Im christlichen Mittelalter ist die Vorstellung der Gemeinschaft von
Lebenden und Toten in Liturgie, Recht und Frömmigkeit fest verankert.
Der Tod bedeutet daher nicht die Auslöschung der Person, sondern
verändert allein ihren Status innerhalb der fortbestehenden
Gemeinschaft. Die liturgischen Totenriten und die aufwendige
Ausgestaltung von Begräbniszeremonien insbesondere im Spätmittelalter
zeigen an, daß dieser Übertritt des Lebenden zu den Toten ein Moment
war, das nach Darstellung und Deutung, nach Versicherung und
Bestätigung, nach Verstetigung und Repräsentation verlangte. In
besonderer Weise gilt dies für das Begräbnis weltlicher und geistlicher
Herrscher, sowohl hinsichtlich des personellen wie des künstlerischen
Aufwands.
Die Tagung faßt mittelalterliche Begräbnisrituale als performative Akte
und visuelle Zeichenhandlungen auf. Sie fokussiert den Einsatz
verschiedener ephemerer Medien und die Nutzung von Orten.
Begräbniszeremonien werden als Medien und Strategien der Bewältigung des
Umbruchs interpretiert, die der Tod einer Person, insbesondere eines
Herrschers, bedeutet. Denn von dem Tod einer Person sind auch die Rollen
und der Status anderer im sozialen Gefüge betroffen und müssen neu
bestimmt werden - die Gattin wird Witwe, der Sohn Familienoberhaupt,
Erbschaften schaffen neue Besitz- und Statusverhältnisse. Der Tod eines
Amtsträgers bedeutet einen Bruch in der Kontinuität des Amts und der
Institution. Eine Frage ist daher, wie im Begräbnisritual dieser
Übergang von Rang und Amt, von Rechten und Pflichten einer Person auf
andere vorbereitet und ausgestaltet wird. Wodurch wird der Verstorbene
bzw. sein Amt in dieser Zwischenphase, Vakanz oder Interregnum,
repräsentiert? Wie wird die fortbestehende Gemeinschaft der Person mit
Lebenden und Toten thematisiert? In welchen Formen wird des Verstorbenen
gedacht? Das Interesse gilt der Rekonstruktion der multimedialen,
künstlerischen Inszenierung der Begräbniszeremonie als symbolische
Bewältigung des Übergangs, von Abschied und Ende, Kontinuität und
Neubeginn.
Programm
Freitag, 5. Juli 2013
10.00
Susanne Wittekind/ Stefanie Seeberg
Begrüßung
10.15
Michael Chronz/Bonn
Die Totengottesdienste in der byzantinischen Tradition - ein Überblick
11.00
Claudia Sode/Köln
Der tote Kaiser in seinem Palast: Staatliches Begräbniszeremoniell in
Byzanz
- 11.45 Pause -
12.15
Ariane Koller/Bern
Die letzte Feier der Monarchia Universalis. Abdankung, Tod und Begräbnis
Kaiser Karls V.
- 13.00 Pause -
14.00
Klaus Gereon Beuckers/Kiel
Herrschaftsmanifestation und urbane Sakraltopographie. Zu den
Totenaufbahrungen von Herrschern und Geistlichen im 10. und 11.
Jahrhundert
14.45
Ludwig Vones/Köln
Der tote Papst: Verspottet - Verleumdet - Vernichtet - Verehrt
- 15.30 Pause -
16.00
Peter Orth/Köln
Der Tod des Fürsten: Klagen, Nachrufe, Epitaphien
16.45
Ursula Gießmann/Köln
Ja, mach nur einen Plan ... - Begräbnisvorsorge und Umsetzung am
Beispiel von Amadeus VIII. von Savoyen (1383-1451)
- 17.30 Pause -
18.00
Lee Bierbaum/Köln
"Am Sonntag kam ich dorthin mit großer Not. Am nächsten Donnerstag
darauf war ich tot." Umstände und Inszenierung des Begräbnisses von Sten
Sture d. Ä. in der Stockholmer Storkyrkan
18.45
Joachim Oepen/Köln
Liturgisches Totengedenken im Spätmittelalter
Samstag, 6. Juli 2013
9.00
Kristin Böse/Köln
Jenseits des Fremden - Textilien aus den kastilischen Königsgräbern in
S. María de las Huelgas/Burgos
9.45
Vera Henkelmann/Aachen
Zur Rolle der Lichter beim mittelalterlichen Begräbniszeremoniell
- 10.30 Pause -
11.00
Therese Bruggisser-Lanker/Zürich
Mit Engelsmusik in den Tod - die Bedeutung der Musik in den
Sterberitualen
11.45
Kristin Marek/Karlsruhe
Form versus Inhalt. Verlebendigung im Begräbniszeremoniell des 14.
Jahrhunderts
- 12.30 Pause -
13.30
Susan Marti/Bern
Totenfahnen - auf den Spuren einer fragilen Objektgruppe
14.15
Anna Pawlik/Nürnberg
Totengedenken und Bildschmuck. Die spätmittelalterlichen Totenschilde
des Germanischen Nationalmuseums
- 15.00 Pause -
15.15
Stefanie Seeberg/Köln - Madrid
Scheinsärge mit textilem Bildschmuck als Erinnerungsmedium - Ein
Katafalktuch für die Mitglieder der Beata Stirps der hl. Elisabeth von
Thüringen aus dem 13. Jahrhundert
16.00
Schluß
Quellennachweis:
CONF: Begräbniszeremoniell im Mittelalter (Köln, 5-6 Jul 13). In: ArtHist.net, 24.05.2013. Letzter Zugriff 09.06.2026. <https://arthist.net/archive/5441>.