CFP 19.07.2026

Eindeutig uneindeutig (Regensburg, 4-6 Jun 27)

Regensburg, 04.–06.06.2027
Eingabeschluss : 31.08.2026

Marie-Luise Kosan, Bamberg

Eindeutig uneindeutig. Ambige Bilder in mittelalterlichen Sakralräumen zwischen Intention und Rezeption.

Organisation: Marie-Luise Kosan (Bamberg), Theresa Lotter (Regensburg), Julian Jachmann (Regensburg).

Der Begriff der Ambiguität erlebte in den letzten Jahren in vielen Forschungsbereichen eine Konjunktur. Dabei erwies er sich trotz – oder gerade wegen – der ihm inhärenten Unschärfe (von lat. ambiguus schwankend, zweifelhaft, ungewiss, unsicher) als horizonterweiternder Terminus, der ein Umdenken von eindeutig bestimmbaren Bedeutungszuschreibungen hin zu zwei-, mehr-, viel- oder uneindeutigen – kurz ambigen – Interpretationsmöglichkeiten eröffnete. Dieses Umdenken fand auch in der Mediävistik sukzessive Eingang, wie unter anderem der wegweisende, 2016 von Oliver Auge und Christiane Witthöft herausgegebene Sammelband Ambiguität im Mittelalter. Formen zeitgenössischer Reflexion und interdisziplinärer Rezeption zeigt. Ambiguität beziehungsweise Ambiguitätstoleranz wird dort in Anlehnung an den Arabisten und Islamwissenschaftler Thomas Bauer als „ein Phänomen“ verstanden, das vorliege, „wenn gleichzeitig innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Deutungen eines Phänomens akzeptiert werden, wobei keine dieser Deutungen ausschließliche Geltung beanspruchen kann.“ (Bauer 2011, S. 27)

Während diese Perspektive in der interdisziplinären Mediävistik den Ausgangspunkt für verschiedenste Forschungsansätze bildete, sind in der mediävistischen Kunstgeschichte nur vereinzelt Beiträge zu finden, die Ambiguitätsüberlegungen aufgreifen oder gar systematisch weiterdenken (z.B. Knecht 2021, Frese 2022). Im Bereich der Kunst werden bewusst eingesetzte Uneindeutigkeiten oft noch immer als nachreformatorisches Charakteristikum eingestuft, wobei vor allem mit Blick auf die Moderne unter ,Ambiguität’ oftmals eine gezielt im Bild angelegte Sinnoffenheit verstanden wird, die der vermeintlichen Eindeutigkeit mittelalterlicher sakraler Bilder und ihren Funktionen gegenübergestellt wird. Dieses Narrativ eindeutiger und entsprechend leicht verständlicher Aussagen mittelalterlicher Bildwerke hält sich hartnäckig, obwohl doch vor dem Hintergrund einer in der Forschung mittlerweile mehrfach aufgezeigten Pluralität religiöser Vorstellungen des Mittelalters folgerichtiger zu fragen wäre, warum mittelalterliche Bilder für Sakralräume ein- und nicht mehrdeutig sein sollten.
Ein Ziel soll es daher sein, nach den Beweggründen solcher Narrative zu fragen: Warum und auf welche Weise wurden mehrdeutige Bildaussagen innerhalb der Forschungsgeschichte und/oder im Rahmen von Rezeptionsprozessen vereindeutigt? In diesem Zusammenhang wollen wir uns auch mit Beispielen befassen, bei denen retrospektiv durch Eingriffe in die Substanz eine Vereindeutigung der Bildaussage erzwungen wurde. Ebenfalls von Interesse sind exemplarische Objektstudien, die intendierte Unein- bzw. Mehrdeutigkeiten in mittelalterlichen Bildern aufzeigen und kontextualisieren.

*Call for Papers*
Wir laden Kunsthistoriker:innen, Restaurierungswissenschaftler:innen, sowie Kunsttechnolog:innen aller Karrierestufen zu Bewerbungen für einen Vortrag (25 Min. + 20 Min. Diskussion) ein. Wir möchten insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen ermutigen, einen Beitrag einzureichen und begrüßen internationale Bewerbungen. Die Tagungssprache wird Deutsch sein, englischsprachige Beiträge sind möglich.

Bitte reichen Sie hierfür ein Abstract von maximal 800 Wörtern sowie ein CV ein.
Die Einreichung sollte in Deutsch oder Englisch erfolgen.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 31.08.2026 an marie-luise.kosanuni-bamberg.de und theresa.lotterur.de .

Die Übernachtungs- und Reisekosten werden für Referent*innen vorbehaltlich einer positiven Fördermittelzusage erstattet.
Im Anschluss ist eine Publikation ausgewählter Beiträge im Rahmen einer Reihe der Otto-Friedrich-Universität Bamberg geplant.

Zitierte Literatur:
Auge, Oliver - Christiane Witthöft (Hrsg.): Ambiguität im Mittelalter. Formen zeitgenössischer Reflexion und interdisziplinärer Rezeption, Berlin/Boston 2016 (= Trends in Medieval Philology 30).
Bauer, Thomas: Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams, Berlin 2011.
Frese, Tobias: Bilder der Christophanie. Ambiguität, Liminalität und Konversion (zugl. Habil. Univ. Heidelberg), Paderborn 2022.
Knecht, Johannes Vincent: Romanische Kapitelle und ihre ornamental-figürliche Vieldeutigkeit (zugl. Diss. FU Berlin), Petersberg 2021.

Quellennachweis:
CFP: Eindeutig uneindeutig (Regensburg, 4-6 Jun 27). In: ArtHist.net, 19.07.2026. Letzter Zugriff 20.07.2026. <https://arthist.net/archive/53505>.

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