CFP 10.06.2010

Authentizitaet / Wiederholung: Kuenstlerische und kulturelle Manifestationen eines Paradoxes (Berlin, 2-4 Dec 10)

Manifestationen eines Paradoxes (Berlin, 2-4 Dec 10)

Call for Papers

Interdisziplinäre Tagung

Authentizität / Wiederholung: Künstlerische und kulturelle
Manifestationen eines Paradoxes

Freie Universität Berlin, 2.-4. Dezember 2010

Der in der Diskussion um die so genannte Postmoderne in Misskredit
geratene Begriff der Authentizität erlebt seit einiger Zeit
erneute Aufmerksamkeit. Die Sehnsucht nach unmittelbaren und
einzigartigen Erfahrungen wird umso stärker, je mehr die
wahrhaftige Repräsentation des Wirklichen durch digitale Medien
bezweifelt wird. Wiederholung wiederum galt in seinen
verschiedenen Varianten als einer der gefeierten Schlüsselbegriffe
in der postmodernen Debatte. Aneignungen, Kopien und 'Fakes'
ersetzten die fortwährende Suche nach Einzigartigkeit und
erklärten sie zur Illusion. Authentizität und Wiederholung
erscheinen also zunächst als unvereinbare Begriffe. Das
Authentische impliziert Wahrhaftigkeit, Originalität, Einmaligkeit
und Echtheit. Wiederholung dagegen wird gerade mit dem Verlust
eben dieser Eigenschaften verbunden. Die Tagung nähert sich in
zwei Schritten diesem Paradox von Authentizität und Wiederholung.

Als erstes soll strukturell an das Problem von Authentizität und
Wiederholung herangegangen werden, wie es sich in
unterschiedlicher Weise in den Künsten zeigt. In den aufführenden
Künsten ist Authentizität oft an den 'live'-Charakter der
jeweiligen Veranstaltung gebunden. Aber wie authentisch wird der
Ausdruck der Schauspieler oder Musiker nach wiederholter
Aufführung noch vermittelt? Kann Authentizität bei wiederholten
Präsentations- und Rezeptionsakten noch gewährleistet sein?
Welchen Einfluss haben unterschiedliche Aufführungskontexte und
Übertragungsmedien auf die Authentizität des Erlebten? Die
Diskussion um Authentizität und Wiederholung in den bildenden
Künsten zeigt sich beispielsweise an Fragen der Autorschaft und
Urheberschaft. Welche Rolle spielt heute noch die
Original/Reproduktionsdebatte? Wie hat die Aneignungskunst die
Diskussion um Authentizität und Wiederholung verändert? Besonderes
Interesse gilt dabei den fotografischen Medien. Diese haben durch
ihre scheinbare Transparenz einen vermeintlich stärkeren Bezug zur
Realität als andere Medien. Zwar wurde dieser 'Realitätseffekt'
(Barthes) und die Faktizität des fotografischen Bildes durch die
vielfältigen Möglichkeiten der Bildmanipulation, insbesondere
durch technologische Innovation, längst in Frage gestellt; doch
bleibt immer noch stärker als in anderen Medien der Eindruck des
'Dagewesenen' in den fotografischen Medien bestehen. Welche Mittel
und Strategien verwenden Fotografen und Filmemacher, um beim
Betrachter ein Gefühl von Authentizität hervorzurufen? Warum und
von wem wird etwas als echt aufgefasst?

Im zweiten Teil wird sich die Tagung intensiv mit Aufführungen
von Geschichte auseinandersetzen. In aktuellen künstlerischen,
filmischen und soziokulturellen Praktiken, die geschichtliche
Ereignisse aufführen oder nachstellen, kreuzen sich die Begriffe
von Authentizität und Wiederholung. Die Wiederholung geht hier
oft mit einer Sehnsucht nach authentischer Erfahrung einher. Der
zweite Teil der Tagung liegt daher auf der Untersuchung
unterschiedlicher Formen dieser Authentizität-suchenden Aufführung
von Geschichte: 'live'-Praktiken des Reenactment und der Living
History ('gelebte Geschichte') sollen ebenso auf ihre Erzeugung
von Authentizität hin beleuchtet werden wie Nachstellungen
historischer Ereignisse in Dokumentarfilm und –fotografie.

Im populärkulturellen Reenactment wird ein spezifisches
historisches Ereignis akribisch rekonstruiert, die Beteiligten
streben dabei nach größtmöglicher Authentizität in der Darstellung
des Gewesenen. In den letzten Jahren treten vermehrt auch
künstlerische Formen des Reenactment auf. Hier werden meist
jüngere historische Ereignisse auf ihre Bedeutung für die
Gegenwart hin befragt und vom Betrachter in der Position des
Zeugen erlebt. Während aber populärkulturelle Reenactments
lediglich als affirmativ betriebene Freizeitaktivitäten belächelt
werden, wird ihrer künstlerischen Variante oft ein kritischer
Impetus unterstellt. Dieser vermeintliche Gegensatz ist auf seine
Richtigkeit hin zu prüfen: Welche Potentiale bieten
populärkulturelle Wiederaufführungen historischer Ereignisse und
worin bestehen die Grenzen künstlerischer Reenactments?
Welche Rolle spielt Authentizität in beiden Praktiken? Was für
ein 'Ausschnitt' von Geschichte wird jeweils gewählt und welche
Funktion erfüllt seine Aufführung?

Die interdisziplinäre Tagung richtet sich an Wissenschaftler
der Fächer Kunstgeschichte, Kultur-, Literatur-, Theater-,
Musik-, Medien-, und Filmwissenschaft, Geschichte, Soziologie,
Philosophie, Anthropologie und Ethnologie. Vortragsdauer:
25-30 Minuten.

Eine Auswahl der Beiträge soll im Anschluss an die Tagung in
einer Publikation versammelt werden.

Vorschläge in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter) können
zusammen mit einer Kurzbiographie und Kontaktdaten per Email
oder Post an die unten angegebenen Adressen bis zum 25. Juli 2010
eingereicht werden.

Konzeption: Dr. Uta Daur
Organisation und Durchführung: Dr. Uta Daur,
Dr. Dietmar Kammerer

Kontakt:
Internationales Graduiertenkolleg "InterArt"
Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Grunewaldstraße 34
12165 Berlin

interartzedat.fu-berlin.de

www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/interart

Quellennachweis:
CFP: Authentizitaet / Wiederholung: Kuenstlerische und kulturelle Manifestationen eines Paradoxes (Berlin, 2-4 Dec 10). In: ArtHist.net, 10.06.2010. Letzter Zugriff 21.10.2026. <https://arthist.net/archive/32803>.

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