Das Verschwinden der Architekten.
Architektonische Praxis innerhalb prekärer Entwurfsverhältnisse
Tagung vom 03.–04.07.2014 am Arbeitsbereich für Baugeschichte und Denkmalpflege der Universität Innsbruck
Mit dem Übergang vom Analogen zum Digitalen in der Praxis architektonischen Entwerfens, wie er seit den 1990er Jahren zu beobachten ist, scheint über die Veränderung der Werkzeuge hinaus auch das methodische Repertoire des Entwerfens und mit ihm die Funktion der Zeichnung einem tiefgreifenden Wandel unterzogen.
Gelang mit der von Leon Battista Alberti in „De re aedificatoria“ eingeforderten Kodifizierung des architektonischen Plansatzes in Grundriss und Aufriss die vollständige Kontrolle des architektonischen Entwurfs innerhalb eines geometrischen Operationsfeldes (Evans, Carpo), so scheinen angesichts der Möglichkeiten digitaler Modellierung und der aktuellen Erfolge in der Verquickung von computer-aided design und computer-aided manufacturing derartige Plansätze bzw. die Architekturzeichnung überhaupt entbehrlich. Pläne und Zeichnungen sind hierbei sowohl als Medium der Übertragung des Entwurfs in die gebaute Realität als auch in ihrer Rolle als entwurfsgenerierendes Element obsolet. Der Prozess der Formfindung verlagert sich. Erlaubte die Zeichnung noch, Entwurfsschritte durch Anschauung zu überprüfen, weiter zu entwickeln oder zu verwerfen, war sie somit konstituierend für die Idee vom Autor, für die Idee vom Architekten/der Architektin als autonome Schöpfer von Entwürfen, so erweisen sich algorithmische, regelbasierte oder selbstgenerative Produktionsverfahren, wie sie immer mehr angewandt werden, als gleichgültig gegenüber dem Konzept der Autorenschaft. Währenddessen zeigen sich innerhalb dieser Verschiebungen die Entwicklung und das Experimentieren mit digital generierenden Entwurfspraktiken als überaus vital. Bleibt zu fragen, inwieweit in der Lösung von Autor, Repräsentation und Architektur die gewohnten Konfliktfelder, wie sie im Austarieren von Entwurf, Wirklichkeits- sowie Sinnkonstruktion und vermittelnder Zeichnung zutage traten, überhaupt noch relevant sind.
Hier möchte die Tagung ansetzen. Im Rückgriff auf historische Objektivierungs-, Formalisierung- und Systematisierungsstrategien des architektonischen Entwerfens soll die aktuelle Diskussion mit Perspektiven vordigitaler Theorie und Praxis ergänzt werden.
Folgende weiterführende Fragestellungen mögen der Anregung dienen:
• Was bedeutet die Suspendierung von Autorschaft im Entwurf für die Architektur konkret? Inwiefern können die Verlagerungen der schöpferischen Initiative weg vom Subjekt, hinein in die Ebene der Objekte, auch als Verlusterfahrung begriffen werden?
• Inwieweit kann oder müsste innerhalb momentan stattfindender Bemühungen um Objektivierung, Formalisierung und Automatisierung der Entwurfsvorgänge, das Verhältnis einer so abstrakten, unanschaulichen und prozessorientierten Praxis der Architekturproduktion zu deren formalem Erscheinen neu verhandelt werden?
• Handelt es sich bei gegenwärtigen Entwurfspraktiken tatsächlich um etwas originär Neues oder finden sich bereits im Vordigitalen vergleichbare Objektivierungs- und Systematisierungsstrategien?
Zum Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit
– im Rahmen von Verwissenschaftlichungstendenzen der Architekturproduktion
– im Aufgehen entwerfender Subjekte in kollektiven Arbeitsprozessen
oder aus der Architekturgeschichte
– in regelästhetischen Programmierungen von Entwürfen, respektive der Architektur als formales Spiel innerhalb geometrischer oder arithmetischer Regelsätze
• Was könnte der Nutzen solcher historischer Perspektiven für das Verständnis aktueller Entwicklungen sein? Bzw. welche neuen Fragestellungen ergäben sich umgekehrt mit der Suspendierung von Repräsentation und Autorschaft für die Disziplin Architekturgeschichte.
Bitte senden Sie Ihr Abstract (300–500 Wörter) für einen Vortrag (20 Minuten) sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 22.03.2014 an ekkehard.drachuibk.ac.at
Die Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten wird angestrebt. Im Anschluss an die Tagung ist eine Buchpublikation zum Thema vorgesehen.
Für die eingehenden Vorschläge bedanken wir uns im Voraus. Bei Fragen steht gerne zur Verfügung:
Dipl.-Ing. Dr. Ekkehard Drach
Baugeschichte und Denkmalpflege
Technikerstr. 21
A–6020 Innsbruck
Tel.: 0043(0)512/507–64015
Mobil: 0043(0)699 10758913
Email: Ekkehard.Drachuibk.ac.at
Quellennachweis:
CFP: Das Verschwinden der Architekten (Innsbruck, 3-4 Jul 14). In: ArtHist.net, 05.02.2014. Letzter Zugriff 10.10.2026. <https://arthist.net/archive/6921>.