un|planbar 4
Ort und Gegen-Ort. Ein Zuhause in der Moderne
Tagung des architekturhistorischen Projekts L des
Sonderforschungsbereichs 804 "Transzendenz und Gemeinsinn"
an der Technischen Universität Dresden
13. – 14. Juni 2013
Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden,
Bergstraße 64, 01069 Dresden, Raum HSZ E 01, EG
Spätestens als das gewerkschaftseigene Wohnungsbauunternehmen "Neue
Heimat" 1982 in eine existentielle Krise geriet, war die Epoche der
Großsiedlungen in Deutschland beendet. Der Neubau von
Trabantensiedlungen mit Wohnhochhäusern, mit denen sich die
Architektur der 1960er und 70er Jahre deutlich von der zuvor
betriebenen Siedlungsbauweise im Heimatstil unterschied - ohne dessen
Anspruch auf Schaffung einer "Heimat" aufzugeben - wurde eingestellt.
Schon seit den 1920er Jahren hatten heimatbindende Konzepte und
Ideologien die progressive Moderne begleitet und dabei ihren
technokratischen Optimismus und Drang zur Mobilität zuweilen
konterkariert. Entweder fand sich der Begriff "Heimat" in
Bekenntnissen zu Funktionstrennung, Urbanität oder Großstadt, oder er
war Teil von Gegenkonzepten dazu. Vor dem Hintergrund eines offenbar
allseitigen Einverständnisses über eine existentielle Notwendigkeit
von "Heimat", griffen Architekten nicht nur auf formale Bezüge von
Tradition und Ort zurück, sondern boten auch die Teilhabe an einer als
wohltätig verstandenen technischen Entwicklung an.
Eine transzendierende Verwendung von heimatbindenden Konzepten in Wort
und Entwurf lässt sich damit im Verlauf des 20. Jahrhunderts an
zahlreichen Beispielen vermuten: Ostflüchtlingssiedlungen,
Kirchenneubauten, Massenwohnungsbau in der BRD und in Ländern des
ehemaligen Ostblocks. Auch versprechen die unterschiedlichen
Wiederaufbaukonzepte in der ehemaligen DDR, z. B. in Neubrandenburg,
Potsdam und Dresden, Aussicht auf neue Interpretationen von Heimat.
Für diese Tagung interessiert deshalb, welche Planungen als Antwort
auf Heimatlosigkeit entwickelt wurden. Treten unterschiedliche
Konzepte von Heimat in Konkurrenz zueinander? Für welche Gruppen und
für welche Bedürfnisse wurde Unbehaustheit konstatiert und Obdach
angeboten?
Tagungsprogramm
Donnerstag, 13. Juni 2012, Abendvortrag
(TU-Dresden, Andreas-Schubert-Bau, Zellescher Weg 19, Raum 120)
18:30
Hans-Georg Lippert (Dresden): Zuhause in der Kontingenz.
"Heimat" als Thema der Architekturmoderne
Freitag, 14. Juni 2012
(TU-Dresden, Hörsaalzentrum, Bergstraße 64, Raum E 01, EG)
Konstruktion von Heimat
09:00
Begrüßung und Einführung in die Tagung
09:15
Jan Lubitz (Stuttgart): Die Sehnsucht nach regionaler Identität
– Hamburger Architektur im frühen 20. Jh.
09.55
Carmen Maria Enns (München): Die städtische Wiederaufbauorganisation
in München als heimatstiftendes Stadtumbauprogramm
10.35 Kaffeepause
11.00
Andreas Putz (Zürich): Massenproduktion des heimatlichen Bestandes.
Die Bestandserfassung durch den Technischen Arbeitsdienst für
stellenlose Techniker, Zürich 1932-1938
11.40
Hubertus Adam (Basel): Seldwyla revisited
12.20 Mittagspause
Heimat im Sozialismus
14:00
Diana Zitzmann (Berlin/Dresden): Byt im Wohnungsbau der frühen
Sowjetunion (1917-1932). Sankt Petersburg als Labor der Heimatstiftung
14:40
Ulrich Wieler (Wien/Weimar): Die Gablonzer kommen. "Umsiedler"
und ihre Beheimatung in einer sozialistischen Moderne
15:20
Tanja Scheffler (Dresden): Plattenbau-Großsiedlungen als Heimat
für die "sozialistische Gesellschaft" der DDR? Das frühe Ende einer
Illusion
16.00 Kaffeepause
Heimat als Konstrukt
16:25
Kerstin Renz (Stuttgart): Schule als Heimat – Wiederkehr eines
Topos nach 1945
17:05
Stephan Dreischer (Dresden): Das "Haus Europa" – Heimat und
Beheimatung in Bauten der Europäischen Union?
Anstelle eines Fazits
17:45
Manfred Seifert (Dresden): Brauchen wir Heimat?
Schlussdiskussion
Ende der der Tagung ca. 18:45
Quellennachweis:
CONF: Ort und Gegen-Ort (Dresden, 13-14 Jun 13). In: ArtHist.net, 26.05.2013. Letzter Zugriff 09.06.2026. <https://arthist.net/archive/5462>.