(M)eine Nacht im Museum. Imaginationsraum und kritischer Akt in Literatur und Kunst der Gegenwart
Lecture-débat und interdisziplinärer Workshop zur Buchreihe "Ma nuit au musée"
Eine Nacht allein im Africa Museum in Tervuren/Belgien oder eingeschlossen in der Gedenkstätte des ehemaligen Gefängnisses Montluc in Lyon, migränegeplagt zwischen Gemälden von Francis Bacon im Pariser Centre Pompidou oder tanzend inmitten der Statuen in der Salle des Cariatides im Louvre – in den Texten der französischen Buchreihe "Ma nuit au musée" (Éditions Stock) werden moderne Mythen lebendig und zugleich Erinnerungsdiskurse sowie aktuelle Debatten um Kunst und Musealisierung aufgerufen. Seit 2018 werden dafür Schriftsteller:innen eingeladen, eine Nacht allein in einem Museum ihrer Wahl zu verbringen und ausgehend von dieser Erfahrung einen Text zu verfassen. Die entstandenen Bücher sind formal wie inhaltlich sehr unterschiedlich und reichen von eher autobiografisch-narrativen über kunstkritische bis hin zu essayistischen Zugängen. Zugleich eröffnet sich ein breiter kunsthistorischer Bezugsrahmen, der Ikonografien schlafender Figuren, mysteriöse Orte nächtlicher Kreation, real ausgestellte und sogar benutzbare Liegestätten in zeitgenössischen Installationen ebenso umfasst wie als heilend oder widerständig aufgefasste Praktiken des Ruhens in der Performancekunst.
In der experimentellen Anordnung der ‚Nacht im Museum' erscheint das Schreiben nicht mehr nur als kreativer Akt vor oder hinter dem eigentlichen Text, sondern wird zum musealen Ereignis und erhält Werkcharakter, der wiederum in Dialog mit den im Text jeweils referierten Kunsträumen und -objekten tritt. Die Veranstaltung zielt darauf ab, diese Konstellation und die vielfältig daraus hervorgehenden Formen genauer in den Blick zu nehmen – aus literatur-, kunst- und kulturwissenschaftlicher sowie museologischer und kuratorischer Perspektive.
Eine Kooperation zwischen dem Frankreichzentrum der Freien Universität Berlin, dem Institut für Geschichte und Theorie der Kunst der Katholischen Privat-Universität Linz und dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte (DFK Paris). Konzept: Elisabeth Fritz, Marie Jacquier und Ulrike Schneider.
PROGRAMM
24. September 2026, 18:00 Uhr // Lettrétage e. V. – K26
Lecture-débat (in französischer Sprache): Christophe Boltanski (King Kasaï, 2023) im Gespräch mit Drossilia Dikegue Igouwe (Universität Augsburg), Moderation: Anna Helfer (FU Berlin)
Grußworte: Peter Geimer (DFK Paris), Marie Jacquier (FU Berlin)
Veranstaltungsort: Lettrétage e. V. – K26, Kolonnenstraße 26, 10829 Berlin
Eine Teilnahme ist auch via Webkonferenz unter folgendem Link möglich: https://fu-berlin.webex.com/wbxmjs/joinservice/sites/fu-berlin/meeting/download/3441b9aa8e7545799e44b0846197c40c?MTID=m6283b9f32e43f1ac430c5a265e93821c.
25.–26. September 2026 // FU Berlin
Interdisziplinärer Workshop
Moderationen: Ronja Nayeri (Berlin), Aurore Peyroles (Berlin), Kerstin Maria Pahl (Berlin)
Veranstaltungsort: Freie Universität Berlin, Raum 2.2058 / Holzlaube, Fabeckstraße 23/25, 14195 Berlin
Programm
09:00-09:30 Begrüßung und Einführung
Moderation: Ronja NAYERI (Berlin)09:30-10:15 Fiona MCGOVERN (Bochum): Museen bei Nacht. Über das Spiel mit dem Verbotenen, Perspektivwechsel und Outreachstrategien
10:15-11:00 Ulrike SCHNEIDER (Berlin): Der Rhythmus einer Nacht. Oder: Ein Museum für sich allein
11:00-11:30 Pause
11:30-12:15 Daniela STÖPPEL (München): Vom Liegen-Müssen und Liegen-Dürfen. Eingeschlossensein und horizontale Stillstellung als produktionsästhetische Metaphern
12:15-13:00 Rita RIEGER (Salzburg): Transgressive Momente zwischen Kunst, Literatur und Leben in Marcher jusqu’au soir
13:00-14:00 Pause
Moderation: Aurore PEYROLES (Berlin)
14:00-14:45 Mona KÖRTE (Bielefeld): Die letzte Stunde. Lola Lafons Nachtarbeit
14:45-15:30 Elisabeth FRITZ (Linz): „De la joie, on ne retient jamais que des images fugaces.“ Zur Rolle von Bildern in La joie ennemie von Kaouther Adimi
15:30-16:00 Pause
16:00-16:45 Olga SCHUBERT (Berlin): Die Anwesenheit von Körpern in Wissensräumen. Chimurengas Interventionen in Museen und Bibliotheken
16:45-17:30 Maeva PIMO (Wien): Écrire le silence, archiver le corps : Mémoires queer au Cameroun au prisme d'Ananda Devi
17:30-18:00 Diskussion
Samstag, 26. September, Ort: Freie Universität Berlin, Fabeckstr. 23/25, Holzlaube (Raum 2.2058)
09:15-09:30 Impuls
09:30-10:15 Lukas TÖPFER & Tobias VOGT (Oldenburg): Paratext, Parergon und die Mona Lisa im Louvre
10:15-11:00 Marie JACQUIER (Berlin): Ausgestellte Autorschaft – Leïla Slimanis Le parfum des fleurs la nuit und die Inszenierung einer doppelten posture
11:00-11:15 Pause
11:15-12:00 Viviana MACALUSO (Berlin): Schreiben müssen. Christine Angots La Nuit sur commande (2025) zwischen Arbeitsauftrag und Auftragsverweigerung
12:00-12:45 Jan RHEIN (Flensburg): „La Villa Lumière est à moi et à moi seul“ – Histoire(s) de cinéma mit Thierry Frémaux
12:45-13:30 Regina SARREITER (Bayreuth): Langebleiben und Wiederkehren. Vom Unbehagen im Museum
13:30-16:30 Internes Programm für die Workshopteilnehmenden
Zu allen Terminen wird um Anmeldung unter frankreichzentrumfu-berlin.de bis zum 20.09.2026 gebeten.
Reference:
CONF: (M)eine Nacht im Museum (Berlin, 24-26 Sep 26). In: ArtHist.net, Sep 17, 2026 (accessed Sep 18, 2026), <https://arthist.net/archive/54315>.