CFP 01.07.2026

Bilder im Verbund (Münster, 13 Nov 26)

Münster, MSD – Münster School of Design, FH Münster, 13.11.2026
Eingabeschluss : 21.09.2026

Jan E. Höckesfeld

Bilder im Verbund. Vermittlung, Aktantialität und Praxis in generativen Bildverfahren.
Nachwuchssymposium der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft (GiB).

Generative KI-Verfahren werfen die Frage nach den Bedingungen der Bildhervorbringung mit neuer Schärfe auf. Bilder entstehen in diesen Verfahren im Zusammenwirken einer Vielzahl von Mitwirkenden, deren Anteile sich nicht eindeutig zuordnen lassen: Trainingsdaten, ästhetische Konventionen, Gattungsschemata, modellinterne Operationen und die Anweisungen der nutzenden Person gehen in das Bild ein, ohne dass sich umstandslos sagen ließe, wem seine Hervorbringung zuzuschreiben ist.
Diese Entwicklung fordert zentrale Begriffe der Bildwissenschaft heraus. Was als Urheberschaft eines KI-Bildes gelten kann, wem es zugerechnet wird, in welchen Ordnungen es Geltung beansprucht und welche Praktiken sich um seine Herstellung herum ausbilden, lässt sich mit den vorhandenen Begriffen nicht in jedem Fall klären. Damit stellt sich auch die Frage, mit welchen theoretischen Werkzeugen und methodischen Verfahren die Eigenheiten dieser Bildpraxis überhaupt zu erfassen wären.
Das Symposium »Bilder im Verbund« nimmt einen möglichen begrifflichen Zugriff auf diese Konstellation auf und schlägt vor, generative Bildpraxis als ein Vermittlungsgeschehen zu begreifen – als ein Hervorbringen, an dem menschliche und nicht-menschliche Mitwirkende beteiligt sind. Dieser Vorschlag wird nicht als feststehende Bestimmung, sondern als Ausgangshypothese eingeführt, die im Verlauf der Tagung auf ihre Tragfähigkeit, Reichweite und
Grenzen befragt werden soll. Beiträge, die diesen Vorschlag bestätigen, modifizieren oder ihm alternative Bestimmungen entgegenstellen, sind gleichermaßen eingeladen.

SCHWERPUNKTE
Beiträge können sich unter anderem mit folgenden Schwerpunkten befassen:

Bildvermittlung und ihre Mitwirkenden
– Theoretische Fassung nicht-menschlicher Mitwirkender – als Aktanten, als Operatoren, als Topoi, als Konventionen
– Verhältnis von Spur, Gattung und Stil in generativen Bildmedien
– Tragfähigkeit klassischer bildtheoretischer Begriffe für die generative Bildpraxis: Autorschaft und Geltung
– Verteilte Urheberschaft und ihre rechtlichen wie ästhetischen Implikationen
– Geltungsordnungen zwischen Original und Kopie, Authentizität und Konvention
– Bildkritik unter den Bedingungen generativer Produktion

Bildpraxis im Wandel
– Iteration, Kuration und Prompt-Ökonomie als Bildpraktiken
– Vom Werk zum Prozess – Konsequenzen für die Bildbeschreibung
– Modi der Mensch-KI-Praxis zwischen Werkzeuggebrauch und Ko-Konstruktion

Methodische Zugänge
– Empirische Erforschung generativer Bildpraktiken
– Ethnographische, prompt-genealogische und vergleichende Verfahren
– Reflexivität der Beobachtung und der Annotationspraxis

Künstlerische und gestalterische Antworten
– Werkbasierte Auseinandersetzungen mit der Aktantialität generativer Systeme
– Designpraktiken zwischen Affirmation, Subversion und kritischer Reflexion
– Research through Design im Kontext generativer Bildverfahren

Historische Verortung
– Genealogien der generativen Bildmedialität – Fotografie, Druck, Computergrafik, algorithmische Kunst
– Kontinuitäten und Brüche im Verhältnis der Bildmedien
– Bedingungen und Grenzen historischer Vorläuferschaft

