Jour fixe Vortragsreihe WiSe 2026: Ist die Moderne unsere Antike? – Zur Aktualität moderner Architekturlehre.
Termine der Vortragsreihe: 3.11.26; 17.11.26; 24.11.26, immer dienstags, 19 Uhr.
Die Prachtbauten der römischen Antike haben nachfolgende Kulturen zur Nachahmung gereizt, weshalb die europäisch-mediterrane Architekturgeschichte voller Renaissancen ist, in denen immer wieder die „Klassik“ angeeignet und für die eigene Gegenwart fruchtbar gemacht werden sollte. Doch aus dem Blickpunkt des 21. Jahrhunderts kann man fragen, ob inzwischen nicht die als „klassisch“ bezeichnete Moderne diese Rolle als „Antike“ eingenommen hat, um als fixer Bezugspunkt in einem immer wiederkehrenden Akt der Selbstvergewisserung zu dienen, wie bereits Roger M. Buergel im Vorfeld der documenta 12 im Jahre 2007 provokativ formulierte. Besonders die Architekturlehre scheint nicht ohne Verweis auf Vorbilder der Moderne, auf Prinzipien der Abstraktion, der maschinellen Fertigung, der industriellen Materialien, fließenden Räume und reduktiven Formensprache etc. auszukommen, mal mit und mal ohne die dahinterstehenden politischen Programme eines neuen Menschen und einer neuen Gesellschaft.
Gerade die Centennien der Bauhaus-Gründung in Weimar (1919–2019), des Bauhauses Dessau (1926–2026) oder das bevorstehende Jubiläum der Ausstellung „Die neue Wohnung“ mit der Werkbundsiedlung „Am Weißenhof Stuttgart“ 1927 bringen die anhaltend wiederkehrende Auseinandersetzung mit der „Moderne“ in den Fokus und bilden den Hintergrund der diesjährigen Vortragsreihe Jour fixe: warum sollten sich heutige Architekturstudierende mit Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier beschäftigen, warum über „Ornament und Verbrechen“ nachdenken, oder sich mit dem Elementarismus der Bauhaus-Lehre von Kreis, Dreieck, Quadrat, von Punkt, Linie, Fläche und Raum sowie von Rot, Gelb und Blau auseinandersetzen? Warum sprechen Lehrkonzepte von Vor- und Orientierungskursen, Werkstattlehre und Prototypen? Was bedeutet „Neues Bauen“ im Zeitalter der Energie- und Umbauwende? Was sagen uns heute die Narrative der „modernen Meister“ angesichts einer pluralistischen und diversen Autor*innenschaft und Gesellschaft? Auch 50 Jahre nach den Moderne-Postmoderne-Kämpfen scheint der Totgesagte lebendiger als zuvor und weiterhin als feste Grundlage und Orientierungspunkt der Disziplin im Umbruch zu dienen. Zeit, um nach der Aktualität der Moderne in der Design- und Architekturlehre sowie Praxis zu fragen.
Gesucht werden drei Beiträge zur Vortragsreihe, die sich mit der Frage der Architekturlehre und ihrem Verhältnis zur Moderne kritisch auseinandersetzen. Welche Relevanz haben Bauhaus-Lehre und ihre Nachfolge bis heute? Welche Alternativen gäbe es dazu?
In einem ersten Schritt bitten wir um Vorschläge mit Titel des Vortrages, Abstract (300 Worte) für ein Statement von max. 45 Minuten und eine Kurzbiographie (150 Worte) bis zum 30.06.2026 an: ole.fischerabk-stuttgart.de; Karin.Schulteabk-stuttgart.de
Wir planen über die Einladungen bis zum 15.07.26 zu entscheiden. Für eingeladene Referent*innen erstatten wir Reisekosten (Bahn 2. Klasse) und Übernachtung sowie ein Honorar.
Jour fixe ist die thematische öffentliche Vortragsreihe der Fachgruppe Architektur an der Akademie der Bildenden Künste seit 1993 und wird semesterweise abwechselnd von Studierenden und Lehrenden konzipiert und organisiert. Mit diesem Call sollen 3 Referent*innen gewonnen werden, die an den 3 Terminen (3.11.; 17.11.; 24.11.26) einen Beitrag zur Diskussion stellen wollen.
Stichworte: Architekturpädagogik, klassische Moderne, zeitloser Kanon, Universalismus, Funktionalismus, Rationalismus, Gestaltgesetze, Bauhaus, Grundkurs/Orientierungskurs, Elementarlehre, Ornament, Abstraktion
Quellennachweis:
CFP: Ist die Moderne unsere Antike? (Stuttgart, 3-24 Nov 26). In: ArtHist.net, 01.06.2026. Letzter Zugriff 01.06.2026. <https://arthist.net/archive/52606>.