CFP Oct 24, 2021

Ecologies of the Fluid circa 1800 (Bad Homburg, 7-9 Jul 22)

Rhein-Main Universitäten, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Bad Hombug, Villa Reimers, Jul 7–09, 2022
Deadline: Nov 30, 2021

Mechthild Fend

[Please see English version below]

Wasser/Landschaften. Ökologien des Fluiden um 1800

Organisation und Konzeption
Prof. Dr. Roland Borgards (GU Frankfurt)
Prof. Dr. Frederike Middelhoff (GU Frankfurt)
Prof. Dr. Barbara Thums (JGU Mainz)

Wo in der historischen Romantik literarische, bildnerische, musikalische oder auch gärtnerische Landschaftsbilder entworfen werden, ist oft auch das Element ‚Wasser‘ zu finden: Seien es die schwungvoll gewundenen Bäche oder kunstvoll arrangierten Teiche und Wasserfälle in Land-schaftsgärten; spiegelglatte Küsten- und Seenflächen, die das Sonnen- oder Mondlicht in som-merhellen oder unheimlich illuminierten Farben reflektieren; vom Wind gepeitschte Meeresflu-ten und Ozeane; klingende Bächlein mit launischen Forellen oder Flüsse wie Rhein, Main, Neckar, Themse, Seine oder Nil, die zur Kahn- und Schifffahrt, zum Imaginieren, Malen und Dichten einladen: Wasserflächen, -elemente und -schauspiele sind für ein romantisches Ver-ständnis von ‚Landschaft‘ konstitutiv.

Mit diesen Wasserlandschaften der europäischen Romantik/en – und allgemeiner: der Zeit um 1800 – lässt sich ein (proto-)ökologisches Verständnis von den Wechselwirkungen zwischen anorganischen und organischen Entitäten in lokal definierten Räumen in den Blick nehmen und artikulieren. In der Forschung sind diese Zusammenhänge bislang weitestgehend unberücksich-tigt geblieben. Zwar haben die Environmental Humanities die Literatur, Philosophie, Kunst und Wissenschaft um 1800 als zentrale Stichwortgeber eines modernen Umweltbewusstseins und ökologischer Theoreme erkannt. Welche Rolle dem Wasser und damit verbundenen Lebens-räumen und Existenzbedingungen zugesprochen werden kann, ist allerdings noch nicht geklärt worden. Das erscheint umso erstaunlicher, als die Diskussion und Imagination zum Stellenwert des Wassers für das Leben und das Lebendige im Allgemeinen, für das Wechsel-, Wachstums- und Transformationsverhältnis von Organismen und Wasser(-Stoff) im Speziellen sowohl in den Naturwissenschaften (der Physik, Geologie und der Naturphilosophie) als auch in den Künsten und Wissenschaften um 1800 durchaus angeregt waren. Als entscheidend kann insbe-sondere die Erkenntnis gelten, dass sich Leben und Lebensformen im Wasser nicht nur ver-dichten, sondern gleichzeitig mediale Zugriffe notwendig sind, um diese Interdependenzen und Wechselbezüge überhaupt erst sichtbar zu machen – Andersens Märchen vom Wassertropfen (Dän.: Vanddraaben, 1847) unter dem Vergrößerungsglas führt dies besonders eindrücklich vor Augen.

Darüber hinaus verbinden Wasserlandschaften die in den Künsten ständig miteinander verwo-benen Ebenen des Semiotischen und des Materiellen, des Klanglichen und des Laut(sprach)lichen, der literalen und metaphorischen Bedeutungen: In Landschaftsgedichten plätschern, sprudeln, quellen, fluten, fließen, rauschen und wallen nicht nur Wasserflächen und -werke, vielmehr laufen hier verschiedene durch das fluide Element getragene Seins- und Be-wegungsweisen diverser Akteur:innen ineinander. Tiere, Pflanzen, Luft, Erde(n), Licht bilden ein durch das Wasser zusammengehaltenes und miteinander in Berührung kommendes Ensem-ble, dessen Aktivität und Vitalität, ebenso wie eine Vorstellung von Landschaft überhaupt, erst durch das Wasser möglich wird. Zugespitzt formuliert: In der Zeit um 1800 werden epistemo-logische und ästhetische Formationen entworfen, die an/erkennen, dass ohne Wasser keine Lebensformen und keine Landschaften denk- und darstellbar sind.

