Im Rahmen bleiben. Glasmalerei in der Architektur des 13. Jahrhunderts
II. Internationales Paul-Frankl-Kolloquium des Instituts für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Corpus Vitrearum Medii Aevi in Potsdam der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Glasmalerei und Architektur des 13. Jahrhunderts gehören zu den zentralen Themen der Kunstgeschichte, es handelt sich um klassische Gegenstände der Forschung. Und doch ist eine andauernde Trennung bei der Analyse der Gattungen Architektur und Glasmalerei, die mit der Änderung des Materials im Verlauf der Wand einsetzt, zu beobachten. Das Fenster in Form und Gefüge zählt zur Architektur, seine Verglasung nicht. Selbst das seit 1211 in Reims entstehende Maßwerk, dessen Glas einrahmende Funktion auf der Hand liegt, veranlasst selten zur Integration der Glasmalerei in die Gesamtschau. Die Schnittstelle zwischen Werkstein und Verglasung gilt mehr als trennend denn als verbindend – eine Auffassung, die der mittelalterlichen Baupraxis diametral gegenüberstehen muss. Im Baubetrieb sucht der ausführende Handwerker an der Schnittstelle den Anschluss zum anderen Material, er bereitet dessen Aufnahme, den Materialkontakt, vor, er verbindet den eigenen Entwurf in das gattungsübergreifende Bild- und Ausstattungsprogramm.
Das II. Internationale Paul-Frankl-Kolloquium fragt erstmals direkt nach dem noch ungenügend geklärten Verhältnis von Bauhütte und Glasmalereiwerkstatt in Mitteleuropa im 13. Jahrhundert. Welche Wechselbeziehung besteht zwischen der baulichen Fertigstellung und der Verglasung eines Raumes und dem Weihedatum? Ist eine provisorische Verglasung geweihter Räume überhaupt denkbar? Welche Rücksichten nimmt der Aufbau des die Fenster umgebenden Mauerwerks auf die Verglasung? Gibt es Änderungen in der Versatztechnik in Hinblick auf die Verglasung? Finden sich im Medium der mittelalterlichen Plan- und Musterzeichnung Hinweise auf die Berücksichtigung von Glasmalereien? An welcher Stelle im Bauverlauf ist der Versatz von Glasmalerei zu verorten? Wie werden Entwurf und Ausführung von Maßwerk und einzusetzender Glasmalerei aufeinander abgestimmt? Reagiert Architektur und Architekturfassung auf ein zusammengehöriges Glasmalerei-Bildprogramm in mehreren Fenstern, enthalten zwischenliegende Wandabschnitte eine Art der Kommunikation mit den Glasmalereien? Korrelieren vielteilige Bildprogramme, so etwa im ‚band-window‘, mit zwischenliegenden Wandabschnitten sowohl hinsichtlich der Wandfassung als auch des bautechnisch-architektonischen Aufbaus? Gibt es überhaupt bauliche Rücksichtnahmen auf die Glasmalerei über die Wiedereinsetzung älterer Fenster in einen Neubau hinaus?
Das Internationale Kolloquium sucht ausdrücklich den interdisziplinären Austausch, insbesondere der Kunsthistoriker, Liturgiewissenschaftler, Bauforscher und Restauratoren über die nationalen Grenzen hinaus und bietet insbesondere jüngeren Forschern für ihre aktuellen Forschungsarbeiten ein breites Forum. Zu nachfolgenden Schwerpunktthemen freuen wir uns über die Zusendung von eigenen Forschungsbeiträgen:
- Architektonischer Rahmen versus Bildprogramm
- Die Akteure: Bauhütte und Glasmalereiwerkstatt
- Versatztechniken - Planzeichnung – Verglasung
- Zur Farbigkeit von Glasmalerei und Fensterrahmen
- Einwölbung und vollständige Verglasung als Voraussetzung für die Weihe
- Disposition und Narration
Senden Sie bitte eine Kurzbeschreibung Ihres Beitrags auf maximal einer DIN A4-Seite bis zum 28. Februar 2014 an:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas
Prof. Dr. Leonhard Helten
Hoher Weg 4
D – 06120 Halle
oder auf elektronischem Weg im pdf Format an:
leonhard.heltenkunstgesch.uni-halle.de
Quellennachweis:
CFP: Glasmalerei in der Architektur des 13. Jahrhunderts (Halle, 23-24 Oct 14). In: ArtHist.net, 05.02.2014. Letzter Zugriff 12.02.2026. <https://arthist.net/archive/6914>.