Mode als Profession. Die Etablierung akademischer Modeausbildungen im deutschsprachigen Raum von etwa 1910 bis in die 1970er Jahre.
Mode als Profession – unter diesem Titel wird die Etablierung akademischer und berufsschulischer Ausbildungen auf dem Gebiet der Kleidermode im deutschsprachigen Raum von etwa 1910 bis in die 1970er Jahre in den Fokus genommen. Für die Geschichte der Modeausbildung(en) haben vor allem zwei grundlegende Entwicklungen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Relevanz: Zum einen Neuerungstendenzen der sogenannten Kunstgewerbe-Bewegung mit der Gründung entsprechender Lehranstalten, zum anderen die mit dem Erstarken der Frauenbewegung einhergehende „Förderung der weiblichen Erwerbstätigkeit“. Beide Strömungen – die künstlerisch-ästhetischen wie die praktisch-utilen – korrelierten in neuen (Aus-)Bildungs-angeboten auf dem als traditionell spezifisch weiblich konnotierten Feld der Textil- und Bekleidungsgestaltung.
Zu den Professionen der Mode, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunehmende offizielle Anerkennung und zumindest in Teilen auch eine erste akademisch-wissenschaftliche Institutionalisierung erfuhren, zählten verschiedene Lehrbereiche, wie beispielsweise das Entwerfen von Kleidung, Mode und Accessoires, Modezeichnung, Fertigungsprozesse und textile Schmucktechniken, Modephotographie, Modejournalismus sowie andere Fachgebiete. In allen Bereichen waren vor allem Frauen – als Lehrende und als Schülerinnen – tätig, deren Wirken und Viten bis heute nur teilweise bekannt bzw. generell wenig erforscht sind.
Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums wird es um verschiedene Ansätze zur Institutionalisierung entsprechender Lehr- und Ausbildungsgänge im Spannungsfeld von berufsbildenden und Kunst(hoch)schulen gehen. Damit soll Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum Sichtbarkeit verliehen, sollen ihre Leistungen im Bereich der akademischen Modelehre herausgearbeitet und die teilweise institutionsübergreifenden Netzwerke ihrer Protagonist:innen aufgezeigt werden. Neben zentralen Fragestellungen zur Sichtung und Ergänzung des aktuellen Forschungsstands, zur Erschließung der heterogenen Quellenbasis, zur Erstellung historischer Überblicke sowie zur substanziellen Begriffsarbeit sollen u.a. folgende Aspekte Berücksichtigung finden:
- Institutionalisierung – Orte, Formen und Strukturen akademischer und berufsschulischer Modeausbildungen im deutschsprachigen Raum. Wo, wann, in welcher Art und vor allem mit welchen Intentionen wurde mit der hoch- bzw. berufsschulischen Lehre im Bereich Mode begonnen?
- Unterrichtsinhalte – Welche Aufschlüsse erlauben Curricula und didaktische Strukturen?
- Genese – Welche grundlegenden Entwicklungen akademischer und berufsschulischer Modeausbildungen im deutschen Sprachraum sind zwischen etwa 1910 und 1970/80 zu verzeichnen, und welche Rückschlüsse für die Profession Mode lassen sich daraus ziehen?
- Mode als „Frauenfach“? – Welche beruflichen Möglichkeiten haben die Ausbildungen für Frauen erschlossen? Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie zu kämpfen? Welche Rolle spielten die im „Frauenfach“ Mode unterrepräsentierten Männer bzw. queere Personen? Welche exemplarischen Biografien von Leitungspersonen, Lehrenden und Schüler:innen versprechen Aufschlüsse über soziale Hintergründe und Motivationen?
- (Sozial-)Politischer Kontext – Nationalismus vs. Internationalisierung; der Pariser Einfluss – Adaption oder Emanzipation. Welche gesellschaftlichen Bedarfe und politischen Ideen beeinflussten die Institutionalisierung der akademischen und berufsschulischen Modeausbildungen? (Einfluss der Industrie, Wirtschaftsförderung u.a.)
Das wissenschaftliche Symposium wird am 18. und 19. Februar 2027 in der Kunstbibliothek Berlin stattfinden und dient der interdisziplinären Vernetzung von Forschungsinteressen, dem Austausch erster Erkenntnisse zum Untersuchungsgegenstand und der Erarbeitung weiterführender Thesen, um Perspektiven für die Erforschung der Anfänge akademischer und berufsschulischer Modeausbildungen im deutschsprachigen Raum aufzuzeigen. Damit soll einem Thema Sichtbarkeit verliehen werden, das konstitutiv für das Fachgebiet „Mode – Kleidung – Textil“ ist, bislang aber wenig erforscht wurde. Die Publikation eines Tagungsbandes wird angestrebt.
Einreichungen:
Geplant sind Vorträge von 20 Minuten Länge.
Wir bitten um Einreichungen bestehend aus einer Projektbeschreibung (ca. 300 Wörter) und biografischen Angaben (ca. 150 Wörter) bis zum 31. August 2026 an modeausbildungensmb.spk-berlin.de
Bei Bedarf kann ein formloser Antrag auf eine Reisekostenbezuschussung mit einer ungefähren Berechnungsgröße eingereicht werden.
Kontakt:
Für Rückfragen stehen Dr. Britta Bommert (b.bommertsmb.spk-berlin.de), Prof. Dr. Birgit Haase (birgit.haasehaw-hamburg.de) und Prof. Katharina Tietze (katharina.tietzezhdk.ch) zur Verfügung.
Reference:
CFP: Mode als Profession (Berlin, 18-19 Feb 27). In: ArtHist.net, Jun 15, 2026 (accessed Jun 15, 2026), <https://arthist.net/archive/52728>.