Die Tagung erkundet die ökologischen Dimensionen des Fluiden in der Zeit um 1800 ausge-hend vom Begriff der ‚Wasser|Landschaften‘. In den Fokus geraten damit ganz unterschiedli-che ‚Wasserstätten‘, die von regentragenden Wolken-Formationen über Wasserpfützen und Moorgebieten bis hin zu Flussläufen und Meeresräumen reichen und damit äußerst heterogene ästhetische Programme (u.a. das Erhabene oder den locus amoenus), Gattungen (Idyllen, Fluss- und Seefahrt-Balladen, Gartengedichte, Landschaftsprosa und Landschaftsmalerei-Diskurse, Naturessays usw.), Orte (national und international, phantastisch und realistisch usw.), Zeiten und Stofftraditionen (griechische und germanische Mythologie, Mittelalter) ins Spiel bringen. Grundthese der Tagungsinitiative ist dabei, dass romantische Literaturen und Bilder das Zusammenspiel von (Lebens-)Elementen und Lebewesen um/im Wasser inszenieren, reflektieren und verhandeln.

Wir interessieren uns für Beiträge, die nach den ästhetischen Verfahren und wissensgeschicht-lichen Kontexten von Wasser- und/als Lebensräumen in der Zeit um 1800 fragen und diese mit Theorien, Denkfiguren und Darstellungsformen des Ökologischen in Verbindung bringen. Ansatzpunkte und Impulse für diese Beschäftigung lassen sich neben dem Forschungsfeld des Romantic Ecocriticism auch aus dem ‚Hydro-Criticism‘ und den ‚Blue Humanities‘ erwarten. Die europäische und internationale Romantik ist dabei ein wichtiger, wenngleich nicht der ein-zige Bezugspunkt. Unser Erkenntnisinteresse gilt der Darstellungs- und Denkvielfalt des Öko-logischen um 1800 – alle Beitragsvorschläge, die Text, Bild und Diskussionspunkt gewordene Wasser|Landschaften zwischen 1750 und 1850 fokussieren, sind herzlich willkommen.

Wir bitten um Einsendung von Beitragsvorschlägen (max. 500 Wörter) für 25-minütige Vorträge sowie kurze biobibliographischen Angaben bis zum 30.11.2021. Bitte fassen Sie Ihre Bewerbung in einem Dokument zusammen und senden es an alle drei Organisator:innen (borgardslingua.uni-frankfurt.de; middelhoffem.uni-frankfurt.de; thumsuni-mainz.de). Die Publikation ausgewählter Beiträge in einem Tagungsband ist vorgesehen. Die Konferenz ist in Präsenz in der Villa Reimers des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg geplant, Reise- und Unterbringungskosten können nach Bedarf übernommen werden.

Kontakt
Frederike Middelhoff (W1-Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Ro-mantikforschung)

Goethe-Universität Frankfurt
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Campus Westend // IG-Farben-Haus // Postfach 17
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
E-Mail: middelhoffem.uni-frankfurt.de
Website: https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff

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Water|Landscapes. Ecologies of the Fluid circa 1800
A Conference of the Rhine-Main-Universities-Initiative “Romantic Ecologies”
07 – 09 July 2022, Research Center Bad Homburg

Contact
Prof. Dr. Roland Borgards (Goethe-University Frankfurt)
Prof. Dr. Frederike Middelhoff (Goethe-University Frankfurt)
Prof. Dr. Barbara Thums (Johannes Gutenberg-University Mainz)

Wherever literary, pictorial, musical, or even horticultural depictions of the landscape are to be found in the Romantic period, there too, is the element of water: whether in sweeping and me-andering streams or artfully arranged ponds and waterfalls within landscape gardens; mirror-smooth coastal and lake-surfaces reflecting the sun- or moonlight (either with summer bright-ness or in eerier shades); from wind-whipped sea tides and ocean waves; whispering brooks brimming with whimsical trout, or rivers like the Rhine, Main, Neckar, Thames, Seine, or Nile, welcome-beacons to all prospective barge- and ship-farers and invitations to imagine, paint, and compose poetry. Water-surfaces, water elements, and water spectacles are constitutive to a Romantic understanding of ‘landscape’.

