CFP Jun 18, 2026

90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg (Leipzig, 11-13 Oct 26)

Leipzig, Capa-Haus, Oct 11–13, 2026
Deadline: Jul 30, 2025

Dr. Sylvaine Hänsel

Call for Papers: "90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg. Zum Stand des visuellen Erinnerns",
Studientag der Carl Justi Vereinigung e.V. in Verbindung mit dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Leipzig, Institut für Kunstgeschichte und Capa Haus, 11. bis 13. Oktober 2026.

Der Spanische Bürgerkrieg (1936-39) leitete den Zweiten Weltkrieg ein. Die deutsche Luftwaffe hatte einen entscheidenden Anteil am Sieg der spanischen Putschisten. Sie transportierte Truppen der Aufständischen von Marokko auf das Iberische Festland und sie bombardierte am 26. April 1937 die baskische Kleinstadt Gernika, wo gerade ein öffentlicher Markt stattfand. Dieses Ereignis griff Pablo Picasso in seinem Bild Guernica für den Spanischen Pavillon auf der Weltausstellung 1937 in Paris auf (siehe Gijs van Hensbergen: Guernica. Biographie eines Bildes, München 2007). Außer der Legion Condor kämpften auch viele deutsche Freiwillige in den Internationalen Brigaden, die zunächst die Eroberung Madrids verhindern konnten. Vor allem in der DDR wurde deshalb schon in der Nachkriegszeit an die Kriegsverbrechen erinnert.

Neben den zahlreichen Schriften von Walther L. Bernecker (u.a. Krieg in Spanien 1936-1939, Darmstadt 1991) ist hier auch die Publikation von Wolfgang Asholt u.a. (Hgg.): España en el corazón. Der Spanische Bürgerkrieg. Medien und kulturelles Gedächtnis, Bielefeld 2008 zu nennen.

Erst 1997, zum 60. Jahrestag der Bombardierung, erfolgte eine offizielle Entschuldigung der deutschen Regierung an das baskische Volk durch Bundespräsident Roman Herzog. Seitdem sind die Ereignisse im deutschsprachigen Raum fast in Vergessenheit geraten. In Spanien hingegen hat nach der langen Phase der Demokratisierung, der sogenannten Transición, eine verstärkte Aufarbeitung begonnen. Dies betrifft vor allem alte und neue Erinnerungsorte. Im Zentrum steht dabei die geplante Neufassung des Valle de Cuelgamuros (ehemals Valle de los Caídos). Es existieren aber ebenso andere Erinnerungs-Monumente wie der Spanienkämpfer von Fritz Cremer in Berlin und die Denkmäler für die spanischen Opfer von Mauthausen in Almería und Madrid. Auch im Medium der Graphic Novels hat die Beschäftigung mit der Francozeit und die Suche nach den Gräbern der willkürlich Erschossenen Aufmerksamkeit gefunden. Hier ist vor allem der Zeichner Paco Roca zu nennen.

Leipzig als Tagungsort hat durch sein Capa-Haus in den letzten Jahren an Bedeutung für das Thema gewonnen. Der Fotograf Robert Capa, der hier 1945 sein Foto Last Man to Die schoss, gilt als der bedeutendste Dokumentarist des Spanischen Bürgerkrieges. Seine Lebens- und Arbeitsgefährtin Gerda Taro hat sich in der Messestadt politisiert. Insbesondere durch die Forschungen von Irme Schaber kennen wir inzwischen besser ihren Anteil (Freiheit im Fokus. Gerda Taro und Robert Capa in Leipzig, Leipzig 2024). Taros Tod im Spanischen Bürgerkrieg fand in Paris großen Nachhall, wo sich ihr Grab auf dem Friedhof Père Lachaise in Nachbarschaft vieler Denkmäler für Widerstandskämpfer findet.

Der Spanische Bürgerkrieg besitzt auch 90 Jahre später seine besondere historische Brisanz. In ihm verknüpfen sich deutsche und spanische Kulturgeschichte und unterschiedlichste Erinnerungskulturen - in der BRD und DDR, aber auch im Vergleich zwischen Deutschland und Spanien (siehe Walther L. Bernecker: Spanischer Bürgerkrieg und Vergangenheitsbewältigung. Geschichtspolitik und Erinnerungsansprüche in der Demokratie 1975-2005, in: UTOPIA kreativ, H. 191 (September 2006), S. 779-790. Den aktuellen Wissensstand fasst das aktuelle Buch von Paul Ingendaay zusammen: Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur 1936-1939, München 2026).

Vor diesem Hintergrund möchte der Studientag die Geschichte und Aktualität des Spanischen Bürgerkriegs in Kunst, Fotografie, Denkmalpflege, Gedenkarchitekturen und populären Bildmedien untersuchen. Dabei interessiert insbesondere, wie Fragen von Trauma, Zeugenschaft, Exhumierung, Erinnerung und historischer Verantwortung heute verhandelt werden.

Der Studientag richtet sich insbesondere an Studierende und Nachwuchswissenschaftler der Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften, aber auch an ein generelles Publikum, das politisch und historisch am Thema interessiert ist. Veranstalter ist die Carl Justi Vereinigung e.V. in Verbindung mit dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig.

Beiträge zu allen angesprochenen Themen und Medien sind willkommen. Die Vorträge sollten nicht länger als eine halbe Stunde (mit Diskussion) dauern.

Einseitige Exposés mit einem kurzen Motivationsschreiben sind an die folgenden Adressen zu richten:

scholz-haenseluni-leipzig.de
sylvainehaenselweb.de

Einsendeschluss ist der 30. Juli 2026

Reference:
CFP: 90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg (Leipzig, 11-13 Oct 26). In: ArtHist.net, Jun 18, 2026 (accessed Jun 18, 2026), <https://arthist.net/archive/52756>.

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