CFP Apr 29, 2021

kritische berichte, 2.2022: Soziale Fragen heute

Deadline: May 30, 2021

Léa Kuhn

kritische berichte, Heft 2, 2022: Soziale Fragen heute

1947 konstatierte Max Raphael in einem Brief, er mute "Kunsthistorikern etwas viel zu", indem er abgesehen von der Analyse eines Kunstwerks als "einmalige[r] Leistung" auch verlange, "daß man jedes Werk in Zusammenhang bringt mit allen historischen Bedingungen und dies nicht bloß als Fakten, sondern als Methoden" ‒ was ihm selbst noch nicht vollumfänglich gelungen sei, wie er selbstkritisch hinzufügt. [Max Raphael, Brief vom 27. Juli 1947] Die Relationen, die künstlerische Objekte zu ihrem Entstehungskontext unterhalten, ihre (teilweise von ihnen selbst negierte) Einbindung in die sie umgebenden und bedingenden gesellschaftlichen Verhältnisse, kann auch heute noch als zentrales Problem sozialgeschichtlicher Ansätze oder, allgemeiner gesprochen, jeder Kunstgeschichte, die sich als historische Wissenschaft versteht, gelten.

Soziale Fragen wurden in der Kunstgeschichte als Fragen der Repräsentation, Motivgeschichte und Ikonographie verstanden und in marxistischer Kunstgeschichte, new art history oder social art history mit ideologiekritischen und sozialgeschichtlichen Ansätzen verfolgt, die das Verhältnis von Gesellschaft und Künsten auf unterschiedliche Weise definieren. Ein großer Schwerpunkt der Forschung lag auf der Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, weil die sozialen Fragen in den Künsten mit den historisch verschiedenartig bestimmten sozialen Fragen in Politik, Arbeiter:innenbewegung und Sozialwissenschaften korrelierten.

Dieses Heft der kritischen berichte geht von der Annahme aus, dass soziale Fragen in den Künsten auch ohne explizit soziale Sujets verhandelt werden können, und fragt, wie sie in der gegenwärtigen Kunstgeschichte ‒ vielleicht mit neuer Dringlichkeit ‒ zu untersuchen sind. Dazu möchten wir vielfältige, gerne kontroverse aktuelle und historische methodologische Auseinandersetzungen mit sozialgeschichtlichen Ansätzen der Kunstgeschichte diskutieren. Was sind die sozialen Fragen, denen sich eine engagierte Kunstwissenschaft heute stellen muss? Welcher analytischen Mittel und methodischen Zugriffe bedarf es, um diesen Fragen adäquat zu begegnen? Und in welchem Verhältnis stehen sie zu etablierten Vorgehensweisen, soziale Fragen in der Kunstgeschichte zu untersuchen?

Die Beiträge sollen auf einem von der RUB Bochum und der LMU München gemeinsam veranstalteten Online-Workshop am 30. September 2021 vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Anschließend sind zwei Monate Zeit, um das Diskutierte in den eigenen Beitrag einzubeziehen; die Einreichung der finalen Textfassungen ist für Ende November 2021 geplant. Bitte schicken Sie ein Exposé von höchstens einer Seite Länge und einen knappen Lebenslauf mit relevanten Publikationen bis zum 30. Mai 2021 per E-Mail an lea.kuhnlmu.de und kathrin.rottmannrub.de, die das Heft herausgeben. Die Rückmeldung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 4. Juni 2021.

Reference:
CFP: kritische berichte, 2.2022: Soziale Fragen heute. In: ArtHist.net, Apr 29, 2021 (accessed May 12, 2021), <https://arthist.net/archive/33991>.

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