Das Kunigundenretabel aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren in
der St. Katharinenkirche, Zwickau
Das 1518 in der St. Marienkirche zu Zwickau (sog. Dom) errichtete, im
Zuge der Reformation 1530 abgeräumte und ins verwaiste
Franziskanerkloster umgesetzte, aber bereits vier Jahre später in der
lutherischen St. Katharinenkirche als Hauptaltarretabel wiederrichtete
monumentale Bildwerk aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren gibt
der Forschung bis heute zahlreiche Rätsel auf. So sind beispielsweise
die konkreten Umstände der Entstehung, der ursprünglichen Aufstellung
und der mehrmaligen Translozierungen (und der mutmaßlich damit
zusammenhängenden Veränderungen des Aufbaus) ungeklärt. Fraglich
scheint auch, ob alle Bestandteile des heutigen Retabels aus der
Cranach-Werkstatt stammen (insbesondere die Predella scheint in dieser
Hinsicht zweifelhaft). Jüngste technologische Untersuchungen haben die
offenen Fragen noch gemehrt: Digitale Infrarot-Reflektografien des
lünettenförmigen Auszugs zeigen Unterzeichnungen, deren Sujet und
Stellung im Werkprozess interpretationsbedürfig sind. Und auch der
sichtbare ikonografische Bestand des Bildwerkes hat es in sich: Das
Thema der Zentraltafel, die Fußwaschung Christi, findet sich sowohl in
alt- wie auch in neu-gläubiger Kontextualisierung selten dargestellt.
Dieser Umstand wirft einerseits Fragen nach der vorreformatorischen
Auftraggeberschaft (die Zwickauer Kalandbruderschaft) und andererseits
nach der spezifischen Um- und Weiternutzung des Retabels durch die
lutherische Pfarrgemeinde auf.
Eine von Prof. Dr. Thomas Pöpper (Professur für Kunst- und
Designgeschichte der Westsächsischen Hochschule Zwickau / Fakultät
Angewandte Kunst Schneeberg) und PD Dr. Susanne Wegmann (Universität
Halle-Wittenberg) in Kooperation mit der ev.-luth. St.
Katharinen-Kirchgemeinde organisierte interdisziplinäre Tagung
versucht die offenen Fragen mit Antworten zu versehen. Hierzu werden
Kunsthistoriker, Restaurierungs- und Geschichtswissenschaftler,
Denkmalpfleger und Kirchenhistoriker an einem ‚runden Tisch‘ die
älteren und jüngeren Thesen sowie die neuen Erkenntnisse erörtern.
Folgende Impulsreferate sind u.a. vorgesehen:
Datum: 1. November 2013
Programm:
10.00 bis 12.00 Uhr, Ortstermin in St. Katharinen
Prof. Dr. Th. Pöpper (Zwickau/Schneeberg), PD Dr. Susanne Wegmann
(Halle/S.): Einführung
13.30 Uhr, WHZ, Aula, Peter-Breuer-Str.
Prof. Dr. Th. Pöpper: Zur Quellenlage
Dipl.-Rest. J. Großmann (Dresden): Zum Befund
Dr. E. A. Werner (Berlin): Zur Cranachwerkstatt um 1518
Prof. Dr. G. Heydenreich (Köln): Zu den IR-Reflektografien und den
Veränderungen am ikonografischen Programm
Prof. Dr. I. Sandner (Dresden): Zum Versuch einer Händesscheidung
S. Kimmig-Völkner, MA (Dresden): Zu den Veränderungen des Retabels im
16. Jahrhundert
PD Dr. S. Wegmann: Zur theologischen Umnutzung in St. Katharinen
Als Diskutanten nehmen u.a. teil: M. Böhlitz, MA (Dresden); D. Görres,
MA (Düsseldorf); Dr. J. Kahleyß (Bremen); Dipl.-Rest. Ch. Kelm
(Dresden); Dr. Dipl.-Rest. A. Kiesewetter (Dresden); Dr.-Ing. M. Kühn
(Zwickau); Prof. Dr. Dr. h.c. H. Magirius (Radebeul); N. Oelsner
(Dresden); Dr.-Ing. G. Püschmann (Chemnitz); Moderation: PD Dr. S.
Wegmann und Prof. Dr. Th. Pöpper
17.00 Uhr
Ende der Veranstaltung
Die Veranstaltung ist öffentlich und die Teilnahme kostenlos. Alle
Interessierten sind herzlich eingeladen, sich an den Diskussionen zu
beteiligen. Aus Platzgründen ist eine rechtzeitige Anmeldung (per
E-Mail oder Telefon) unbedingt erforderlich.
Eine Publikation der Ergebnisse (mit fotografischer
Befunddokumentation des Retabels) ist geplant.
Kontakt und Anmeldung:
Prof. Dr. Thomas Pöpper
Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg
Westsächsische Hochschule Zwickau
Goethestr. 1, 08289 Schneeberg
Tel.: 03772 / 3507-0 (Sekretariat)
Internet: www.fh-zwickau.de/aks
E-Mail: thomas.poepperfh-zwickau.de
Quellennachweis:
CONF: Die Kunigundenretabel der Cranach-Werkstatt (Zwickau, 1 Nov 13). In: ArtHist.net, 10.10.2013. Letzter Zugriff 04.04.2026. <https://arthist.net/archive/6125>.