5. Jahrestagung des Forschungsnetzwerks „Pioniere der Designausbildung – neue Perspektiven auf die deutschen Kunstgewerbeschulen vor dem Bauhaus“.
„Durch eigene Tätigkeit gewonnene Einsicht“. Über Werkstätten an Kunstgewerbeschulen
LAB am Design Campus des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Die Anfänge der Verknüpfung von praktischer und theoretischer Designausbildung werden zumeist mit dem Staatlichen Bauhaus in Verbindung gebracht. Die Arbeit der Bauhaus-Werkstätten sowie ihrer Form- und Werkmeister ist dementsprechend gut dokumentiert und publiziert.
Der preußische Lehrwerkstättenerlass aus dem Jahr 1904 ordnete allerdings schon 15 Jahre vor der Gründung des Bauhauses die Einrichtung und den Ausbau von Lehrwerkstätten in Kunstgewerbeschulen an, um dort den Umgang mit Material, Technik und Konstruktion vermitteln zu können. In Fachschulen wie Webeschulen (z.B. in Krefeld und Cottbus) oder der Zeichenakademie in Hanau wurden sogar bereits in den 1870er Jahren praktische Kurse angeboten. Nicht zuletzt aufgrund der Veränderungen im handwerklichen Ausbildungswesen – insbesondere durch den Bedeutungsverlust der Innungen und Zünfte – stieg die Relevanz von Lehrwerkstätten an Kunstgewerbeschulen. Fehlende handwerkliche Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler sollten durch den Werkstattunterricht ausgeglichen werden, um dem Reformziel einer Qualitätssteigerung des Kunstgewerbes nachzukommen.
Die Entwicklung des Werkstattunterrichts an Kunstgewerbeschulen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ist weitgehend ein Forschungsdesiderat. Im Fokus der 5. Jahrestagung des Forschungsnetzwerks „Pioniere der Designausbildung – neue Perspektiven auf die deutschen Kunstgewerbeschulen vor dem Bauhaus“ soll deshalb die praktische Ausbildung in den Schulwerkstätten stehen. Das Spektrum der Werkstätten konnte sich von Gipsformereien über Druckereien bis zu jeder Art kunsthandwerklicher Werkstatt erstrecken. Mitunter waren diese auch Produktionswerkstätten, wenn Handelswaren für den Eigenvertrieb oder nach Auftrag gefertigt werden sollten.
Das Forschungsnetzwerk lädt interessierte Forschende dazu ein, für die Tagung bis zum 25. Juni Abstracts für einen zwanzigminütigen Vortrag einzureichen. Sowohl themenübergreifende Beiträge als auch Fallstudien, z.B. zu konkreten Fachklassen wie Emaillieren oder Möbelbau sind von Interesse. Einige mögliche Sujets sind:
- Ausstattung von Werkstätten und ihre Einbindung in die Räumlichkeiten und Curricula der Kunstgewerbeschulen, externe Werkstätten
- Auswirkungen des Lehrwerkstättenerlasses
- Produktionswerkstätten an Kunstgewerbeschulen, Handelswege, Rentabilität und Produktpaletten
- Förderung der Werkstätten durch Politik und lokale Wirtschaft
- Beispiele von Objekten aus Werkstattfertigung in heutigen Museums- oder Lehrmittelsammlungen
- Werkstätten als Orte traditioneller und innovativer Fertigung
- Internationale Vergleichsbeispiele (z.B. Österreich, Frankreich)
Die Vorträge werden am 9. Oktober in Präsenz im Kunstgewerbemuseum in Dresden gehalten. Die Tagung ist eingebettet in das Jubiläumsprogramm zum 150. Geburtstag des Kunstgewerbemuseums an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Bitte senden Sie Ihre Abstracts (max. 300 Wörter) für einen zwanzigminütigen Vortrag und einen Kurz-CV bis zum 25.6.2026 an laugkunstgewerbe-schulen.de und kunstgewerbeschulenskd.museum.
Die Rückmeldung erfolgt Anfang Juli. Fahrt- und Übernachtungskosten innerhalb Deutschlands können in Ausnahmefällen übernommen werden.
Quellennachweis:
CFP: Werkstätten an Kunstgewerbeschulen (Dresden, 9 Oct 26). In: ArtHist.net, 25.05.2026. Letzter Zugriff 26.05.2026. <https://arthist.net/archive/52558>.