CONF Jun 23, 2026

Fragmente im Fokus (Bonn, 1-3 Oct 26)

Universität Bonn, Kunsthistorisches Institut, Rabinstr. 8 / CERC Konrad-Zuse-Platz 1-3, Bonn, Oct 1–03, 2026
Registration deadline: Sep 30, 2026

Markus Dauß

Deutsch-französisches Forschungstreffen "Fragmente im Fokus. Ruinenfotografie als Medium der Moderne / Focus sur les fragments. La photographie des ruines comme médium de la modernité".

Veranstaltet von der Professur für Architekturgeschichte und -theorie des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn in Kooperation mit dem Centre Ernst-Robert-Curtius Bonn (CERC).

Ruinen und Fotografie stehen seit dem 19. Jahrhundert in einem engen Zusammenhang. Beide verweisen auf Zeitlichkeit, Vergänglichkeit und Erinnerung: Ruinen als materielle Überreste historischer Prozesse, Fotografie als Medium ihrer Dokumentation, Interpretation und ästhetischen Aneignung. Die fotografische Darstellung von Ruinen gehört zu den langlebigsten und zugleich wandelbarsten Bildgenres der medialen Moderne. Sie reicht von den frühen Denkmalinventarisationen des 19. Jahrhunderts über Kriegs- und Industrieruinen bis zu gegenwärtigen Bildwelten des Anthropozäns, der Deindustrialisierung und globaler urbaner Transformation.

Das deutsch-französische Forschungstreffen Fragmente im Fokus. Ruinenfotografie als Medium der Moderne widmet sich den historischen, theoretischen und medialen Beziehungen zwischen Ruine und Fotografie in Frankreich und Deutschland. Im Zentrum steht die Frage, wie fotografische Bilder des Ruinösen zur Konstruktion von Geschichte, Erinnerung und kultureller Identität beigetragen haben und bis heute zur Reflexion gesellschaftlicher Transformationsprozesse genutzt werden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den unterschiedlichen Aneignungsweisen des Ruinösen in beiden Ländern. Während in Frankreich bereits die Mission Héliographique ab 1851 staatlich koordiniert Monumente inventarisierte und zugleich deren ruinöse Zustände sichtbar machte, entwickelte sich in Deutschland die Ruinenfotografie primär aus nationalromantischen und melancholischen Diskursen heraus, verbunden mit Fragen der territorialen Konsolidierung und geschichtlichen Rückversicherung. In beiden Fällen fungiert die Fotografie nicht nur als Dokument, sondern als aktives Medium der Deutung von Zerfall und Wandel, stets auch mit Blick auf die Frage nationaler Grenzen. Im 20. und 21. Jahrhundert traten in beiden Staaten Kriegsruinen, industrielle Hinterlassenschaften, urbane Brachen, ökologische Transformationslandschaften und koloniale Relikte als weitere zentrale Bildgegenstände hinzu.

Die Veranstaltung führt Wissenschaftler aus Kunst- und Architektur-, Fotografie- und Mediengeschichte, Denkmalpflege, Archäologie sowie benachbarten Disziplinen zusammen. Ziel ist es, aktuelle Forschungen zur Geschichte, Theorie und Medialität der Ruinenfotografie in einen deutsch-französischen Dialog zu bringen und gemeinsame Perspektiven auf eine europäische und globale Bild- und Erinnerungsgeschichte des Ruinösen zu diskutieren.

Refereten sind: Jean-Yves Marc (Straßburg), Danièle Méaux (Saint-Étienne), Jonathan Tichit (Aix-Marseille), Jean-Philippe Garric (Paris) und Anne Lacoste (Lille), Kirsten Wagner (Bieleled), Claudia Widow (Bonn) und Leonard Borowski (Bonn).

Konferenzsprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch.

Zuhörer:innen und auch Mitdiskutand:innen sind gerne willkommen. Um vorige Anmeldung per Email an: daussuni-bonn.de wird gebeten.

Das Programm wird in seiner letztgültigen Fassung einige Wochen vor der Konferenz auf der Webseite des KHI Bonn (https://www.khi.uni-bonn.de/de/khi) und das CERC (https://www.cerc.uni-bonn.de/de/cerc) bekannt gegeben.

