Mit Bestürzung erreichte uns die Nachricht vom tragischen Tod Konrad H. Jarauschs am 1. September 2026 in Chapel Hill. Erst am 14. August hatte er in Berlin seinen 85. Geburtstag gefeiert, und nur wenige Tage später kehrten er und seine Frau Hannelore Jarausch in ihre amerikanische Heimat zurück. Wobei Berlin für beide jahrzehntelang zumindest über die Sommermonate ihre zweite Heimat war.
Konrad H. Jarausch wurde 1941 in Magdeburg geboren und wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg als Halbwaise in Bayern und im Rheinland auf. Später wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und wurde auch US-amerikanischer Staatsbürger. Nach einem Studium in Princeton und einer Promotion an der University of Wisconsin sowie weiteren Zwischenstationen wurde er schließlich im Jahr 1983 als Lurcy Professor for European Civilization an die University of North Carolina at Chapel Hill berufen. Später war er dort Mitbegründer und Co-Direktor des Center for European Studies.
Schon in den 1970er-Jahren interessierte sich Konrad H. Jarausch für methodische Ansätze wie die „Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft” und die „Historische Sozialwissenschaft”. Er war somit ein Wegbereiter dessen, was heute als Digital History bezeichnet wird. Frühzeitig erkannte er auch das Potenzial der digitalen Fachkommunikation, weshalb er 1996 zu den Mitgründern von H-Soz-Kult unter dem Dach des amerikanischen H-Net zählte. Während seiner Zeit als Co-Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam (1998–2006) trug er wesentlich dazu bei, dass sich das ZZF Anfang der 2000er-Jahre an der Beantragung und Gründung des Kooperationsprojekts Clio-online in Verbindung mit Zeitgeschichte-online beteiligte. Daraus erwuchs eine langfristige und fruchtbare Zusammenarbeit. Auch über seine Emeritierung hinaus blieb Konrad H. Jarausch als Senior Editor ein Förderer von H-Soz-Kult sowie der Fachportale Clio-online und Zeitgeschichte digital.
Zudem engagierte er sich als Mitherausgeber der Zeitschrift Zeithistorische Forschungen und des Themenportals Europäische Geschichte. Seit vielen Jahren war er auch Ehrenvorsitzender des Trägervereins Clio-online e.V., unter dessen Dach seit 2008 alle Kommunikationsforen, Fachportale und Services des Kooperationsverbundes gebündelt sind. In einer früheren Redaktionsnotiz zum 75. Geburtstag im Jahr 2016 haben wir den Werdegang und die Verdienste von Konrad H. Jarausch bereits ausführlich dargestellt: https://www.hsozkult.de/text/id/texte-3150.
Die Besonderheit seines transatlantischen Blicks, seine Erfahrung als Wissenschaftsorganisator, seine Klugheit und sein Weitblick sowie nicht zuletzt seine große Freundlichkeit auch gegenüber Jüngeren, weniger Erfahrenen haben unsere Projekte durch wiederkehrende Impulse langfristig gestärkt.
Konrad H. Jarausch war uns im Laufe der Jahrzehnte ein wichtiger Berater, ein loyaler Mitstreiter und einigen auch ein enger persönlicher Freund. Wir werden seine Umsicht, den respektvollen Ton, den er in jedes Gespräch getragen hat, und seine schier unerschöpflichen Ideen vermissen.
Konrad H. Jarausch hinterlässt seine Frau Hannelore Jarausch, ehemalige Leiterin des Französischprogramms an der University of North Carolina at Chapel Hill, zwei Söhne und vier Enkelkinder.
Die Redaktion von H-Soz-Kult / das Herausgeberkollegium des Themenportals Europäische Geschichte / der Vorstand und Hauptausschuss von Clio-online e.V.
Quellennachweis:
Zum Gedenken an Konrad H. Jarausch (1941–2026). In: ArtHist.net, 05.09.2026. Letzter Zugriff 06.09.2026. <https://arthist.net/archive/54149>.