ADRESSAT:INNEN
Das Symposium ist ein Nachwuchsformat. Eingeladen sind Beiträge von Promovierenden sowie von künstlerisch-wissenschaftlich Forschenden in vergleichbarer Qualifikationsphase. Sie können aus Bild- und Medienwissenschaft, Designforschung, Kunst und Kunstgeschichte, Wissenschaftsforschung, Philosophie, Phänomenologie und Semiotik sowie aus benachbarten Disziplinen wie den Critical AI Studies oder Game Studies kommen. Beiträge aus laufenden Projekten sind ausdrücklich willkommen, sofern sie eine klar erkennbare Fragestellung, Argumentationsrichtung oder werkbasierte Problemstellung ausweisen.

FORMATE
Wissenschaftlicher Vortrag (25 Minuten Vortragszeit, 20 Minuten Diskussion)
– für theoretische, methodische oder empirische Beiträge.
Werkschau und künstlerischer Beitrag (25 Minuten Präsentation und reflexiver Kommentar, 20 Minuten Diskussion)
– für werkbasierte Beiträge, in denen die eigene Praxis Gegenstand der Auseinandersetzung wird. Bei werkbasierten Beiträgen, die noch Produktionsvorlauf erfordern, empfehlen wir eine frühzeitige Einreichung – über die laufende Sichtung sind frühe Zusagen möglich.

PROGRAMMRAHMEN UND PUBLIKATION
Eine einführende thematische Verortung eröffnet das Symposium.
Im Anschluss an die Tagung ist die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge in IMAGE – Zeitschrift für interdisziplinäre Bildwissenschaft (Herbert von Halem Verlag) vorgesehen. Form und Umfang werden nach Abschluss der Bewerbungsphase konkretisiert; die ausgewählten Beitragenden werden zur Mitwirkung eingeladen.

REISEKOSTENZUSCHUSS
Für Mitglieder der GiB im Nachwuchsstatus steht ein Reisekostenzuschuss von bis zu 100€ pro Person zur Verfügung. Eine Mitgliedschaft kann formlos im Zuge der Einreichung beantragt werden.

EINREICHUNG
Abstracts im Umfang von 500 bis 800 Wörtern (zuzüglich Literaturangaben) enthalten:
– Titel des Beitrags
– thematische Verortung im Tagungsfeld
– Zielsetzung und Fragestellung
– theoretischer Rahmen, sofern einschlägig
– methodisches Vorgehen oder werkbasierte Argumentationsweise
– zentrale Argumente oder erwartete Erkenntnisse
– Angabe des bevorzugten Formats (Vortrag oder Werkschau)
– Angaben zu den Autor:innen (Name, Institution, E-Mail-Adresse)

Werkbasierte Beiträge ergänzen zwei bis drei Werkreferenzen. Einreichung als ein PDF an: jan.hoeckesfeldfh-muenster.de

WICHTIGE TERMINE
Einreichungsfrist: 21. September 2026
Rückmeldung über Annahme oder Ablehnung: 10. Oktober 2026, 
Veröffentlichung des Programms: 20. Oktober 2026
Symposium: 13. November 2026

Eingereichte Beiträge werden fortlaufend gesichtet. Erste Zusagen werden ab dem 1. September 2026 ausgesprochen; die abschließende Rückmeldung an alle Einreichenden erfolgt bis zum 10. Oktober 2026.

VERANSTALTUNGSORT
MSD – Münster School of Design, FH Münster
Leonardo-Campus 6
48149 Münster, Deutschland

ORGANISATION UND KONTAKT
Jan Erik Höckesfeld, MSD – Münster School of Design, FH Münster
Im Auftrag der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft (GiB)
Kontakt: jan.hoeckesfeldfh-muenster.de

Quellennachweis:
CFP: Bilder im Verbund (Münster, 13 Nov 26). In: ArtHist.net, 01.07.2026. Letzter Zugriff 01.07.2026. <https://arthist.net/archive/52854>.

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