Aktuelle Perspektiven feministisch-queerer Kunstwissenschaften. Visualitäten, Methoden, Politiken.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Anti-Gender-Diskurse, zunehmender autoritärer und faschistischer Strömungen sowie wissenschaftspolitischer Angriffe auf Gender Studies und diskriminierungskritische Forschung geraten Kunst, Kultur und Wissenschaft verstärkt unter politischen Druck. In diesen Auseinandersetzungen kommt visuellen Regimen eine zentrale Rolle zu: Bilder und Sichtbarkeiten (re-)produzieren, stabilisieren oder irritieren gesellschaftliche Machtverhältnisse. Kunst ist dabei nicht lediglich Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern aktiver Ort der Aushandlung von Geschlecht, Körperautonomien, Begehren, race, Klasse und von Zugehörigkeit. Die Tagung Aktuelle Perspektiven feministisch-queerer Kunstwissenschaften. Visualitäten, Methoden, Politiken nimmt diese Entwicklungen zum Anlass, feministische, queere, dekoloniale, materialistische und intersektionale Ansätze gegenwärtiger kunstwissenschaftlicher Forschung zusammenzuführen und weiterzudenken. Ausgangspunkt ist die Frage, welche methodischen sowie politischen Herausforderungen sich aus diesen Blickweisen ergeben und im besten Fall die Kunstwissenschaften transformieren.
Im Zentrum stehen drei miteinander verschränkte Themenfelder: Visualitäten, Politiken und Methoden. Die Tagung fragt, wie Machtverhältnisse in Bildern, Institutionen, Archiven, Sammlungen und kunsthistorischen Narrativen sichtbar und damit analysierbar werden und welche alternativen Formen des Sehens, Forschens und Kuratierens sich daraus entwickeln lassen.
Dabei versteht die Tagung Visualität nicht als neutrales Feld, sondern als historisch und sozial geprägte Ordnung des Sehens. Feministisch-queere Kunstwissenschaften analysieren Sichtbarkeitsregime, hegemoniale Blickordnungen und Kanonbildungen ebenso wie Strategien der Gegenvisualität, der Verweigerung oder der queeren Zukunftsentwürfe. Zugleich rücken institutionelle Politiken, postkoloniale und dekoloniale Perspektiven sowie Fragen nach Klasse, Prekarität und Care-Arbeit im Kunstfeld in den Fokus. Darüber hinaus widmet sich die Tagung methodischen Fragen queer-feministischer Forschung: Wie lassen sich machtkritische Perspektiven methodisch integrieren oder erhalten? Wie verändern queer-feministische Ansätze das Verhältnis zwischen Forschenden, Gegenstand und Institution? Und wie können traditionelle kunsthistorische Methoden kritisch reflektiert und erweitert werden?
Format
Die Tagung ist in drei Sektionen gegliedert. Vorgesehen sind Kurzvorträge von jeweils 15 Minuten mit anschließender Diskussion. Künstlerische, vortragsähnliche Beiträge sind ebenfalls willkommen (Lecture performances, kommentierte Foto-Essays oder ähnliche Formate). Gerahmt wird das Programm durch eine Keynote von Dr. Charlotte Matter (Universität Basel) sowie einer Führung durch das Forum Queeres Archiv München.
Wir laden Beiträge aus Kunstgeschichte, Bildwissenschaft, Visual Culture Studies, Curatorial Studies sowie angrenzenden Disziplinen ein, die sich mit aktuellen Perspektiven feministisch-queerer Kunstwissenschaften auseinandersetzen. Die Tagung will Kunsthistoriker:innen aus allen Statusgruppen (Studierende, Promovierende, Postdoktorand:innen, Professor:innen) mit der AG feministsich-queere Kunstwissenschaften vom Ulmer Verein zusammenbringen, um gegenwärtige Projekte, Ansätze und Handlungsfelder zu diskutieren.
Mögliche Themenfelder
Sektion I: Visualitäten: Sichtbarkeiten und Blickerweiterungen
• feministisch-queere Bildkritik und Blickregime
• Gegenvisualitäten und Strategien der Irritation
• Sichtbarkeitspolitiken und ihre Ambivalenzen
• queer-feministische Perspektiven auf Repräsentation
• Affekt, Körper und Begehren in visuellen Kulturen
Sektion II: Politiken: Ausdruck, Medium und Rezeption
• postkoloniale und dekoloniale Perspektiven
• Kritische Analysen von faschistischen, autoritären und Anti-Gender-Bildpolitiken
• Klasse, Arbeit, Prekarität und Care im Kunstfeld
• hegemoniale Kanonstrukturen und Ausschlüsse
• Materialität, Medium und politische Form
Sektion III: Methoden: Queere Forschungsarbeit, Archiv, Praxis
• queer-feministische Methodologien
• situiertes Wissen und wissenschaftliche Objektivität
• feministisch-queere Institutionenkritik
• kollaborative, kollektive und aktivistische Forschungsformen
• Archive und queere Archivpraktiken
Kostenübernahme
Vorbehaltlich der Bewilligung von beantragten Fördermitteln können Reise- und Übernachtungskosten der Referent:innen bezuschusst werden. Nähere Informationen zur Bezuschussung förderfähiger Ausgaben werden den ausgewählten Teilnehmer:innen rechtzeitig vor der Tagung mitgeteilt.
Bewerbung
Bitte senden Sie einen Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (max. 150 Wörter) bis zum 07. Oktober 2026 an: feministischekuwisystemli.org
Die Rückmeldungen erfolgen voraussichtlich bis Ende November 2026.
Die Ergebnisse sollen in Form eines Tagungsberichtes veröffentlicht werden, der ebenfalls eine Stellungnahme zu den aktuellen Debatten der queer-feministischen Kunstgeschichtsforschung beinhalten soll.
Wir freuen uns insbesondere über Beiträge von Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen, die marginalisierte Perspektiven in die kunstwissenschaftliche Forschung einbringen.
Veranstalter:innen:
• AG feministisch-queere Kunstwissenschaften des Ulmer Vereins in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte München.
• Dr. Dominik Eckel (Universität Heidelberg)
• Apl. Prof. Dr. Henrike Haug (Akademische Rätin, Universität zu Köln)
• Laura König (Universität Hamburg / Akademie der Bildenden Künste München)
• Safira Lüdemann (Universität zu Köln)
• Kristin Weber (Universität Stuttgart)
Quellennachweis:
CFP: Perspektiven feministisch-queerer Kunstwissenschaften (Munich, 7-8 Apr 26). In: ArtHist.net, 12.09.2026. Letzter Zugriff 12.09.2026. <https://arthist.net/archive/54232>.