Machtfragen. Machtkritik als Methode, Aufgabe und Herausforderung der Italienforschung.
IV. Treffen des Netzwerks Italienforschung.
Macht und Kritik
Kunst hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zur Macht: sie stützte, nutzte und konterkarierte sie, litt unter ihr, suchte ihre Nähe, wahrte Distanz oder strebte nach ihrer Überwindung. Auch die Kunstwissenschaft ist nicht ohne ihre ambivalente Beziehung zur Macht zu denken. Der kritische oder eben affirmative Umgang mit Macht prägt und prägte Leben, Identitäten sowie Denk- und Ausdrucksweisen von Künstler:innen wie Forschenden. Macht – hier vor allem als Mittel zur Durchsetzung und Sicherung von Herrschaft und Ausbeutung begriffen – braucht Erzählungen, Konstruktionen und Mechanismen der Begünstigung und Benachteiligung. Manches hiervon hat eine lange Tradition, manches ist vergleichsweise neu. Letzteres gilt auch für die Machtkritik in Kunst und Kunstwissenschaften.
Beide Aspekte – Macht und Machtkritik – stehen beim diesjährigen Arbeitstreffen des Netzwerks Italienforschung epochen- und medienübergreifend im Fokus. Ziel ist es, bereits vorhandene machtkritische Perspektiven mit Blick auf Identitätsnarrative und Rassismen, sozioökonomische Fragen, Mensch-Natur-Beziehungen und Geschlechterkonstrukte zur vormodernen und modernen Bild- und Baukunst in Italien in Beziehung zu setzen und zu diskutieren – auch im Rekurs auf frühere Ansätze einer machtkritischen Italienforschung.
Machtfragen: IV. Treffen des Netzwerk Italienforschung
Das Netzwerktreffen in Bamberg wird in vier aufeinander folgenden Sektionen vier Themenfelder untersuchen:
(1) ‘Italianità’ – Identitäten, Rassismen und (post-)koloniales Erbe
(2) Klassen – soziale Schichtungen, Grenzen und Übergänge
(3) Ökologien – Natur und Mensch
(4) Gender – Geschlechter und Rollen
Die Sektionen eröffnen jeweils drei kurze Beiträge (als Aperitivi, je 8–10 min), die sich einem Überblick zu Forschungsansätzen und Forschungsstand, Überlegungen zu Desiderata sowie Beispielen aus eigenen Forschungsprojekten und möglichen Quellenbeständen widmen können. Anschließend wird das Sektionsthema in parallelen Arbeitsgruppen debattiert. Deren Ergebnisse fließen ins Plenum zurück und werden für die Schlussdiskussion gesammelt. Dort reflektieren wir Probleme und Aufgaben hinsichtlich Forschung, Forschungsbedingungen und gesellschaftlichen Engagements. Eine Postersektion verknüpft die Diskussionen mit konkreten Beispielen aus der aktuellen Forschung.
Mit unserer Programmgestaltung möchten wir jenseits des üblichen Tagungsformats neue Formen des wissenschaftlichen Austauschs erproben und mehr Partizipation ermöglichen. Statt auf stark fokussierte Vorträge zu Spezialthemen setzen wir auf kurze Beiträge zu übergreifenden Fragestellungen. Statt individuellen Fragen an die Vortragenden wird es gemeinsame Diskussionen in Arbeitsgruppen und im Plenum geben. Statt exklusiven Restaurantbesuchen organisieren wir kommunikative Büffets.
Im Rahmen des Netzwerktreffens finden außerdem ein Abendvortrag (Vera-Simone Schulz, Lüneburg/Florenz) sowie Ortstermine zu italienischer Kunst in Bamberger Museen und Kirchen statt.
Call for Papers, Posters, and Participation
Wir laden Kunstwissenschaftler:innen aller Karrierestufen zu Bewerbungen ein. Ein individueller Schwerpunkt in der Italienforschung ist keine Voraussetzung. Möglich sind:
a) ein Beitrag zu einem der vier Sektionsthemen
- als Überblick und Reflexion bestehender Forschungsansätze und des
Forschungsstands und/oder
- mit Überlegungen zu bisherigen Leerstellen und/oder
- mit Beispielen aus eigenen Forschungsprojekten und/oder
- zu noch zu erschließenden Quellen
(Exposé mit max. 200 Wörtern + kurzes Motivationsschreiben mit max. 200 Wörtern)
b) ein Poster mit Bezug zu einem eigenen Forschungsprojekt oder -interesse (Exposé mit max. 200 Wörtern + kurzes Motivationsschreiben mit max. 200 Wörtern)
c) aktive Teilnahme (kurzes Motivationsschreiben mit max. 200 Wörtern)
Wir übernehmen jeweils zwei Hotelübernachtungen für die Beiträger:innen und insgesamt acht Teilnehmer:innen mit oder ohne Poster. Eine vollständige oder partielle Erstattung der Fahrtkosten erfolgt vorbehaltlich einer positiven Fördermittelzusage.
Bitte schicken Sie Ihre Bewerbungen bis 15. Juli 2026 an
marie-luise.kosanuni-bamberg.de,
giuseppe.peterliniuni-bamberg.de oder
andreas.huthuni-bamberg.de
Quellennachweis:
CFP: Machtfragen (Bamberg, 12-14 Nov 26). In: ArtHist.net, 14.06.2026. Letzter Zugriff 14.06.2026. <https://arthist.net/archive/52702>.