CFP 29.09.2026

Überschwemmungskulturen in der Vormoderne (Heidelberg, 3-4 Jun 27)

Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 03.–04.06.2027
Eingabeschluss : 30.11.2026

Dr. Alicia Wolff

Vom 03.–04.06.2027 findet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften die WIN-Konferenz „Überschwemmungskulturen in der Vormoderne“ statt. Flüsse waren in vormodernen Gesellschaften zugleich Lebensadern und Gefahrenquellen. Hochwasser und Überschwemmungen prägten die Lebenswirklichkeit vieler Menschen nachhaltig. Die Bandbreite reichte von kleineren, lokal begrenzten Überflutungen bis hin zu katastrophalen Ereignissen, die langfristige wirtschaftliche, soziale und politische Folgen nach sich ziehen konnten. Gesellschaften, die regelmäßig mit solchen Ereignissen konfrontiert waren, entwickelten spezifische Formen des Umgangs mit ihnen. Für diese langfristig ausgebildeten Praktiken, Wissensbestände und Deutungsmuster hat der Historiker Christian Rohr den Begriff „Überschwemmungskulturen“ geprägt.

Die geplante Konferenz setzt hier an und untersucht den Umgang mit Hochwasser und Überschwemmungen in vormodernen Gesellschaften. Im Zentrum stehen das Verhältnis von Vulnerabilität und Resilienz gegenüber wiederkehrenden Umweltgefahren sowie die Frage nach der Kritikalität von Infrastrukturen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Auswirkungen von Überschwemmungen auf die gebaute Umwelt, auf Maßnahmen zu deren Schutz und Instandhaltung sowie auf den Akteuren und Institutionen, die für Vorsorge, Krisenmanagement und Wiederaufbau verantwortlich waren.

Denkbar sind unter anderem Beiträge zu folgenden Themenfeldern:
• Rekonstruktion und Datierung vormoderner Hochwasserereignisse durch die Verbindung von „Archiven der Natur“ und „Archiven der Gesellschaft“
• Natürliche und anthropogene Ursachen von Hochwasser und Überschwemmungen sowie vormoderne Erklärungsmodelle
• Wahrnehmung, Deutung und Erinnerung von Hochwasserereignissen
• Vulnerabilität unterschiedlicher sozialer Gruppen, Siedlungsräume und Landschaften
• Resilienzstrategien sowie deren gesellschaftliche und institutionelle Träger
• Konkrete Auswirkungen von Hochwasser auf die gebaute Umwelt und auf kritische Infrastrukturen
• Sicherung, Instandhaltung und Priorisierung von Infrastrukturen im Krisenfall
• Krisenmanagement, Rettungsmaßnahmen und Ressourcenmobilisierung
• Finanzierung von Prävention, Schadensbewältigung, Wiederaufbau und daran beteiligte Gewerbe
• Langfristige gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Folgen von Überschwemmungen

Die genannten Themenfelder sind ausdrücklich nicht abschließend. Die Tagung versteht Überschwemmungen als einen Gegenstand, der sich besonders fruchtbar aus der Verbindung unterschiedlicher disziplinärer Zugänge untersuchen lässt. Eingeladen sind daher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften. Angesprochen sind unter anderem die Geschichtswissenschaft, Archäologie, Geographie, Hydrologie, Klimatologie, Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft, Kunstgeschichte, Sozial- und Politikwissenschaften, historische Bauforschung sowie Wissenschafts- und Technikphilosophie.

Besonders willkommen sind Beiträge, die über die Grenzen einzelner Disziplinen hinausweisen. Ziel der Tagung ist es, einen intensiven Dialog zwischen unterschiedlichen Fächern und Karrierestufen anzuregen und neue Perspektiven auf vormoderne Umwelt- und Krisendynamiken zu entwickeln. Die Konferenz soll nicht nur bestehende Forschungen zusammenführen, sondern auch Anknüpfungspunkte für längerfristige interdisziplinäre Kooperationen eröffnen.

Die Tagungssprache ist Deutsch; englischsprachige Beiträge sind ebenfalls möglich. Die Vorträge sollten eine Länge von 20 Minuten nicht überschreiten. Bitte reichen Sie bei Interesse ein halbseitiges Abstract sowie einen kurzen wissenschaftlichen Lebenslauf ein und senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 30. November 2026 an alicia.wolffzegk.uni-heidelberg.de. Reise- und Übernachtungskosten der Referentinnen und Referenten werden übernommen. Eine Publikation der Konferenzergebnisse ist vorgesehen, voraussichtlich in der Reihe „Akademiekonferenzen“ des Winter Verlags.

Quellennachweis:
CFP: Überschwemmungskulturen in der Vormoderne (Heidelberg, 3-4 Jun 27). In: ArtHist.net, 29.09.2026. Letzter Zugriff 30.09.2026. <https://arthist.net/archive/54470>.

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