Organisation:
Prof. Dr. Markus Dauß
Professur für Architekturgeschichte und -theorie
Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn

In Kooperation mit dem Centre Ernst-Robert-Curtius (CERC), Universität Bonn
Unterstützt durch die Gielen-Leyendecker-Stiftung Bonn

Programm

Do, 01.10.2026: Anreise der Teilnehmenden bis mittags
Konferenzort: Rabinstraße 8, 53111 Bonn, Seminarraum 4 (EG)

13.30 h: Möglichkeit zum gemeinsamen Mittagsnack in Leahs World Café in der Rabinstraße 8 (EG)
15 h: Begrüßung durch den Geschäftsführenden Direktor des KHI oder den Dekan
15.15 h: Markus Dauß (Bonn): Einführung: Ruinenfotografie zwischen Dokumentation, Ästhetisierung und historischer Imagination/La photographie des ruines entre documentation, esthétisation et imagination historique

Sektion I: Die Erfindung der fotografischen Ruine/L’invention photographique de la ruine
(Moderation: Christina Schröer)
16.00 h: Jean-Philippe Garric (Paris) : Rome photographique. Trois leçons de la cité-ruine
16:45 h: Kaffeepause
17:00 h: Claudia Widow (Bonn): Ruine, Landschaft, Evidenz: Poseidonia–Paestum zwischen Grand Tour und archäologischer Fotografie
17:45: Jean-Yves Marc: Ruines photographiées, ruines archivées
18:30 h: Besichtigung des Alten Friedhofs Bonn (Bornheimer Straße, 53113 Bonn)
19:00 h: Aperitif auf der Dachterrasse Rabinstraße 8
20:15 h: gemeinsames Abendessen im Restaurant Zum Treppchen, Weberstraße 42, 53113 Bonn

Fr., 02.10.2026
Konferenzort: Centre Ernst Robert Curtius (CERC), Konrad-Zuse-Platz 1-3, 53227 Bonn (Anreise: Stadtbahn 66 ab Bonn Hbf, bis Haltestelle Ramersdorf, dann ca. 10 Min. Fußweg)
Moderation: N.N.

Sektion II: Fotografie, Archäologie und historische Zeit/Photographie, archéologie et temps historique
09:30 h: Danièle Méaux (Saint-Étienne): Les temporalités plurielles des ruines
10:15 h : Kirsten Wagner (Bielefeld): Ruinenmodelle und ihr fotografisches Double/Les maquettes de ruines et leur double photographique
11:00 h: Kaffeepause

Sektion III: Den Orient fotografieren: Wissen, Macht und Repräsentation/Photographier l’Orient : savoir, pouvoir et représentation
11:15 h: Anne Lacoste (Lille): La pratique photographique comme écriture d’un récit idéalisé de l’activité archéologique en Orient dans la second moitié du XIXe siècle
12:00 h : Leonard Borowski (Bonn): Imaging excavation work through ruin photography. The Deutsche Orient-Gesellschaft and its archaeological promotion material
12:45 h: Mittagspause im Bistro Dahlienfeld im Polizeipräsidium Bonn (Königswinterer Str. 500
53227 Bonn)

Sektion IV: Zeitgenössische Ruinen fotografieren/Photographier les ruines du présent
13:45 h : Jonathan Tichit: Après les jeux. Enregistrer les vestiges olympiques
14:30 h: Danièle Méaux: Les temporalités plurielles des ruines
15:15 h: Kaffeepause
15:45-16:30 h: Abschlussdiskussion
17:30-18:30 h : Besucherführung Schloss Drachenburg (Drachenfelsstraße 118, 53639 Königswinter) (Anreise mit der Stadtbahn Linie 66; Siegburg-Bonn-Bad Honnef, Haltestellen Königswinter/Clemens-August-Straße oder Königswinter/Fähre, dann weiter mit der Drachenfelsbahn Königswinter)
19:30: Abendessen in Königswinter, Rückfahrt nach Bonn mit der Stadtbahn Linie 66

Sa., 03.10.2026

Möglichkeit zum gemeinsamen Rundgang durch die Bonner Innenstadt
Abreise der Teilnehmenden

Reference:
CONF: Fragmente im Fokus (Bonn, 1-3 Oct 26). In: ArtHist.net, Jun 23, 2026 (accessed Jun 23, 2026), <https://arthist.net/archive/52765>.

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