Kunsthistorische Abendvorträge an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Sommersemester 2026
-----------Donnerstag, 11. Juni 2026, 18 Uhr c.t., KR12/00.16
Dr. Marthe Kretzschmar: Aus-einem-Stein-Sein. Materialästhetische Überlegungen zur Relevanz der Gesteinsmasse in der Marmorskulptur
Vasari berichtet von einem neun Ellen großen Marmorblock auf dem Gelände der Florentiner Dombauhütte. Dieser sei einst von einem Bildhauer völlig verdorben worden, dann habe sich Michelangelo seiner angekommen und daraus den heute weltberühmten David gemeißelt. Vasari schwärmt, dass „es ein Wunder [war], wie Michelangelo hier einen Toten wieder zum Leben erweckte“.
Der Vortrag konzentriert sich auf einen konkreten Aspekt der Geschichte: Die Statue wurde aus einem monolithischen Block herausgearbeitet. Das Aus-einem-Stein-Sein – seit Plinius d. Ä. als ex uno lapide ein Topos der bildhauerischer Meisterschaft – vermittelt aber nicht nur einen technischen Anspruch, sondern regt auch dazu an, die Skulptur als einen steinernen Körper zu verstehen, der aus einer homogenen Gesteinsmasse entstanden ist. Dabei sind die Orts- und Zeitgebundenheit der David-Statue zu berücksichtigen.
-----------Donnerstag, 18. Juni 2026, 18 Uhr c.t., KR12/00.16
Apl. Prof. Dr. Christian Fuhrmeister: Wie NS-Kunst erforschen und präsentieren? Ein aktueller Blick auf Herausforderungen, Konzepte und Lösungsversuche
Was ist NS-Kunst? Seit wann wird sie erforscht und ausgestellt? Warum ist nationalsozialistische Kunst in aller Regel nicht Teil der Dauerausstellungen deutscher Kunstmuseen, obwohl die meisten Häuser einschlägige Bestände besitzen? Der Vortrag bilanziert zum einen den status quo dieser auch medial geführten Auseinandersetzungen und diskutiert zum anderen die Möglichkeiten, mit diesem dissonanten Kulturerbe umzugehen.
-----------Donnerstag, 25. Juni 2026, 18 Uhr c.t., KR12/00.16
PD Dr. Tobias Frese: Spielräume. Zur Ästhetik des Schachs im Mittelalter
Schach ist ein Spiel, das seit jeher aufgrund seiner strengen Regelhaftigkeit und komplexen Kombinatorik geschätzt wurde. Als Strategiespiel par excellence erlangte es auch im europäischen Mittelalter hohes Ansehen und wurde in der zeitgenössischen Literatur, vor allem in den sog. Schachzabelbüchern, als Spiegel der Gesellschaft ausgelegt. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als bemerkenswert, dass die Spielfiguren selbst im Mittelalter keiner strengen Gestaltungsnorm unterlagen. So wurden einfache Spielsteine in abstrakten Formen ebenso hergestellt wie äußerst phantasievoll gestaltete Schachfiguren. Preiswerte Werkstoffe (Knochen, Geweih, Holz) kamen dabei gleichermaßen zum Einsatz wie wertvolle, luxuriöse Materialien (Onyx, Bergkristall, Elfenbein). Der Vortrag wird in diesem Sinne die spannungsreiche Ästhetik des Schachs im Mittelalter thematisieren und zeigen, welche kreativen Spielräume sich den Handwerkern in der Gestaltung der Schachfiguren eröffneten.
-----------Donnerstag, 09. Juli 2026, 18 Uhr c.t., KR12/00.16
Kerstin Kaiser-Reissing M.A.: …Von dem Nachweis alten Adels - Die Sebalduskirche als Referenzort herrschaftlicher Legitimation des Nürnberger Patriziats
Die Sebalduskirche war bis zur Auflösung des Reichsstadtstatus Nürnbergs 1806 Hauptrepräsentationsort der herrschenden Oberschicht. Gerade nachreformatorisch entwickelten sich durch bestimmte administrativ-juristische Voraussetzungen neue Möglichkeiten herrschaftlicher Repräsentation im Kirchenraum. Vorreformatorisch angelegte Stiftungskomplexe wurden erweitert, spätmittelalterliche Ausstattung weiterhin gepflegt und in neue Kontexte
überführt. Dokumentiert wurde die sowohl vor- als auch nachreformatorisch gestiftete Ausstattung in familienhistoriografischen Publikationen des Nürnberger Patriziates. Innerhalb dieser Schriften avancierten die Sebalduskirche und die dokumentierten Stiftungen als Referenzen für den Nachweis von Anciennität und Nobilität der eigenen Familie. Im Rahmen des Vortrages werden diese Strategien dynastischer Legitimation im Kirchenraum und innerhalb der familienhistoriografischen Publikationen anhand ausgewählter Fallbeispiele vorgestellt.
-----------Die Abendvorträge werden gemeinsam von den Lehrstühlen für Kunstgeschichte, der Professur für Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der künstlerischen Techniken und den wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen organisiert.
Reference:
ANN: Kunsthistorische Abendvorträge Bamberg (Bamberg, 11 Jun-9 Jul 26). In: ArtHist.net, May 6, 2026 (accessed May 7, 2026), <https://arthist.net/archive/52394>.