CFP Sep 2, 2026

Engagierte Architekturgeschichte (Berlin, 21-22 Jan 27)

Architekturforum der Technischen Universität Berlin, Jan 21–22, 2027
Deadline: Oct 15, 2026

Kerstin Wittmann-Englert

Engagierte Architekturgeschichte. Relevanz & Verantwortung einer Disziplin.

Was leistet Architekturgeschichte — für die Gegenwart, für die Gesellschaft, für das Bauen? Diese Tagung versteht sich als Einladung zur Standortbestimmung; nicht zur Selbstvergewisserung, sondern zur offenen Befragung einer Disziplin im veränderten Erwartungsfeld.

Abriss oder Weiterbauen, Erinnern oder Überschreiben, Bewahren oder Transformieren: Was lange nach Fachdebatten klang, ist längst zu gesellschaftlichen und politischen Fragen geworden. Architekturgeschichte steht damit in einer veränderten Verantwortung — gegenüber dem Bauen, gegenüber dem öffentlichen Diskurs, gegenüber sich selbst.

Wir laden nicht zu Verteidigungen der Architekturgeschichte ein, sondern zu ihrer Befragung, auch zu unbequemen Fragen: Was leistet sie nicht? Wo bleibt sie hinter ihren Möglichkeiten zurück? Wo hat sie sich in Nischen eingerichtet, aus denen sie schwer zu hören ist? Engagement beginnt mit Selbstreflexion.

Doch was genau ist mit „engagierter Architekturgeschichte" gemeint? Engagement kann öffentliche Einmischung und fachliche Positionierung bedeuten, ebenso historische Aufklärung, sorgfältige Dokumentation, kritische Vermittlung oder den Widerspruch gegen vereinfachende Deutungen. Es kann aber auch wissenschaftliche Distanz gefährden und Geschichte für gegenwärtige Interessen instrumentalisieren. Der Begriff soll deshalb nicht als fertiges Programm vorausgesetzt werden. Die Tagung fragt nach seinen Möglichkeiten, Voraussetzungen und Grenzen.

Architekturgeschichte besitzt keine eindeutig abgeschlossenen Grenzen. Sie berührt Kunst- und Kulturgeschichte, Baugeschichte und Architekturtheorie, Denkmalpflege, Archäologie, Stadtforschung, Museen und Archive, Entwurfspraxis, Architekturkritik und öffentliche Baukultur. Ihre besondere Kompetenz liegt in der Verbindung unterschiedlicher Zugänge: Sie untersucht Gebäude und Räume als künstlerische Entwürfe und technische Konstruktionen, als materielle Befunde und historische Quellen, als Ergebnisse sozialer, ökonomischer und politischer Prozesse. Sie arbeitet mit Bauten, Plänen, Zeichnungen, Modellen, Fotografien, Texten, Archiven und Nutzungsspuren.

Willkommen sind Beiträge unter anderem zu folgenden Themenfeldern:
- Architekturgeschichte zwischen Forschung, Lehre und beruflicher Praxis
- Bestand, Umbau, Reparatur und klimagerechte Transformation
- Denkmalpflege zwischen Wertsetzung, Verlustbewusstsein und gesellschaftlicher Aushandlung
- Architektur als Medium von Erinnerung, Herrschaft und politischer Deutung
- Architekturgeschichte in Museum, Archiv, Sammlung und Ausstellung
- Architekturkritik, Öffentlichkeit und Stadtdebatte
- Kanonbildung, europäische Traditionen und globale Verflechtungen
- Methoden und Evidenzen der Architekturgeschichte
- Grenzbereiche zwischen Architekturgeschichte, Baugeschichte, Architekturtheorie, Denkmalpflege und Stadtforschung
- Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlichen Engagements

Wir richten uns an Wissenschaftler:innen ebenso wie an Praktiker:innen und an alle, die Architekturgeschichte nicht nur betreiben, sondern über ihre Voraussetzungen, Methoden und Wirkungen nachdenken. Die Tagung versteht sich selbst als ein solcher Ort: Verankert an der Universität, sucht die Tagung bewusst den Austausch über deren Grenzen hinaus — mit Museum und Sammlung, mit Forschung und Vermittlung, mit historischer Analyse und gegenwärtiger Verantwortung.

Neben ausgearbeiteten Vorträgen sind ausdrücklich auch methodische Reflexionen, Problemanzeigen und offene Fragen willkommen - nicht nur fertige Antworten, sondern Beiträge, die vertraute Gewissheiten prüfen, neue Perspektiven eröffnen und den Rahmen der Tagung mitgestalten.

Im Anschluss an die Tagung „Engagierte Kunstgeschichte" von Isabelle Dolezalek und Bénédicte Savoy schafft das Format Raum für Vortrag und Gespräch, für unterschiedliche Generationen und institutionelle Erfahrungen sowie für Positionen, die über die Veranstaltung hinausweisen.

Die Tagung findet am 21./22. Januar 2027 im Architekturforum der Technischen Universität Berlin statt.

Abstracts von maximal 300 Wörtern für Vorträge oder für Poster können bis zum 15. Oktober 2026 zusammen mit einem kurzen Anschreiben und einer Kurzbiographie eingereicht werden. Senden Sie diese bitte per E-Mail an: hans-dieter.naegelketu-berlin.de und kerstin.wittmann-englerttu-berlin.de.

Alle Teilnehmer:innen sind dazu aufgefordert, vor Beginn der Veranstaltung ein einseitiges Thesenpapier zu Relevanz und Verantwortung der Architekturgeschichte einzureichen. Die Thesenpapiere sollen in einem Thesen-Slam vorgestellt und in die folgende Workshop-Veröffentlichung integriert werden.

Beiträge von Forschenden in einer frühen Karrierephase sind ausdrücklich willkommen!
Eine professionelle Kinderbetreuung wird – nach Bedarf – vor Ort organisiert. Reisekosten werden erstattet.

Reference:
CFP: Engagierte Architekturgeschichte (Berlin, 21-22 Jan 27). In: ArtHist.net, Sep 2, 2026 (accessed Sep 3, 2026), <https://arthist.net/archive/53555>.

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