CFP 28.02.2026

Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute (Quedlinburg, 12-13 Nov 26)

Museum Lyonel Feininger, Welterbestadt Quedlinburg, 12.–13.11.2026
Eingabeschluss : 13.04.2026

Dr. Adina Christine Rösch, Museum Lyonel Feininger

Zwischen System und Selbstentwurf. Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute.

Mit dem interdisziplinären Workshop "Zwischen Rollenklischees und Rebellion: Frauen in der Kunstgeschichte und ihre Darstellungen" eröffnete das Museum Lyonel Feininger eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Rolle von Frauen in der Kunst – als Produzentinnen wie als dargestellte Subjekte. Die Tagung "Zwischen System und Selbstentwurf. Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute" führt diese Debatte wei-ter und richtet den Fokus auf Künstlerinnen im historischen Kontext der DDR sowie auf Entwicklungen nach 1990 bis in die Gegenwart.

Ausgangspunkt ist die an das Symposium angebundene Ausstellung "Frauen sind …!" (20. August 2026–11. Januar 2027), die fünf Künstlerinnen mit ostdeutscher Biografie – Grita Götze, Kerstin Grimm, Kat Menschik, Luise Neupert und Tanja Pohl – in den Mittelpunkt stellt. Gezeigt werden ausschließlich Darstellungen von Frauen, geschaffen von Künstlerinnen. Die Ausstellung greift die Frage auf, ob und inwieweit insbesondere Künstlerinnen mit ostdeutscher Biografie national und in-ternational wahrgenommen werden – und in welchem Maß ihre Präsenz im kunst-historischen Diskurs einer erneuten Diskussion bedarf.

Der bewusst offen formulierte Titel "Frauen sind …!" verweigert eine abschließende Definition. Er verweist auf Vielfalt, Widerspruch und Ambivalenz weiblicher Bildproduktion. Die fünf Positionen stehen exemplarisch für unterschiedliche Lebenswege und künstlerische Strategien, die sich im Spannungsfeld von Anpassung, Widerstand, Selbstbehauptung und ästhetischer Eigenständigkeit entwickelten – vielfach mit biografischen Anfängen in der DDR und einer kontinuierlichen künstlerischen Praxis nach 1990.

Das räumliche Ausstellungskonzept arbeitet mit Gegenüberstellungen: Ideal und Bruch, Ornament und Abgrund, Harmonie und gesellschaftliche Zuschreibung. Weiblichkeit erscheint hier nicht als geschlossene Kategorie, sondern als offenes Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Projektion, Selbstbild und Fremdbild.

Die Tagung greift diese Aspekte auf und erweitert sie in historischer, theoretischer und systematischer Perspektive. Sie fragt nach institutionellen Rahmenbedingun-gen künstlerischer Arbeit in der DDR, nach individuellen Strategien zwischen Sys-tembindung und Selbstentwurf sowie nach alternativen Öffentlichkeiten. Ebenso stehen die Entwicklungen nach 1990 im Fokus: Rezeption, Kanonbildung, Samm-lungspolitik und gegenwärtige Arbeitsrealitäten von Künstlerinnen in Ostdeutsch-land werden kritisch reflektiert.

Wir ermutigen Beitragsvorschläge zu folgenden (nicht abschließenden) Themenfeldern:

1. Institutionelle Rahmenbedingungen und Berufsbiografien in der DDR
Ausbildungswege, Verbandsstrukturen, Fördermechanismen und kulturpolitische Steuerung sowie deren Einfluss auf Sichtbarkeit und Karriereverläufe.

2. Räume und Rollen
Welche Orte wurden Künstlerinnen zugewiesen, welche haben sie sich selbst ge-schaffen? Atelier, Institution, Off-Raum und öffentlicher Raum als Orte ästheti-scher und sozialer Verhandlung.

3. Künstlerische Strategien, Bildsprachen und Selbstentwürfe
Motivik, Körperbilder, Ornament, Pop-Ästhetik, Narration, Ironie und Formen der Selbstinszenierung.

4. Blick und Repräsentation
Der weibliche Blick als Perspektive auf Geschichte, Identität und Gesellschaft; Selbst- und Fremdreflexion innerhalb weiblicher Bildproduktion.

5. Widerstand und Schönheit
Ästhetische Strategien zwischen Anpassung und Opposition; Ornament, Dekor und Sinnlichkeit als bewusste Gegenposition zu normativen Kunstbegriffen.

6. Rezeption, Ausstellungspraxis und Sammlungspolitik nach 1990
Integration, Marginalisierung und Neubewertung ostdeutscher Künstlerinnen im gesamtdeutschen Kontext.

7. Theoretische und methodische Perspektiven
Feministische, gendersensible und postsozialistische Ansätze sowie Fragen der Archivarbeit und Selbsthistorisierung.

8. Gegenwärtige künstlerische Praxis in Ostdeutschland
Arbeitsbedingungen, Förderstrukturen und künstlerische Auseinandersetzungen mit Geschichte, Region und Identität.

Die Beiträge sollen ca. 20 Minuten lang sein und in Form von Vorträgen präsentiert werden. Präsentationen können in deutscher oder englischer Sprache gehalten werden. Visualisierungen (z. B. durch PowerPoint-Präsentationen, Videos oder Bildmaterial) sind willkommen, um die Argumentation zu untermauern und die Diskussion anzuregen.

Bitte senden Sie ein Abstract von maximal 1.500 Wörtern, das Ihr Thema und Ihre Herangehensweise beschreibt, zusammen mit einer kurzen biografischen Notiz (max. 150 Wörter) bis zum 17. Januar 2025 an Museumsdirektorin Dr. Adina Christine Rösch unter der folgende E-Mail-Adresse: adina.roeschkulturstiftung-st.de

Beiträge können bis zum 13. April 2026 eingereicht werden. Rückmeldungen erfolgen Ende Mai 2026.

Ansprechpartnerin:
Dr. Adina Christine Rösch
Museumsdirektorin

Museum Lyonel Feininger
Welterbestadt Quedlinburg
Schlossberg 11
06484 Quedlinburg

T: +49 3946 6895938-20
Mobil: +49 157 83986407
F: +49 3946 689 5938-24
adina.roeschkulturstiftung-st.de
www.museum-feininger.de

Quellennachweis:
CFP: Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute (Quedlinburg, 12-13 Nov 26). In: ArtHist.net, 28.02.2026. Letzter Zugriff 28.02.2026. <https://arthist.net/archive/51855>.

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