Through these waterscapes of Romanticism – and more generally: those from the years around 1800 – a (proto-)ecological understanding of the interplay between inorganic and organic enti-ties in locally defined spaces comes into view and is first articulated. The connection nonethe-less remains to be investigated further. To be sure, the Environmental Humanities have recog-nized the literature, philosophy, and science around 1800 as originators of modern ecological theorems and environmental consciousness. Nonetheless, the role that can be attributed to water – to the biotopes and conditions of existence attached to it – is still unclear. This is all the more astonishing as discussions and imaginations of the significance of water for life and the living in general, and specifically for the reciprocal, developmental, and transformative relationships between organisms and water (and hydrogen), was certainly encouraged by both the natural sciences (physics, geology, and in philosophy/ies of nature) as well as in literature and the arts around 1800 more generally. In particular, the realization that life and living forms not only consolidate in water, but that medial approaches are simultaneously necessary to make these interdependencies and interrelationships visible is decisive – Andersen’s fairy tale of water drops (Danish: Vanddraaben, 1847) beneath the magnifying glass brings this into view in a particularly impressive way.

Moreover, water landscapes help bring together the constantly interwoven levels of the semiotic and the material, of sonic and the phonetic (linguistic), and of literal and metaphorical meaning: Within landscape poems, the splash, bubble, spring, flood, flow, rush, and surge are not only the acts of waterworks and water surfaces; rather, diverse actors, their distinct modes of being and movement, become entangled and affected by each other, as they converge, mingle, and disperse again. Animals, plants, air, soil, and light make up an ensemble, which is brought into contact and co-constituted by water. Its activity and vitality, much like any form of landscape, is made possible only through water. More pointedly: The time around 1800 launches epistemo-logical and aesthetic formations which recognize that without water, landscapes and living forms are unthinkable and unrepresentable.

The conference explores the ecological dimensions of the fluid in the period around 1800, tak-ing the concept “water|landscapes” as its point of departure. The focus will consist of various ‘water sites’, ranging from rain-bearing cloud formations to water puddles and bogs to river courses and marine spaces. It will bring into play extremely heterogenous aesthetic programs (e.g., the sublime or the locus amoenus), genres (idylls, river and seafaring ballads, garden po-ems, landscape prose and landscape painting discourse, nature essays, etc.) places (national and international, fantastic and realistic etc.), times, and traditions (Greek and Germanic mythology, Middle Ages). The basic thesis of the conference is that Romantic literatures and images stage, reflect, and negotiate the interplay of (living) elements and beings around/in water.

We are interested in contributions that inquire into historical knowledges about and aesthetic approaches to water, aquatic habitats, and habitats in the period around 1800, especially as relat-ing to theories, figures of thought, and forms of representation of the ecological. Points of de-parture and catalysts for research can be found not only in the field of Romantic Ecocriticism but also in Hydro-Criticism and the Blue Humanities. European and International Romanticism is thereby an important, though not exclusive, reference point. Our interest is in the diversity of representations and theories surrounding water and its proto-ecological dimensions around 1800 – all proposals that focus on water|scapes in text, as image, or as a jumping-off point for discussions between 1750 and 1850 are welcome.

Please send your abstract (max. 500 words) for a 25-minute talk and short biobibliographical notes in one single document to all three organisers (borgardslingua.uni-frankfurt.de; mid-delhoffem.uni-frankfurt.de; thumsuni-mainz.de) until 30 November 2021. A publication of selected talks is planned. The conference is scheduled as an in-presence event at the Research Center’s Villa Reimers in Bad Homburg. Travel and accommodation costs can – if needed – be reimbursed.

Contact
Frederike Middelhoff (W1-Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Ro-mantikforschung)

Goethe-Universität Frankfurt
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Campus Westend // IG-Farben-Haus // Postfach 17
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
E-Mail: middelhoffem.uni-frankfurt.de
Website: https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff

Reference:
CFP: Ecologies of the Fluid circa 1800 (Bad Homburg, 7-9 Jul 22). In: ArtHist.net, Oct 24, 2021 (accessed Dec 7, 2021), <https://arthist.net/archive/35087>.

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