe und institutioneller Innovation entwickelt und begleitet. Zuvor war er am Linden-Museum Stuttgart, am Landesmuseum Hannover sowie am Iwalewahaus Bayreuth tätig. Seine Arbeit beschäftigt sich mit Sammlungen, kuratorischer Praxis, Teilhabe und der Frage, wie Museen Beziehungen zu Künstler*innen und der zeitgenössischen Gesellschaft gestalten.
Einführung: Delia Scheffer
Mittwoch, 13.1.2027, 17.15 – 18.45 Uhr
Christian Huemer: Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter: Von Tech-Optimismus zu epistemischer Selbstreflexion
Christian Huemer ist seit 2017 Leiter des Belvedere Research Center, wo er für die analoge und digitale Forschungsinfrastruktur des Museums zuständig ist. Studium der Kunstgeschichte in Wien, Paris und New York. Von 2008 bis 2017 zeichnete er für die Weiterentwicklung der Getty Provenance Index®-Datenbanken verantwortlich. Lehraufträge u.a. am Hunter College in New York, am Sotheby‘s Institute of Art in Los Angeles und der Universität Wien. Er ist Chefredakteur der Brill-Buchreihe Studies in the History of Collecting & Art Markets und des Belvedere Research Journal.
Einführung: Lukas Madersbacher
Mittwoch, 20.1.2027, 17.15 – 18.45 Uhr
Katrin Zitturi: Extended Reality-Anwendungen im Museum – Praxisbeispiele, Erfahrungen und Perspektiven
Katrin Zitturi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Diözesanmuseum Hofburg Brixen, studierte Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck und forscht im Rahmen ihres Dissertationsprojekts zu XR-Vermittlungstechnologien in Museen.
Einführung: Lukas Madersbacher
Mittwoch, 27.1.2027, 17.15 – 18.45 Uhr
Cecilia Canziani: Thinking Together: Weaving Relations Between Institutions, Artists and People
Cecilia Canziani ist freie Kuratorin und Autorin. Sie lehrt Phänomenologie der zeitgenössischen Kunst an der Accademia di Belle Arti de L’Aquila und ist Mitbegründerin des Forschungszentrums IUNO. Zu ihren jüngsten Projekten zählen der Italienische Pavillon der 61. Biennale di Venezia mit Chiara Camoni, Ausstellungen am Istituto Svizzero di Roma, in der Villa Medici, im Palazzo delle Esposizioni und im MAXXI in Rom. Sie publiziert regelmäßig zu zeitgenössischer Kunst.
Einführung: Rosanna Dematté
Reference:
CONF: Ringvorlesung zu Museologie und Museumspraxis (Innsbruck, 7 Oct 26-27 Jan 27). In: ArtHist.net, Oct 5, 2026 (accessed Oct 5, 2026), <https://arthist.net/archive/54541>.