CFP: Architektur und Emigration 1920–1950 (Munich, 5-6 May 17)

München, 05. - 06.05.2017
Eingabeschluss: 05.10.2016

A House of One’s Own
Architektur und Emigration 1920–1950

Tagung des Instituts für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten, Landesverband Bayern
München, 5. und 6. Mai 2017

Wenn Architekten oder Architektinnen ein Wohnhaus für sich selbst entwerfen, ist das oftmals spannungsreiche Verhältnis zwischen Auftraggeber/innen und Ausführenden scheinbar aufgehoben. In vielen solcher Bauten treten künstlerische Haltungen und politische Positionen, Vorlieben und Abneigungen, Temperament und Charakter ihrer Urheber deutlich zutage. Darüber hinaus haben selbstverständlich auch Theorien, Debatten und architektonische Strömungen einer Epoche ihre Spuren hinterlassen.
Gerade vor dem Hintergrund der radikalen Umbrüche und teilweise erbitterten Kontroversen auf dem Feld der Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand eine beachtliche Zahl von Wohnhäusern, in denen das Selbstverständnis ihrer Urheber gebauten Ausdruck gefunden hat. Traditionsverbundenheit und Avantgarde, Experimentierfreude und Pragmatismus, ausgeprägtes Künstlertum ebenso wie vom Metier des Ingenieurs geprägte Auffassungen lassen sich finden. Und nicht zuletzt spiegeln sich die persönlichen Lebenssituationen der Architekt/innen in ihren Wohnhäusern wider. Das Haus erscheint als Manifest, als Selbstportrait seines Erbauers deutbar, aber auch als ein Instrument der Werbung, als Zeichen der Verbundenheit mit bestimmten Milieus oder Haltungen oder auch nur als eine von manchen Zwängen befreite Umsetzung persönlicher Vorstellungen. Auf diese Weise entstand das zu seiner Zeit als spektakulär Empfundene ebenso wie das eher Unauffällige.
Zusätzliche Deutbarkeit erfährt ein solches „eigenes Haus“, wenn es in einer Umgebung errichtet wird, die nicht die angestammte seines Urhebers ist. Die Tagung möchte ihren Fokus auf Bauten legen, die zwischen 1920 und 1950 unter den Bedingungen einer – freiwilligen oder erzwungenen – Emigration entstanden sind. Zu den prominentesten Beispielen gehören die Wohnhäuser von Rudolph Schindler in West Hollywood (1922), Richard Neutra in Los Angeles (1932), Ernst May in der Nähe von Nairobi (1937), Walter Gropius in Lincoln/Massachusetts (1938), Bruno Taut in Istanbul (1938), Ernö Goldfinger in London (1939), Josep Lluís Sert in Locust Valley/New York (1949) und Max Cetto in Mexiko-Stadt (1949). Marcel Breuer errichtete sich zwischen 1939 und 1951 in den USA nicht weniger als vier verschiedene Häuser.
Welchen Ausdruck konnten Migration und erzwungene Ortswechsel im Bauen von Architekt/innen finden, wenn diese für sich selbst entwarfen? Veranschaulicht sich in diesen Entwürfen auch ein Versuch, in Zeiten der Krise einen Ort „nur für sich“ zu schaffen, der eine Möglichkeit kreativer Entfaltung bot – ganz so wie es das von Virginia Woolf entliehene und abgewandelte Zitat eines „House of One’s Own“ unterstreichen soll? Unterscheiden sich diese Architektenhäuser in der Emigration von Auftragsarbeiten? Sollen sie besonders deutlich wahrnehmbar sein, oder sind sie Ausdruck einer Assimilation an die Baukultur im Aufnahmeland?
Die Tagung wird sich mit dem programmatischen oder experimentellen Charakter solcher Bauten auseinandersetzen und versuchen, sie sowohl im Kontext des jeweiligen architektonischen Gesamtwerks als auch der zeitgenössischen und lokalen Baukultur zu verstehen. Sie möchte zum einen verschiedene Absichten und Strategien emigrierter Architekt/innen an einzelnen Häusern oder auch an Gruppen von Häusern – sowohl prominenten als auch weniger bekannten – untersuchen. Zum anderen sind Beiträge erwünscht, die sich mit übergeordneten Fragestellungen auseinandersetzen, beispielsweise:

- Wandel der Architekturhaltung oder der Formensprache als Folge der Emigration
- Einfluss klimatischer, sozialer oder politischer Bedingungen in der neuen Umgebung
- Reminiszenz an die verlassene Heimat – Reverenz an die neue Umgebung – „Synthesen“
- technische, konstruktive und planerische Eigenheiten
- Reflexion solcher Häuser in programmatischen oder theoretischen Texten ihrer Urheber/innen
- Resonanz in Fachkreisen und der breiteren Öffentlichkeit
- geplante, jedoch nicht realisierte Häuser

Interessenten sind eingeladen, ihren Vorschlag (maximal 500 Wörter) für einen Vortrag von 20 bis 30 Minuten Länge und einen kurzen CV bis zum 5. Oktober 2016 einzureichen. Die Beiträge sollen im Anschluss an die Tagung in einem zweisprachigen Band (deutsch/englisch) publiziert werden. Redaktionsschluss wird voraussichtlich der 15. Juni 2017 sein. Bitte beachten Sie, wenn Sie einen Vorschlag einreichen, auch bereits diesen Termin.

Organisation:
Prof. Dr. Burcu Dogramaci, Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Andreas Schätzke, Stiftung Bauhaus Dessau

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge an:
burcu.dogramacilmu.de
und
a.schaetzkeberlin.de

Quellennachweis:
CFP: Architektur und Emigration 1920–1950 (Munich, 5-6 May 17). In: H-ArtHist, 15.09.2016. Letzter Zugriff 27.04.2017. <https://arthist.net/archive/13668>.

Beiträger: Burcu Dogramaci

Beitrag veröffentlicht am: 15.09.2016

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